Haute Route - zu Fuß von Zermatt nach Chamonix Mont-Blanc
- carolinbiermann
- vor 5 Tagen
- 12 Min. Lesezeit
Von den Wolken zurück auf festen Boden
Kaum von meinen Paragliding-Wochen zurück in Düsseldorf, geht es auch schon wieder auf zum nächsten Abenteuer. Die Haute Route ruft! Für alle, denen das nichts sagt: keine Sorge, vor nicht allzu langem ging es mir genauso. Doch wer Hochgebirgswanderungen sucht, kommt an dieser Tour kaum vorbei.
Die Tour
Eigentlich war mein Plan die Tour du Mont-Blanc zu wandern, also einmal um den Mont-Blanc herumzulaufen. Doch die Haute Route versprach mir abgelegene Pfade, mehr Höhenmeter und längere Etappen. Mit anderen Worten: mehr Anstrengung. Aber dafür auch besseres Training für meine bevorstehende Kilimanjaro-Besteigung im September. Also entschied ich mich kurzfristig um und wagte die Tour, die für „erfahrene Bergwanderer“ ausgeschrieben war :D.
Die Haute Route verläuft von Zermatt nach Chamonix. Vom Matterhorn zum Mont-Blanc. Auf der Route durchwandert man die schönsten Regionen der südlichen Schweiz (Wallis) und geht zu Fuß nach Italien und letztlich nach Frankreich rüber. Wer kann das schon von sich behaupten! Mit bis zu 1.500 Höhenmetern Aufstieg am Tag und bis zu 9 Stunden langen Wanderungen, geht es bis auf 3.000m (MSL) hinauf. Da wird die Luft schon dünner! Die Abstiege von bis zu 1.500 Höhenmetern sind ebenfalls zu erwähnen, da sie deutlich anstrengender sind als der Aufstieg. Das Gelände ist vielfältig. Von grünen Wiesen, über steinige Pfade, bis hin zu ausgesetzte Wegen und Blockgelände ist alles dabei.
Neun Tage, drei Länder, zwei platte Füße und unzählige traumhafte Momente
Wandertag 1 startet mit einer Gondelfahrt nach Jungen, St. Niklaus. Auf ca 1.900m starten wir unsere Wanderung und steigen auf zum Augstbordpass (2.891m). Auf dem Weg dorthin bekommen wir schon mal einen Vorgeschmack auf die verschiedenen Gelände. Wald- und Wiesenweg, Steine und Blockgelände. Im Blockgelände von Felsbrocken zu Felsbrocken zu tänzeln fand ich so lange toll, bis ich mich langgelegt habe :D Natürlich bin ich auch runter- statt raufgefallen, wenn schon denn schon. Aber außer Schürfungen und einem blauen Fleck ist nichts passiert.
Hier lernen wir schon mal das kleine 1 mal 1 der Wandertechnik von unserem Bergwanderführer Karsten: Immer leicht in den Knien bleiben, Oberkörpervorlage und Becken nach hinten und einen breiten Gang haben. Immer die äußere Bahn wählen, nicht die Rinne, damit man im Falle von Abrutschen mit einem Fuß, schneller zur Mitte hin mit dem anderen Fuß stabilisieren kann. Viele kleine Schritte machen statt wenige Große und möglichst die Höhe halten, damit die Knie nicht ständig stark auf- und absteigen müssen.
Der Aufstieg zum Augstbordpass ist steil aber der Blick von oben total beeindruckend. Die beiden Täler sehen ganz unterschiedlich aus. Der Wind ist stark und erfrischend nach dem schweißtreibenden Aufstieg und ich bin unheimlich stolz, dass wir uns diese Perspektive erlaufen haben. So schmeckt der Hafer-Riegel zum Lunch gleich doppelt gut. Danach folgt der Abstieg runter nach Gruben, wo wir unser Lager in Hotel Schwarzhorn beziehen werden. Auch hier haben wir Gelegenheit unsere Technik weiterzuentwickeln (oder überhaupt mal zu entwickeln ;)). Bei bröseligem Untergrund immer zuerst mit der Ferse aufsetzen. Bei Steinen eher mit dem Vorderfuß aufsetzen, damit mehr Oberflächenreibung besteht. Außerdem die Hüfte und Fußspitzen immer in Weg-Richtung zeigen lassen und nicht seitlich aufdrehen. Unsere Gruppe ist ziemlich fit und schnell und so schaffen wir die ganze Tagesetappe in knapp 7 Stunden zu bewältigen. Inklusive Pausen! Danach sind wir aber auch alle gut geschafft und das Bier und Eis schmeckt großartig.
Da wir zu elft in einem Lager schlafen und früh wieder rausmüssen, ist zeitig Schlafen angesagt. Dass es allerdings SO zeitig sein würde, dass Daniel, Jondala und ich um 22Uhr in ein stockdunkles Zimmer reinschleichen, als wäre es 5Uhr morgens, während andere schon friedlich vor sich hinschnarchen, hatten wir nicht erwartet :D Außerdem gleich mal ein weiteres Learning gemacht: wenn man sich im Lager nicht unbeliebt machen möchte, nutzt man eine Stirnlampe mit Rotlicht, statt dem Handylicht. ;) Danke, Karsten!
Tag 2: Forclettapass und Zinaltal
Um 6:00Uhr klingelt der Wecker, 6:30Uhr gibt es Frühstück und um 7:30Uhr geht es auf zum Forclettapass (2.874m). Wieder traumhafte Ausblicke und ein Gefühl von Stolz zu Fuß diesen Pass erklommen zu haben. Heute ist die Landschaft hauptsächlich grün, was optisch mehr hermacht als das steinige Gelände von gestern. Nach 17km und 8 Stunden Wandern gelangen wir ins Zinaltal, wo wir in die Trift Hütte einkehren. Die zwei jungen Besitzerinnen wirken etwas unvorbereitet auf unseren Besuch. Es gibt genau drei Flaschen Wein, dafür aber gefühlt 20 verschiedene Säfte, die am nächsten morgen beim Frühstück zum Einsatz kommen. Ein bisschen so, als wenn sie erst vor ein paar Wochen die Unterkunft und Gaststätte übernommen hätten und sich erstmal organisieren müssten. Aber auch sehr authentisch und irgendwie charmant, und wir haben einen lustigen Abend bei Käsefondue, was in der Gruppe auf gemischte Begeisterung stößt, da es ja nicht unbedingt die leichteste Wanderkost ist. Aber mit dem untergerührten Kirschli und dem lokal gebrannten Schnaps zum Abschluss ist alles gut bekömmlich.
Tag 3: Lac des Autannes, Col de Torrent und Arolla
An Tag 3 fahren wir ein Stück mit dem Bus und beginnen dann unsere Tour am Stausee Lac de Moiry. Das Gletscherwasser im See ist Babyblau. Man könnte auch sagen Türkis ;) Höher und höher hinauf, entlang der grünen Wiesen und der kleinen Rinnsale, die peu à peu vom Berg herunterfließen, immer das Berg- und Gletscherpanorama im Blick, erreichen wir den Lac des Autannes. Ein Wildsee, in dem man schwimmen kann! Natürlich lass ich mir das nicht zwei mal sagen. Wann hat man schon mal die Gelegenheit auf 2.600 Metern schwimmen zu gehen! Also schnell umziehen und ins eiskalte Wasser springen. Wenn man sich einmal dran gewöhnt hat, wird es angenehmer. Zu dritt schwimmen wir zu einer 1-Quadratmeter großen Insel innerhalb des Sees und betrachten den Blick auf die Berge. Einer der vielen Momente, in denen mir wieder bewusst wird, wie privilegiert ich bin, solche tollen Erlebnisse zu haben.
Wieder umgezogen, geht es weiter bergauf bis auf den Col de Torrent (2.919m). Ihr merkt schon, es wird Italienisch ;) Der Blick ist wundervoll und diesmal sind sogar weitere Menschen außer uns hier oben. Gerade so viele, dass man sich nicht gestört fühlt. Die Blicke in beide Richtungen des Passes sind wiedermal traumschön. Hinter uns der Blick auf die zwei Seen, vor uns ein riesen grünes Tal vor allem sieht man überall Bergspitzen. Schnell zücken einige aus der Gruppe das Handy und erklären mit Hilfe der Bergspitzen App welcher Berg wie heißt. Auch wenn wir die Namen mehr oder weniger sofort wieder vergessen, ist es dennoch schön es einmal zu hören. Nur einen vergessen wir natürlich nicht: den Mont-Blanc! Er ist noch weit in der Ferne und es ist etwas diesig, aber er ist zum ersten mal deutlich zu erkennen.
Wir steigen ab und können links-seitig schon das Dorf im Tal sehen. In Villa kehren wir in ein süßes kleines Café ein, Café Col de Torrent. Wir haben es in die Evolène Region geschafft :) Nach einem köstlichen, wenn auch klitzekleinen Eiskaffee, geht es mit dem Bus hinunter nach Arolla in unsere wunderschöne Unterkunft. Das Hotel du Glacier ist mein persönliches Unterkunfts-Highlight der Tour. Ehemals eine einfache Berghütte, wurde es liebevollst über die Jahre in ein tolles Hotel umgebaut. Außen ist es über und über mit bunten Blumen bewachsen, was es schon äußerlich zu einem Schmuckstück macht und die Zimmer mit Balkon und Blick auf das Bergmassiv sind unwahrscheinlich gemütlich. Das Hotel ist nach wie vor in Familienbesitz und das Restaurant hat hervorragendes Essen. Natürlich ist wieder voll und ganz auf unseren großen Appetit in der Gruppe zu zählen und wir bekommen noch mal Nachschub vom Kartoffelgratin.
Abends zieht am Horizont ein Gewitter auf. Es bleibt hinter der Bergkette, die direkt vor uns liegt und erleuchtet immer und immer wieder silbern die Silhouette der Berge. Der Himmel vor mir ist glasklar und mit einem Sternenmeer geschmückt. An diesem Abend sehe ich gleich drei Sternschnuppen. Ich sitze auf dem Balkon, warm eingepackt und mit einem Stück Apfeltarte in der Hand, während ich dieses wunderbare Naturspektakel genieße.
Tag 4: Col de Riedmann und Cabanne de Prafleuri
Am nächsten Morgen werden erstmal die Füße getaped und mit Blasenpflastern versorgt - die letzten Tage haben ihre Spuren hinterlassen! Der kurze Vom-Weg-Abkommer beim Start lohnt sich, da wir somit zumindest einmal kurz die berühmten Schwarz-Nasen-Schafe aus dem Wallis zu Gesicht bekommen. Heute stehen 1.500 Höhenmeter Aufstieg, 800 Höhenmeter Abstieg und knapp 20km Strecke auf dem Programm.
Wie sich herausstellt, können wir heute einmal mehr unsere Gelände- und Technikkenntnis erweitern, sowie unsere Ausdauer auf die Probe stellen. Am Col de Riedmann (2.919m) ist der Aufstieg anstrengend und steil, aber noch im Rahmen des inzwischen Gewohnten. Hinter dem schmalen Pass jedoch folgt ein so steiler Abstieg, dass man sich an einer Kette hinab hangeln muss. Für die geübten Bergziegen in der Gruppe kein Problem. Für mich hingegen absoluter Endgegner. Was habe ich geflucht! An dieser Stelle zitiere ich besser nicht meine Gedanken. Am Ende bin ich jedenfalls heil froh wieder festen, nicht-rutschenden, bröseligen Boden unter den Füßen zu haben. Die Belohnung ist ein wundervoller Ausblick auf einen riesigen Gletscher (La Ruinette) und eine Wanderung erst entlang des Flusses und schließlich hinab zum größten Stausee der Schweiz, dem Lac de Dix.
Nach gut 4km entlang des Sees und der Bekanntschaft mit den berühmten Eringer Rindern, die geschniegelt und gestriegelt, wie fürs Foto bestellt auf der Wiese am See grasen, geht es noch einmal in den Anstieg. Zu diesem Punkt dachte ich, ist es nicht mehr lang. Doch weit gefehlt. Der Aufstieg zum Col de Roux dauert noch mal 1,5 Stunden und erfordert die letzten Kräfte. Dafür sehen wir auf dem Weg aber beeindruckende Felsen mit außergewöhnlicher Maserung und von dem Pass aus kann man schon unten unsere Herberge für die Nacht sehen: die Cabane de Prafleuri (2.664m). Auf der Hütte angekommen, werden erstmal die Elektrolyte mit einem Feierabend-Bier aufgefüllt! In dieser Unterkunft gibt es keine Duschen. Nur einen Waschraum, der ca 10qm groß ist und neben zwei Waschbeckenwannen noch zwei freistehende Pissoirs und zwei Toiletten beinhaltet. Wer sich waschen möchte, kann dies hier öffentlich mit kaltem Gletscherwasser tun. Später am Abend, nach dem wuseligen Abendessen mit den anderen ca 50 Wanderen, amüsieren wir uns noch köstlich beim Würfelspiel „Alles oder Nichts“. Nachts können wir von unserem Lager aus eine Herde Steinböcke in der Dunkelheit beobachten.
Tag 5: Steinböcke und drei Pässe
Im Morgengrauen geht es los zu einer weiteren langen Tagesetappe. Somit haben wir das Glück Steinböcke in rund 20m Entfernung zu sehen, was sehr eindrucksvoll ist. Es stehen gleich drei Pässe heute auf dem Programm: Der Col de Prafleuri (2.987m), Col de Louvier (2.921m) und Col Termin (2.648m). Die Landschaft ist heute von allen Etappen am vielfältigsten und für mein Empfinden die Schönste von allen.
Mein besonderes Highlight ist der Abschnitt zwischen Col de Louvier und Col Termin. Er führt uns über einen ausgesetzten Weg, was im Grunde bedeutet, dass der Weg sehr schmal an einem Steilhang entlang führt und keine Begrenzung hat. Oder wie Google es sagen würde: “(…) ein Wegabschnitt, bei dem ein Absturz durch die große Steilheit oder Unwegsamkeit des Geländes eine erhebliche Verletzung oder Lebensgefahr darstellt.“ :D Es geht links von mir also ohne jegliche Absperrung steil ins Nichts hinunter. Etwas unheimlich. Dafür hat man aber das Gefühl geradewegs durchs Auenland zu wandern. Der Blick über die grünen Berge hinunter zu einem pittoresken See bei Gold-schimmernder Nachmittagssonne…einfach schön. Trotzdem bleibt man besser stehen wenn man den Blick genießen möchte oder gar ein Foto machen will. Denn wie gesagt, zwischen dir und dem freien Fall ins Nichts, ist nur ein Schritt nach links.
Der Abstieg nach dem dritten Pass runter zu Verbier hält noch eine Überraschung für uns bereit. Inzwischen ist klar, dass sich ein Unwetter anbahnt. Wir geben also Gas. Nur noch eine Kurve und wir müssten unsere Gondelstation schon sehen. Aber nein, stattdessen sehen wir einen Wegweiser, der uns weitere 40 Minuten Weg bergauf (!) ankündigt. Es ist soweit, die Stimmung kippt, das Wetter auch. Da hilft auch „jetzt erzählen wir uns alle mal eine positive Geschichte aus unserem Leben“ nichts mehr :D - trotzdem danke für den Versuch, Petra (es kam von Herzen). Also Regenkleidung an, Beine in die Hand nehmen und durch den Regen pesen. Tatsächlich schaffen wir es noch vor dem Gewitter und vor den Schließungszeiten allesamt zur Gondelstation und können hinunter nach Le Chable runterfahren, wo wir gebührend auf unser Tageswerk anstoßen.
Tag 6: Grand St. Bernard
Heute ist Ruhetag angesagt, was bedeutet, dass wir nur 4 Stunden wandern. Auch Talhatscher genannt. Beim Abstieg blockt auf einmal mein Oberschenkelmuskel und ich muss die Wanderung vorzeitig beenden. Zum Glück heute kein Problem, da ich in Sembrancher mit der Bahn nach Orsières fahren kann und von dort aus den Bus nehme, den die anderen etwas später ebenfalls nehmen. Es geht nach Grand St. Bernard (2.473m), die Geburtsstätte der Bernhardiner. Doch der Ort ist viel mehr als nur das. Auf dem Pass Grand St. Bernard wurde 1050 ein Kloster und Hospice von Mönchen gegründet, um erschöpften Reisenden Unterkunft und Hilfe geben zu können. Die Winter waren hart und alles dick eingeschneit, weshalb die Mönche wohl auch auf Skiern unterwegs waren. Da einige Reisende auf dem anstrengenden Weg zum Pass verunglückten, rückten die Mönche mit ihren ausgebildeten Hunden aus, welche stets ein kleines Fass Brandwein um den Hals trugen, um die Verunglückten wieder zu stärken. Der berühmteste Hund ist Barry, der 1800 bis 1814 gelebt hat und 40 Menschen das Leben gerettet hat. Ihm zu Ehren wurde eine Foundation gegründet und bis heute werden die Berhardiner dort oben gezüchtet. Selbst Napoleon ist mit seinen 40.000 Soldaten über den Grand St. Bernard Pass gekommen und hat die Mönche ordentlich über den Tisch gezogen.
Abgesehen von der reichhaltigen Geschichte ist Grand St. Bernard auch geographisch einzigartig. Von hier aus kann man zu Fuß nach Italien rübergehen. Einmal am See entlang zur Statue des heiligen Bernhard von Aosta und tadaaaa, schon kostet der Kaffee keine 6,00 Schweizer Franken mehr, sondern nur noch 2,50 Euro. Lasset uns speisen! Nach einer Pizza, einer großen Portion Gelato und ein paar Tartufo sieht Welt gleich ganz anders aus :)
Tag 7: Alpanage de Peule und Refugio Elena
Heute stoße ich erst auf halber Strecke zur Gruppe dazu, weil mein Oberschenkel bisher keine Besserung zeigt. Aber die Etappe möchte ich mir nicht entgehen lassen, da der Weg traumhaft sein soll und das Ziel - die Elena Hütte - weit bekannt ist. Während die anderen um 8:00h losmarschieren und zwei andere vorzeitig nach Chamonix-Mont-Blanc reisen, fahre ich mit dem Bus nach Orsières und von dort aus nach Ferret. Allein die Busfahrt ist schon Sightseeing. Ab Ferret steige ich 400 Höhenmeter auf zur Alpanage de Peule, die ungewohnt hoch frequentiert ist. Kein Wunder! Unsere Haut Route kreuzt inzwischen die Tour de Mont Blanc und dadurch ist reichlich Trubel angesagt. Es gibt sogar eine Folklore-Altherren-Jodelgruppe, die nicht müde wird, auf das hervorragende Raclette hinzuweisen :D
Ab hier steigen wir auf zum Grand Col Ferret, der die Grenze zwischen der Schweiz und Italien markiert. Atemberaubender Ausblick! Was bin ich froh, dass ich die Etappe nicht ausgelassen habe. Das Bein tut fies weh trotz IBU 1500, aber alles ist vergessen wenn man da oben steht und einem die Welt zu Füßen liegt. Hier verbringen wir eine der schönsten Team-Pausen. Wir sind stolz auf unsere Wanderleistung und genießen das Leben.
Danach 500 Meter Abstieg zur Elena. Was für eine Hütte! Es ist wuselig und gut besucht. Natürlich gibt es hier eine exzellente Kaffee Maschine. Schließlich sind wir in Italien! Die Terrasse bietet Blick auf das Bergmassiv, doch da das Wetter umschwingt, kommt stürmischer Wind auf und man darf sich an der Kälte nicht stören, wenn man draußen sitzen möchte. Mit einer Duschmarke können wir 3Min warm duschen gehen - immerhin! Das Abendessen hat etwas von Essensausgabe, aber die Spaghetti Bolognese sind legendär und anschließend spielen wir noch Tiroler Roulette, bevor wir in unser 30er Zimmer schlafen gehen.
Tag 8: Monte Bianco und Courmayeur
Für mich ist erstmal Wanderpause angesagt, nachdem es gestern eher schlecht als recht lief. Nach 400m Abstieg fahre ich nach Entreves und laufe zum Skyway Monte Bianco. Hier gönne ich mir eine Gondelfahrt zum Punto Helbronner, 3.466m.
Mitten im Gletscher hat man eine wundervolle Aussicht über das Mont-Blanc Massiv. Vor einem kann man schon die Aiguille du Midi erahnen, sowie das Vallée Blanche und das Mer de Glace. Ich genieße die Kälte, mache reichlich Fotos und trinke die beste heiße Schokolade der Welt beim Anblick des Monte Biancos. Das Leben ist gut.
Anschließend treffe ich die anderen in Courmayeur, wo wir auf unsere Tour anstoßen. Schließlich war heute der letzte Wandertag. Courmayeur ist ein süßes Städtchen aber nicht ganz so legendär wie ich es mir vorgestellt hatte.
Von hier aus geht es durch den Mont-Blanc Tunnel, in das lang ersehnte Bergsteiger-Mekka: Chamonix Mont-Blanc! Willkommen in Frankreich! Da liegt er vor uns, der Berg aller Berge und es fühlt sich so an, als ob man den Gletscher greifen könnte. So nah wirkt es.
Wir machen noch einen Orientierungsspaziergang und staunen über diese süße Stadt, die von Outdoor Geschäften übersäht ist. Wer sich finanziell verändern möchte, ist hier genau richtig. Ich könnte ein Vermögen ausgeben! Nach einem gemeinsamen Bier geht es im Stechschritt zum Abschluss-Dinner und alle verabschieden sich.
Highlight in Chamonix: L‘Aiguille du Midi und die Panorama Tour
Da ich noch zwei weitere Nächte in Chamonix habe und das Wetter heute noch gut ist, nutze ich den Tag für ein besonderes „Schokolädchen“. Ich fahre die Aiguille du Midi hoch. Auf 3.847 Metern ist man Mitten im Gletscher und vor einem breitet sich das Valle Blanche aus und natürlich der Mont-Blanc. Man kann Bergsteiger aus dem Alpinisten Ausgang aufbrechen sehen. Sie müssen einen schmalen Weg herunter über Eis gehen, um in die Ebene zu kommen. Links und rechts von ihnen geht es steil hinunter. Nichts für schwache Nerven. Ich stelle mir vor wohin sie wohl gehen. Ich verbringe fast 6 Stunden hier oben, weil ich einfach nicht genug von diesem Blick kriegen kann. Besonders eindrucksvoll ist die Panorama Tour von der Aiguille du Midi rüber zum Helbronner Punkt, wo ich schon gestern von der italienischen Seite aus war. Die Gondeln sind winzig und ich mache nette Bekanntschaften mit Leuten, die ich nie wieder sehen werde. Dennoch bereichern sie mein Erlebnis :)
Auf einer der Stiege fotografiere ich zwei Bergsteiger, die gerade von ihrer Tour zurückkehren. Kurz später treffe ich sie auf der Platform. Sie sehen verdammt erschöpft aus und sonnenverbrannt. Von welchem Gipfel sie wohl zurückgekehrt sind?! Ich traue mich nicht fragen. Ich biete dem eindrucksvollen Riesen mit Wikinger-Frisur an, ihm die Fotos zu zu schicken, die ich von ihnen gemacht habe. Nachdem mir Yura seine Telefonnummer gegeben hat, bietet er mir das erste Stück seiner Schokolade an. Seine Hände sehen schwer beschädigt aus. „Where I come from you give something back, when you get something“. Mein Herz geht auf.
Nach knapp zwei Wochen voller Eindrücke, körperlicher Herausforderung und vor allem Ruhe, schließe ich meine alpine Reise ab und es geht für einen kurzen Stopover zurück nach Düsseldorf.
Die Tour war ein Traum und ich schätze mich glücklich dieses Erlebnis gemacht haben zu dürfen.
Ein DANKESCHÖN…
…geht an unserer Bergwanderführer Karsten, der mit viel Fürsorge, Herzblut und wunderbarem Humor unsere Gruppe durch die Alpen geführt hat. Auch ein Danke geht an jeden Einzelnen in unserer Gruppe. Es war mir ein Fest so viele neue Dialekte kennenzulernen :D und ich werde es in wunderbarer Erinnerung behalten, wie jeder den anderen liebevoll mit seinen Eigenheiten aufgezogen hat, und wie hilfsbereit alle untereinander waren.
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