top of page
  • Instagram

Buenos Días Bolivia

10. Okt.
22 Min. Lesezeit

Um 7:30 h kommt mein Peru Hop Bus und wir machen uns auf den Weg nach Copacabana, Bolivien. Eigentlich hatte ich gar nicht vor, nach Bolivien zu reisen, aber es bot sich an und mit etwas Hin- und Herschieben meiner Reiseroute konnte ich es noch integrieren und dennoch im Zeitplan bleiben.

 

Isla del Sol

 

Das Border Crossing ist schnell gemacht und kurz darauf kommen wir bei strahlendem Sonnenschein in Copacabana an. Ich bin das gute Wetter gar nicht mehr gewohnt! Nach einem kurzen Mittagessen geht es mit dem Boot eine Stunde über den See zur Isla del Sol. Es windet ganz schön und die meisten ziehen sich ins Boot zurück. Ich bleibe, so lang es geht, oben auf dem Dach sitzen und genieße den Ausblick.

Bevor wir im Hafen der Isla del Sol anlegen, machen wir noch einen Stopp beim Sonnentempel. Er ist am Zipfel der Insel gelegen und wird wunderschön von der Sonne beschienen. Einige aus der Tour laufen von hier aus zum Hafen rüber. Ich nehme das Boot, da ich ja mein Gepäck mit dabei habe und noch den ganzen Tag Zeit habe.

 

Im Hafen stehe ich erstmal alleine da. Ich hatte einen Pick-up-Service von meinem Hotel bestellt, um mir mit dem Gepäck zu helfen, doch zunächst ist keiner da. Plötzlich taucht eine kleine Frau auf, schätzungsweise 25 Jahre alt, die sich beherzt meinen einen Rucksack umschwingt. Erst jetzt wird mir bewusst, dass es keinerlei Fahrzeuge auf der Insel gibt. Nicht mal Motorräder. Wir laufen steile Treppen schnurstracks den Berg hinauf, mit einem kleinen Stopp an einer Wasserquelle. Neben uns rastet eine alte Frau, die den gleichen Weg geht. Ihr gilt mein höchster Respekt! Schließlich kämpfe schon ich mit meinen 35 Jahren und guter Fitness, hier hochzukrauchen.

 

Nach ca. einer halben Stunde Aufstieg kommen wir im Hotel an und es ist wirklich traumschön. Lauter kleine und ziemlich neue Steinhütten mit riesigen Glasfenstern und einer Sitzecke, von der aus man einen unschlagbaren Blick auf den See hinaus hat. Gäste eines anderen Bungalows scheinen gerade auszuchecken, womit ich scheinbar die einzige Gästin am heutigen Tag im Hotel bin.

 

Eigentlich bin ich erschöpft, aber das Wetter ist schön, also mache ich mich auf den Weg zu einem kleinen Spaziergang zum Dorf. Zu dieser Uhrzeit sind die ganzen Touristen schon wieder mit dem Boot abgereist und die Insel gehört nun den Einheimischen. Die Wege sind aus Pflastersteinen gebaut und kurz nachdem ich an der kleinen Kapelle abbiege, geht es erstmal lange bergauf. Ich komme an ein paar Eseltreibern vorbei und eine Mutter eilt mit ihrer Tochter in traditioneller Tracht an mir vorbei. In der Entfernung höre ich Musik und beschließe, einfach mal in die Richtung zu laufen.

 

Die Landschaft der Insel ist wunderschön. Links von mir sind Felder in Terrassenform angelegt. Rechts von mir geht es recht weit hinab. Trotzdem gibt es immer wieder Häuser und hübsch angelegte Gemüsegärten. Ich komme der Musik näher und es tauchen auch immer mehr Familien, Ehepaare und Freundesgruppen auf, die in einen Feldweg einbiegen. Sie tragen teilweise Bierkästen in ihren traditionellen Tragetüchern oder bringen Speisen mit. Ich frage, ob ich mich anschließen kann, und darf mit zum Veranstaltungsplatz kommen. Jemand erklärt mir, dass es eine Festivität ist für die jungen Männer, die neu zum Militär rekrutiert wurden. Eine Blaskapelle spielt, eine Gruppe von Frauen sitzt auf der Wiese, separat von ihnen eine Gruppe Herren, und es wird sogar ein bisschen getanzt. Aber in zwei Linien, eine Damen- und eine Herrenlinie, und der Tanz sieht sehr reglementiert aus. Ich bleibe beim Tor stehen, da ich nicht stören will, und mache möglichst unauffällig ein paar Fotos.

 

Anschließend steige ich noch querfeldein auf die Spitze der Insel hinauf zum Mirador. Eine Quechua-Frau sitzt hier und strickt. Sie erzählt mir, dass die argentinischen Touristen hier oft campen und vandalieren und dass ihr Dorf daher eine Wache eingerichtet hat, die rotierend hier oben aufpasst. Heute ist sie dran und sie bittet mich, etwas von ihren Strickwaren zu kaufen, da sie heute noch nichts verkauft hat. Ich hab schon so viel gekauft und bin bestens ausgestattet. Außerdem ist der Backpacker schon hart an seinen Grenzen. Aber ich möchte sie nicht auf ihren Sachen sitzen lassen und kaufe noch ein Paar Handschuhe. Ob ihre Geschichte wahr ist, bin ich nicht sicher. Schließlich wollte sie mir auch die Baumwollhandschuhe als Baby-Alpaka verkaufen. Aber was soll’s. Wenn ich sie unterstützen konnte, ist ja gut.

 

Hier treffe ich auch auf eine lustige Familie bzw. eine Mutter mit ihrem sehr aufgeweckten, ca. 10 Jahre alten Sohn und ihrem Lebensgefährten. Sie machen gemeinsam ein Jahr Sabbatical und erzählen mir aufgeregt von ihren bisherigen Erlebnissen. Einerseits liebe ich ihre Begeisterung und ihre wirklich sehr entertainigen Geschichten. Andererseits geht gleich der Sonnenuntergang los und den möchte ich in Ruhe genießen. Nach dem Sonnenuntergang laufe ich auf der anderen Seite des Hügels unter Begleitung eines Kangal-ähnlichen Hundes zurück und kehre noch zum Abendessen in ein Restaurant ein. Wieder mit tollem Blick auf den See – diesmal Richtung Westen. Wobei nicht mehr allzu viel zu sehen ist, weil es nun fast ganz dunkel ist. Nach einer interessanten Unterhaltung mit zwei englischsprachigen Männern am Nachbartisch breche ich auf und suche mit Handylicht meinen Weg zurück. Gar nicht so einfach! Einmal lande ich im Garten einer Familie und einmal kommt mir aus dem Nichts ein älterer Bauer auf dem schmalen Weg entgegen. Aber ich komme heil in meinem Hotel zurück.

 

Am nächsten Morgen habe ich nach ein, zwei Telefonaten (mit L’Oréal und Kirsten) noch mal Zeit, den südlichen Teil der Insel zu erkunden. Das Wetter ist traumhaft und ich genieße es, mal wieder Sonne und Wärme zu haben. Ich laufe zum Sonnentempel und auf dem Grat der Insel entlang. Außer Eseln begegnet mir eigentlich niemand.

 

Der Tag hier auf der Isla del Sol hat sich auf jeden Fall gelohnt! Die Ruhe hat gutgetan und obwohl oder vielleicht gerade weil es hier nicht viel zu unternehmen gibt, sollte man sich Zeit nehmen, hierherzukommen und bewusst zu entschleunigen.

 

Später geht es mit dem Boot zurück nach Copacabana, wo ich in das surreale Las Olas Hotel einchecke.

 

Copacabana und Las Olas

 

Copacabana selber ist kein großes Highlight – zumindest nicht in meiner Wahrnehmung. Die Hauptstraße hat viele Restaurants für Touristen und es gibt einen Souvenirstand nach dem anderen. Unten am Hafen gibt es unzählige Boote und vor allem bunte Gummiwutzen, die man sich für Adrenalinaktivitäten buchen kann. Das Bananenboot ist da noch das Harmloseste, was ich sehen kann. Eines sieht aus wie ein Kreisel von der Kirmes, der sich wild umherschleudert, wenn das Motorboot es über das Wasser zieht.

 

Was aber heraussticht, ist das Hotel Las Olas. Es liegt am Hang, nahe der Bucht, und mutet vom Stil her stark der Architektur von Gaudí an. Die Häuser hier sind rund, erdfarben, aber mit wunderschönen Verzierungen schmückend bemalt. Sie haben außerdem bunte, in Mustern gelegte Glasscheiben und auch die Wege zwischen den Häusern sind kreativ gestaltet. Teilweise rund, wie eine Skaterbahn. Es gibt sogar zwei aufwendige Baumhäuser! Man fühlt sich ein bisschen wie ein Zwerg in einer übergroßen Naturlandschaft. Was auffällt, ist, dass die ganze Anlage extrem sauber gearbeitet ist und viele fleißige Angestellte herumlaufen, um alles sauber zu halten, zu handwerkern oder Häuser zu reinigen. Wie sich herausstellt, gehört das Hotel einem Deutschen: Martin! Er ist Bildhauer und hat das Hotel nicht nur entworfen, sondern auch mitgebaut.

 

Mein „Zimmer“ ist tatsächlich ein ganzes Haus, das wie ein ovaler Kegel aus dem Boden ragt. Es geht über zwei Stockwerke und ist so toll, dass ich gar nicht weiß, wo ich mich als Erstes aufhalten möchte. Unten im Erdgeschoss ist ein großes, rund gemauertes Bett. Es gibt eine Küche mit Tee und Kaffee und ein ausgefallenes Badezimmer mit einer wie ein Schneckenhaus geformten Duschwand. Vor dem riesengroßen Fenster mit Blick auf die Bucht steht ein Kamin. Geht man die Treppe hinauf, findet man noch mal zwei Betten und eine Hängematte sowie einen Schreibtisch, wieder mit Blick auf die Bucht. Perfekt, denn hier werde ich morgen ein letztes Gespräch mit L’Oréal zu meinem Wiedereinstieg führen.

 

Ich bin total verliebt in dieses Hotel und fast schon traurig, dass ich nicht mehr Zeit habe. Sonst hätte ich locker noch ein, zwei Nächte verlängert. Im Minimarkt vor dem Hotel hole ich mir ein Bier, setze mich ans Fenster und verfasse meinen Reisebericht.

 

Später am Abend treffe ich mich noch mit dem belgischen Paar, das ich schon im Bus kennengelernt habe. Wir gehen bei einem kleinen Italiener unten am Fuße des Hotels essen und haben einen lustigen Abend! Ich mag sie sehr. Anschließend werfe ich den Kamin in meinem Häuschen an und mache mich so breit wie möglich in meinem kreisrunden XXL-Bett. Was für ein schöner Aufenthalt!

 

Der Priester, der die Autos segnet

 

Bis mein Bus nach La Paz fährt, unternehme ich noch etwas Sightseeing. Es gibt eine hübsche Kirche, die ich besichtige. In dem kleinen Park, der vor der Kirche liegt, treffe ich auf zwei Frauen: Tante und Nichte, wie sich herausstellt. Die Frau macht mir Komplimente für meine Kamera und wir kommen etwas ins Gespräch. Die beiden sind unglaublich freundlich und geben mir noch einige Tipps. Zum Abschied nimmt mich die Frau in den Arm und drückt mir einen Kuss auf die Wange. Ihre Herzlichkeit hat gutgetan :)

Auf ihren Rat hin laufe ich zum Horca del Inca – ein altes Observatorium. Wieder einmal wunderschöne Ausblicke. Vor mir liegt die ganze Stadt und in der Ferne die Bucht.

 

Anschließend gehe ich noch einmal zur Kirche zurück. Denn in der Zeitung stand, dass heute um 14 h die Autos gesegnet werden. Das klang skurril, also will ich es mir nicht entgehen lassen. Tatsächlich ist das ein Brauch, der wohl nur hier praktiziert wird und viele Leute von fern und nah anlockt. Familien, die sich ein neues Auto gekauft haben, können hier ihr Auto vom Pfarrer segnen lassen, auf dass der Wagen lange reparaturfrei bleibe und sie in keinen Unfall geraten mögen. So eine Taufe will anständig vorbereitet sein. Die Familien parken sauber aufgereiht vor der Kirche und schmücken ihre Wagen mit Blumen, Süßigkeiten, Kunstgeld und Deko. Es sieht fast wie ein kleiner Schrein aus. Der Pfarrer läuft von Auto zu Auto, spricht Gebete, sprenkelt heiliges Wasser und macht Fotos mit den Familien. Natürlich stecken sie ihm auch alle etwas Trinkgeld zu.

 

Nachmittags treffe ich wieder die Belgier. Wir trinken Kaffee, verbringen noch etwas Zeit im Aufenthaltsraum des Las Olas Hotels, kaufen Essen für die späte Fahrt nach La Paz und gehen dann gemeinsam zum Bus.

Die Strecke ist ziemlich sehenswert. Links von mir ist der Titicacasee, der in der Sonne glitzert. Einmal müssen wir den See an einer Enge überqueren, weshalb alle aussteigen und mit dem Boot übersetzen müssen. Auch unser gesamter Bus wird auf eine Art Mini-Fähre verladen und rübergebracht. Dann geht es weiter, bis wir spät abends um ca. 22 h in La Paz landen.

 

Mein Hotel – Patio de Piedra Boutique Hotel – liegt ziemlich zentral. Es ist sehr alt und mein Zimmer hat eine antike Holztür, die sich nur mit einem Vorhängeschloss verschließen lässt. Im Foyer haben sie eine große Sauerstoffflasche stehen. Schließlich befinden wir uns hier auf knapp 3.800 m. Zeit schlafen zu gehen.

 

La Paz Tag 1 – City Sightseeing-Rundfahrt

 

Natürlich möchte ich wieder mal das Meiste aus dem Tag herausholen. Daher habe ich mir eine Stadtrundfahrt gebucht. Ich bin die einzig englischsprachige Touristin. Die anderen kommen aus anderen südamerikanischen Ländern, wie zum Beispiel Kolumbien. Liebenswerterweise hat der Tour-Anbieter das aber mit einkalkuliert und hat mir quasi meine eigene Übersetzerin zur Seite gestellt. Mit einem süßen Bus mit großen Fenstern fahren wir die ganze Stadt ab. Hier die Orte, die wir uns ansehen:

 

  • Plaza Murillo – der Hauptplatz in La Paz, in Gedenken an den Unabhängigkeitskämpfer Pedro Domingo Murillo.

  • Killi Killi Mirador – von hier aus sieht man die ganze Stadt unter sich und um sich herum liegen.

  • Valle de la Luna: Der Canyon hat seinen Namen Neil Armstrong zu verdanken, der dieses Tal mal besucht hat und sagte, dass es aussieht wie der Mond.

  • Mi Teleférico: Das Seilbahnsystem, das quer über die Stadt schwebt. Es kostet wenig und man bekommt einen einmaligen Überblick über die verschiedenen Stadtteile.

  • Mirador La Paz: Das Hollywood-Zeichen von La Paz :)

  • Nachmittagsessen im Café Afrika (oder Café del Mundo?!)

 

Abends schaue ich mir die „Pre-Karnevals-Züge“ bei der Kathedrale an und laufe in das Stadtviertel hinab, das für seine kulinarische Szene bekannt ist. Ziel ist das Restaurant Manq’a, welches sehr moderne und exquisite Küche anbietet und außerdem viel Gutes tut, indem es Jugendlichen aus dörflichen Regionen eine Kochausbildung ermöglicht. Das Essen ist wirklich hervorragend, das Ambiente auch, und für meine drei Gänge und meine hausgemachte Limonade zahle ich gerade mal 13 Euro.

 

La Paz Tag 2 – City Walking Tour

 

Beim Frühstück mache ich eine tolle Bekanntschaft mit einem Mexikaner – Eddie. Er spricht mich an, woher ich komme, und fängt schallend zu lachen an, als er hört, dass ich Deutsche bin. „Germans never smile. Why are you always so happy?“ – er hatte mich schon am Vortag gesehen. Wir haben eine schöne Unterhaltung über diverse Nationalitäten und ihre Marotten und was Femininität und Maskulinität in unterschiedlichen Ländern bedeuten. Doch dann muss ich schleunigst aufbrechen!

 

Denn heute mache ich eine City Walking Tour! Im Gegensatz zu gestern geht es also weniger darum, maximal viel zu sehen, sondern eher mehr über die Geschichte der Stadt, die aktuelle Politik und ein paar Highlights zu erfahren. Um 10 h geht es am Plaza San Pedro (Plaza Sucre) los.

 

Witzigerweise gibt es gleich hier, mitten in der Stadt, ein Gefängnis. Da die Unterhaltungskosten dessen aber sehr hoch sind, hat die Regierung beschlossen, dass die Insassen Miete für ihre Unterbringung und Versorgung zahlen müssen. Da die meisten aber ja auch eine Familie haben und nicht zwei Mieten zahlen können, dürfen Frauen und Kinder der Insassen hier mit einziehen und zweimal am Tag rausgehen! Es gibt auch kaum Bewachungspersonal, eigentlich nur außen um das Gefängnis herum. Insassen und Regierung haben den Deal, dass die Polizei die Insassen innen in Ruhe lässt, solange die Insassen sich anständig benehmen und sich selbst gegenseitig reglementieren. Es klingt alles etwas verrückt und ich kann mir gar nicht vorstellen, dass das funktioniert. Aber anscheinend ja schon!

 

Dann geht es zum San Pedro Market, der nur am Wochenende richtig groß ist. Hier kann man alles Mögliche an Lebensmitteln kaufen und allerhand Krimskrams. Hier kann man die eine oder andere Cholita über den Markt laufen sehen. Sie haben weit ausgestellte Röcke, die ihre Hüften betonen, und einen etwas zu kleinen englischen Hut auf. Ihre Haare sind zu zwei langen Zöpfen geflochten, die Weisheit symbolisieren. Die Kleidung sollte im Ursprung der europäischen Mode nachgeahmt sein, aber da man keinen Tüll hier hatte, hat man einfach diverse Lagen an Stoff übereinandergearbeitet. Deshalb sind die Röcke auch extrem schwer. Die Hüte haben wohl ihren Ursprung bei einem deutschen Geschäftsmann, der die Briten, die damals in Bolivien gearbeitet haben, mit englischer Mode versorgen wollte. Leider ist eine Bestellung an Hüten zu klein ausgefallen und war für die Briten nicht nutzbar. Also hat er sie den Cholitas schmackhaft gemacht, die es als perfekte Ergänzung zu ihren Outfits erachteten. Der Rest ist Geschichte.

 

Während wir hier so stehen, kommt einer der aktuell 90 Kandidaten für die Bürgermeisterwahl vorbei. Er schüttelt uns begeistert die Hand, während seine treue Gefolgschaft alles auf Video aufnimmt. So wirklich recht ist mir das nicht! Was weiß ich, wofür der Mann steht. Nachher ist es einer der vielen korrupten Politiker und ich sehe dann womöglich so aus, als ob ich ihn supporten würde.

 

Anschließend geht es zum Hexenmarkt, der aber nur sehr klein ist. Hier kann man unter anderem Lamaföten kaufen, um sie dann Pachamama als Opfergabe zu bringen, wenn man zum Beispiel um Glück und Gesundheit im neuen Lebensjahr bitten möchte! Angeblich wurden zu früheren Zeiten bei großen Angelegenheiten, wie z. B. einem Hausbau, auch schon mal Menschen geopfert! Um genau zu sein Obdachlose, die dann zunächst mit Alkohol abgefüllt wurden und dann bewusstlos, lebendig unter Zement begraben wurden.

 

Nachdem wir auch noch zum Plaza Mayor de San Francisco gegangen sind, endet die Tour letztlich am Plaza Murillo, wo wir noch einiges über die letzte Regierung erfahren und dass Bolivien einiges weiter in der Entwicklung und im Wohlstand stehen könnte, wenn diese nicht gewesen wäre.

 

Ich bin totmüde und brauche dringend eine Pause. Also verziehe ich mich erstmal in die Hotellobby. Der Nachmittag ist dann nicht unbedingt mit viel Glück versehen. Das Restaurant, in dem ich essen möchte, hat geschlossen. Das Coca-Museum auch. Und während ich dann Empanadas bei einem italienischen Café esse, fängt es wie wild an zu regnen und scheint auch nicht so schnell wieder aufhören zu wollen. Tja, was mach ich jetzt mit dem Nachmittag? Alle Indoor-Aktivitäten scheinen geschlossen zu haben, aber jetzt in der Hotellobby zu sitzen, bis mein Nachtbus nach Uyuni fährt, ist auch zu lang. Also ziehe ich im Regen los und laufe zur nächstgelegenen Teleférico-Station, um zumindest noch 45 Minuten mit drei Linien – Orange, Weiß, Türkis – durch den Regen über die Stadt zu fahren. So hab ich zumindest das Gefühl, die Zeit genutzt zu haben.

 

Um 21 h geht dann mein Todo Turismo Bus nach Uyuni. Ich fühle mich wie in der ersten Klasse! Die Sitze kann man 160 Grad zurückklappen, es gibt warmes Abendessen wie im Flieger und Decken und Vorhänge gibt es auch! Morgen um 7:30 h sollen wir in Uyuni ankommen. Ich bin schon sehr gespannt, ob es wirklich so toll wird, wie alle immer erzählen …

 

Salar de Uyuni

 

Nachdem ich ziemlich bequem ca. 6 Stunden in meinem Luxusliner geschlafen habe, komme ich in Uyuni an. Es hat etwas von Wildem Westen. Die Stadt ist wirklich extrem einfach gestaltet. Die Straßen sind weiß staubig, es fahren ein paar verrostete Autos herum und es gibt nur eine sehr einfache Infrastruktur an Geschäften. Wie ich später herausfinde, haben die meisten Bankautomaten hier kein Geld mehr auf Lager und so muss man diverse ATMs ablaufen, bis man endlich Geld abheben kann.

 

Nach der Ankunft werde ich abgeholt und zu einem Café zum Frühstück gefahren. Hier treffe ich ein nettes holländisch-mexikanisches Pärchen, das dann aber leider mit einem anderen Tour-Operator weiterfährt. Irgendwann werde ich auch von meinem Tour-Operator abgeholt und lerne meine Gruppe kennen. Ein australisches Ehepaar mittleren Alters, ein Amerikaner in den Vierzigern und ein junger Brite, der in Buenos Aires studiert. Wir quetschen uns alle in den 4x4-Jeep rein, so wirklich bequem ist es nicht, und dann geht’s zum ersten Stopp – der ehemaligen Eisenbahn! Die Eisenbahn ist inzwischen ein Friedhof, da sie nicht mehr aktiv betrieben wird. Die rostigen Teile sehen eigentlich sehr dekorativ in der Landschaft aus. Wenn da nicht die Hundertschaften von Touristen dran herumklettern würden. Ich bin ziemlich genervt. Vielleicht kommt da doch die Müdigkeit raus, aber ich hatte mir das hier idyllischer vorgestellt und den Jeep etwas geräumiger.

 

Dann geht es weiter zu einer Salzfabrik, die aber kein großes Highlight vom Inhalt her ist und abermals von Touristen überfüllt ist. Natürlich bekommen wir auch extra Zeit zum Shoppen :( Danke, aber ich möchte nicht! Ich will jetzt die Salzwüste sehen und weg von dem Touristengetümmel kommen. Bisher gefällt mir das hier gar nicht. Obwohl ich doch extra den Premium-Anbieter gewählt habe für die Tour.

Nach dem Lunch geht es endlich auf den Salar de Uyuni hinaus! Wir bekommen auch Gummistiefel, da wir auf der Suche nach den Stellen sind, wo knapp 2 cm das Wasser draufsteht, damit sich hier die Spiegeleffekte zeigen und wir tolle Fotos machen können. Doch auch hier steuern wir zunächst wieder einen Punkt an, wo unzählige andere Jeeps sind. Das nehme ich zum Anlass zu fragen, ob wir nicht mal weg von dem Mopp fahren können! Anscheinend ist das die Isla Incahuasi (oft auch fälschlich als Lago de Pescado bezeichnet), wo wir laut Programm einen Stopp machen müssen, weil hier Schwefel durch den Boden hochkommt und Luft, die dann Wasserblasen in den kleinen Salzwasserpfützen erzeugt.

 

Doch dann geht es endlich raus in die Salzwüste. Weit hinein und an einen Fleck, wo kein anderer ist und wo wir eine wunderschöne Wasserspiegelung haben. Endlich! Nun zeigt sich die Landschaft, auf die ich so gehofft hatte. Es ist wundervoll! Das Salz ist wirklich schneeweiß und die Kristalle scheinen sich auf natürliche Art und Weise zu perfekten, quadratischen Kristallen zu formen, die wie eine Pyramide in die Tiefe gehen. So etwas habe ich nur einmal in einer teuren Gewürzmischung gesehen und habe mir dann sofort gedacht, dass das bestimmt maschinell hergestellt wurde, um hübsch auszusehen. Doch im Gegenteil. Es scheint eine besonders hohe Reinheitsform des Salzes darzustellen.

 

Nun kommt erstmal ein Fotoshoot. Unser Tour-Guide macht das eindeutig nicht zum ersten Mal. Ich bekomme genaue Anweisungen, was ich zu machen habe, und tatsächlich kommen Hammer-Bilder dabei raus. Allerdings saue ich mich beim Hochspringen auch kräftig mit Salzwasser ein, wodurch meine dunkelblaue Hose nach dem Trocknen auf einmal weiß und total „crispy“ ist vom ganzen Salz. Die Zeit hier mitten im See genieße ich sehr, weil sie so entspannt ist und kein Zeitdruck da ist.

 

Danach fahren wir zum Skulpturenpark. Hier wurden aus Salzblöcken ganz tolle Skulpturen gebaut, wie Pyramiden, eine Hand, Lamas, Adler und vieles mehr. Auch das macht viel Spaß und ich bekomme wieder viele lustige Bilder zusammen.

 

Nun suchen wir nach einem Teil des Salzsees, der trocken ist, damit wir Perspektiv-Fotos schießen können. Einmal werden wir von einem Dinosaurier gefressen. Einmal balancieren wir auf einer liegenden Weinflasche herum. Alles optische Täuschungen :) Es macht auf jeden Fall sehr viel Spaß!

Anschließend fahren wir in das erste Salzhotel, das es je auf dem Uyuni-See gegeben hat. Es ist nicht mehr in Takt und wird nur noch als Souvenirshop und Café betrieben. Da der Wind ordentlich zugelegt hat, kommt uns die Pause ganz gelegen und wir stoßen mit einem Bier an.

 

Letzter Halt für heute ist ein Platz im Nirgendwo, von dem aus wir den Sonnenuntergang beobachten können. Leider stürmt es inzwischen richtig und wir müssen uns für unser Glas Wein und die Snacks hinter dem Auto im Windschatten verstecken, um nicht weggepustet zu werden oder auszukühlen. Der Sonnenuntergang ist wunderschön und ein toller Abschluss für einen langen, austestenden Tag nach einer eher kurzen und ungewöhnlichen Nacht. Heute schlafen wir dafür in einem Salzhotel in Colchani. Es ist einfach, aber sauber und es gibt warme Decken. Leider bemerke ich erst am nächsten Morgen, dass ich sogar ein eigenes Badezimmer habe :D

 

Die Wüste Atacama und ihre Lagunen

 

Die Nacht war sehr durchmischt. Ich bin mitten in der Nacht wachgeworden, weil mir schrecklich heiß war und ich erstmal ein paar Lagen Klamotten ablegen musste. Dabei war es doch beim Ins-Bett-Gehen eiskalt?! Und heute Früh war es auch richtig kalt. Scheint wohl ein Nebeneffekt der Höhe zu sein …

 

Um 6:30 h gibt es Frühstück und um 7:00 h beladen wir das Auto. Es geht heute raus in die Wüste und hoffentlich sehen wir dabei deutlich weniger Leute als gestern. Unser erster Stopp ist in San Cristóbal, ca. eine Stunde von Uyuni entfernt. Den Weg dorthin verschlafe ich trotz winzigem Sitzplatz hinten auf der Rückbank des Jeeps. Umso mehr freue ich mich über den überraschend guten Kaffee in dem kleinen Café in dem verschlafenen Städtchen. Viel anderes gibt es hier nicht.

 

Dann geht es tiefer in die Wüste hinein und die Landschaft wird von Kilometer zu Kilometer schöner! Weit und breit ist kein anderes Auto zu sehen. Nach einer Weile machen wir einen Halt bei einer grünen Oase. Hier grasen Lamas in Ruhe vor sich hin und es gibt einen natürlichen See, wo ein paar Enten schwimmen. Im Hintergrund thront ein schneebedeckter Berg.

 

Als Nächstes schauen wir uns eine Quinoa-Plantage an. Dann geht es weiter, tiefer ins Landesinnere, bis wir offiziell den Start der Atacama-Wüste erreicht haben. Die Berge hier sind Vulkane. Es wächst kein Strauch und kein Baum auf ihnen, weshalb sie ganz surreal aussehen. Wie aus einem Star-Wars-Film. Alles sandig, staubig und höchstens mal steinig, wenn der Vulkan ein paar Brocken ausgespuckt hat. Wir halten an einer Steinformation, wo „grüne Brocken“ wachsen. Sie sehen aus wie Moos, sind aber ganz fest und hart und das „Moos“ ist auch nicht dick, sondern ganz dünn. Anscheinend wächst diese Pflanze super langsam, weshalb man sie mit Vorsicht behandeln sollte.

 

Die Laguna Cachi ist ein weiteres Highlight der Tour. Hier sehen wir unzählige Flamingos, die im Wasser waten und ihr Futter samt Mineralien aus dem Wasser filtern. Erst wenn sie losfliegen, sieht man so richtig, welche Farben sie haben und das typische Pink. Wenn sie nur so dastehen, sehen sie fast weiß aus, mit ganz leichtem Rosa. Im Hintergrund sind wieder schneebedeckte Berge, die weit über 5.000 m haben müssen. Denn schon wir befinden uns auf ca. 4.500 m. Nach einem Spaziergang entlang der Flamingo-Lagune geht es zur Laguna Khara, wo wir unseren Lunch-Stopp einlegen. Auch hier sind Flamingos, wenn auch nicht ganz so viele. Wir sitzen mitten in der Wüste auf sandigem Boden und genießen den Ausblick. Die Berge spiegeln sich im Wasser.

 

Nach dem Lunch geht es zum Árbol de Piedra („Stone Tree“). Zunächst dachte ich, dass das ein versteinerter Baum ist – ein bisschen wie im Sossusvlei in Namibia. Doch es ist tatsächlich ein Vulkanstein, der durch Erosion von Wind wie ein Baum geformt ist. Besonders ist vor allem der dünnere Stamm, auf dem die große, schwere Baumkrone thront. Das Naturmonument wird sich immer weiterentwickeln und vielleicht bricht irgendwann der Stamm durch die kleinen, schleifenden Sandkörner, die der Wind um ihn herumwirbelt.

Nun geht es zur Roten Lagune (Laguna Colorada) – das wohl Eindrucksvollste, was ich diesen Nachmittag sehe. Das Wasser ist wirklich feuerrot und grenzt unmittelbar an dunkelblaues Wasser. Ein bisschen Weiß ist auch noch beigemischt – wie bei einem Gemälde. Auch hier sind wieder Flamingos, die sich sowohl auf der roten als auch auf der blauen Seite der Lagune tummeln und einen hübschen Kontrast erzeugen. Es stürmt wie wild und ist auch ganz schön kalt. Bei den Fotos muss ich mich teilweise sogar hinhocken, damit die Bilder nicht verwackeln.

 

Letzter Stopp für heute, bevor es zum Hotel geht, sind die geothermalen Quellen – Sol de Mañana –, die auf knapp 5.000 m liegen. Es blubbert und dampft und unser Tour-Guide steigt ganz einfach über die aus Steinen gelegte „Weg-Barriere“ hinweg und führt uns über die Felder. Das wäre in Neuseeland nicht möglich gewesen! Es sind auch überall feuchte Stellen auf dem Boden. Ich hoffe einfach mal, dass heute keiner von uns darin versackt und bei 100 Grad durchgegart wird.

 

Unsere Tour endet heute in Polques (4.400 m) in einem rustikalen Hotel am Rande des Reserva Nacional de Fauna Andina Eduardo Abaroa. Die Besitzerin ist ziemlich unfreundlich und möchte mir Geld für Toilettenpapier abnehmen. Aber ich versuche, ihre Vibes auszublenden und mich auf die Natur zu konzentrieren. Nach dem Abendessen gehen wir noch in die 200 m weiter gelegenen Hot Springs. Der Himmel ist glasklar, es gibt kaum Lichtverschmutzung und so können wir ganz friedlich mit dem Kopf am Rand des Pools lehnen, mit dem Rest des Körpers im Wasser schweben und die Sterne am Himmel bestaunen. Auch das kühle Bier schmeckt ganz hervorragend :) … Bloß ca. 45 Minuten später kommt eine Gruppe von Studis, die dann die magische Oase in einen Party-Pool verwandelt. Der Geräuschpegel steigt, der Platz wird enger, alles riecht nach Whiskey und es wird gebaggert, was das Zeug hält. Zeit für uns zu gehen.

 

Dritter Tag der Uyuni-Expedition – Heimreise nach La Paz

 

Heute machen wir uns auf den Rückweg nach Uyuni. Die Nacht war ziemlich schlimm. Ich hatte vergessen, mein Wasser aus dem Auto mitzunehmen, und bis ich es bemerkt hatte, waren schon alle im Bett und ich schrecklich durstig. Die ganze Nacht habe ich davon geträumt, wie viel Durst ich habe und dass ich irgendwie an Wasser komme. Umso frustrierender war es dann aufzuwachen und festzustellen, dass ich gar kein Wasser gefunden habe und immer noch durstig bin. Hitzeattacken hatte ich ebenfalls wieder und auch Luft habe ich nur schlecht bekommen. Bzw. Sauerstoff. Die 4.500 m machen sich schon kräftig bemerkbar.

Die Müdigkeit gewinnt das Rennen heute. Also gebe ich mich mit Stichpunkten für den Rest zufrieden:

 

  • Früh: Weiße Lagune und Mitreisende an die Grenze von Chile bringen

  • Dann Rückreise durch die Wüste nach Uyuni-Stadt

  • Staubig. Reiseführer ist durch.

  • Stopp an Felsen, um Hasen zu sehen. Krankes Tierchen.

  • Lange Asphaltstraße

  • Nachmittags umpacken und Zeit im Pizza-Restaurant rumbringen

  • Dann mit dem Nachtbus nach La Paz

  • Taxi teilen mit zwei Brasilianern

  • Early Check-in in meinem Boutique-Hotel

  • Schlafen, frieren

 

Ausklang in La Paz – Letzter Tag vor der Rückreise nach Peru

 

Nach der Ankunft mit dem Nachtbus in La Paz tue ich mich mit zwei Brasilianern zusammen, um ein Taxi bzw. Uber nach Sopocachi – dem Trendviertel von La Paz – zu teilen. Ich bin beeindruckt von ihrem Engagement, auch noch um die letzten 7 Bolivianos (0,85 €) mit den Taxifahrern zu feilschen – die wir ja auch noch durch drei teilen würden :D! Ich bin viel zu müde, um zu verhandeln, und überlasse ihnen die Entscheidung, mit wem wir fahren. Hauptsache, mich nimmt jemand mit und ich komme heil an. Sie beschließen, dass wir jetzt lieber noch mal 15 Min. auf das Uber warten, statt mit dem völlig überteuerten Taxi zu fahren. Wucher, was er da haben wollte :D …

 

Das Amani Boutique Hotel – meine Unterkunft für heute Nacht – lässt mich zum Glück wieder früh einchecken und ich kann noch etwas Schlaf nachholen. Auch die heiße Dusche weiß ich sehr zu schätzen! Mittags um 12 h will ich dann endlich das Popular Cocina Boliviana ausprobieren. Das hatte ich schon bei meinen letzten zwei Tagen in La Paz vor, hab dann aber immer die Öffnungszeiten verpasst. Denn das Restaurant ist immer nur von 12:00 h bis 14:30 h geöffnet. Walter, der Amerikaner, der auch bei der Salar de Uyuni Tour mit dabei war, entschließt sich kurzerhand, mich zu begleiten.

 

Es gibt ein Drei-Gänge-Menü und man kann je Gang zwischen zwei Optionen wählen. Das Ganze kostet nur 110 BOB – was umgerechnet ca. 13,40 € entspricht. Dafür würde man in Deutschland nicht mal eine Vorspeise kriegen. Das Essen ist wie in einer Sterneküche angerichtet. Zur Vorspeise nehme ich die Kürbissuppe, die in drei Farben angegossen wird – Orange, Rot und Grün. Dazu gibt es eine Art Kürbis-Käsekuchen (von der Konsistenz her) und einen aufwendig dekorierten Chip. Soweit ich es auseinanderhalten kann, müsste es ein grober Quiche-Boden sein, auf dem eine Käsecreme mit Kürbiscreme-Tupfern ist, dekoriert mit gepufftem Quinoa & Amaranth und Microgreens. Dazu hausgemachte Säfte – einer aus Physalis glaube ich und eine Chicha Morada (lila Korn mit Zimt und Nelke abgeschmeckt).

 

Zum Hauptgang bekomme ich etwas, das aussieht wie ein mit bunter Schokolade dekorierter Brownie :D Doch es scheint eines der Nationalgerichte zu sein. Ein lang geschmortes Stück Schweinefleisch, das außen kross angebraten ist, aber innen quasi zerfällt. Die „bunte Schokolade“ sind Soßen. Dazu gibt es noch Kroketten und eine Soße aus Huacatay / Amarillo-Chili. Last but not least bekomme ich eine Variation von Orange. Zwei Cremes, ein Gelee, ein gefülltes Brandteigbällchen und mein Highlight: eine Praline aus weißer Schokolade.

 

Dieses Mittagessen war definitiv ein besonderes Erlebnis! Glücklich und pappensatt geht es nach dem besonderen Essen zur nächsten Stadtführung. Auch hier schließt sich Walter an. Diesmal geht die Tour zum Friedhof der Stadt, zum großen Hexenmarkt in El Alto und zum größten Flohmarkt Südamerikas, ebenfalls in El Alto. Der Friedhof ist in die Höhe gebaut, quasi wie in Wände. Denn der Platz in La Paz ist beschränkt und so wurden Gräber, wie wir sie in Deutschland haben, irgendwann abgeschafft. Die Seiten der Grabwände sind aufwendig von verschiedenen Künstlern gestaltet, sowohl national als auch international. Wie richtige Kunstwerke. Die Angehörigen können wiederum ihre kleinen „Grab-Fenster“, hinter denen ihre Liebsten liegen, so gestalten, wie sie möchten. Manche sind eindeutig aufwendiger gestaltet als andere, je nachdem, was der Geldbeutel hergibt. Einige sind aus Marmor und haben kleine Goodies fürs Jenseits bereitgestellt, wie Mini-Cola oder Mini-Bierflaschen. Andere sind ganz einfach zugemörtelt und haben nur den Namen und das Sterbedatum eingeritzt. Doch alle liegen beieinander, es gibt keine separaten Abschnitte für wohlhabende oder einfachere Leute. Wer seine Grabmiete nicht bezahlt, bekommt übrigens eine Frist gesetzt, um die Gebeine seiner Angehörigen abzuholen. Wenn die Frist verstrichen ist, kann es durchaus sein, dass der Schädel der Angehörigen als Ñatita verkauft wird.

 

Eine Ñatita zu haben, ist ein lebenslanges Commitment! Man muss die Ñatita umsorgen, ihr eine warme Mütze oder Sonnenbrille aufsetzen je nach Wetterlage und sie muss auch mal an die frische Luft gebracht werden. Im Gegenzug bekommt der neue Besitzer einen Schutzpatron und kann durch sie mit dem Jenseits kommunizieren und um Rat fragen. Wichtig ist dabei auch, dass man die Augen der Ñatita innerhalb der Wohnung mit Wattebauschen zudeckt. Denn die Augen sind das Tor, durch das Geister rein- und rauskönnen. Schließlich will man keine ungebetenen Gäste in der Wohnung haben. Draußen wiederum kann man die Wattebausche ruhig herausnehmen.

 

Da sind wir auch schon mitten im Thema der schwarzen oder auch nicht-schwarzen Magie … Mit der Teleférico geht es nach El Alto, was eigentlich ein Armeleuteviertel war für alle, die es sich nicht leisten können, in La Paz zu wohnen. Doch inzwischen ist El Alto so groß geworden, dass es als separate Stadt unabhängig gemacht wurde und eine florierende Wirtschaft hat. Nach einem Rundgang auf dem über 550 Blöcke großen Flohmarkt, der absolut alles anbietet, was man sich nur vorstellen kann, geht es zu den Hexenverschlägen. Hier gibt es eine ganze Reihe an kleinen Zimmerchen, in denen Hexen und Wahrsagerinnen sitzen. Sie sind sogar richtig organisiert und gehören zu verschiedenen Verbänden. Teilweise stehen die Leute davor sogar Schlange, um für verschiedene Dinge zu bitten oder um Rat zu erfragen. Wichtig dabei zu erwähnen ist, dass hier in dem Abschnitt nur die „guten Hexen“ sind. Sie helfen einem dabei, weiter an Liebe, Reichtum und Glück zu kommen. Doch wer die Magie nutzen möchte, um jemand anderem Böses zu wünschen, muss wieder zurück zum Friedhof. Da waren Hexen mit Zigaretten unterwegs, was laut unserer Tour-Guidin eines der entscheidenden Erkennungsmerkmale zwischen guter und böser Hexe ist :D

 

Zum Abschluss der Tour bestaunen wir noch die Cholita-Häuser bzw. Cholets von der Teleférico aus. Das sind Häuser, die den neuen Reichtum der indigenen Aymara-Bevölkerung repräsentieren. Sie wurden von Freddy Mamani designed und haben wilde Motive. Z. B. sieht eines aus wie ein übergroßer Transformer. Die Cholets stehen im starken Kontrast zu den sonst eher schlichten Ziegelhäusern der Stadt und gelten als Wahrzeichen für das neue Selbstbewusstsein und den sozialen Aufstieg der Cholitas.

 

Den Rest des Nachmittags bummle ich noch durch die Stadt und besuche ein paar Cafés, die ich noch sehen wollte. Allerdings bin ich insgesamt etwas enttäuscht über die kulinarische Szene in La Paz. Ich dachte, in Bezug auf Süßes gibt es hier mehr zu erobern. Zum Abschluss meiner La-Paz-Zeit gehe ich noch mal ins Manq’a.

 

Morgen geht es zurück über die Grenze nach Peru. Alles weitere an Reisebericht folgt dann in „Verliebt in Peru - Teil 2“.

 
 
 

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
Verliebt in Peru

Ankunft in Cuzco Als ich in Cuzco lande, ist es 6:30 Uhr früh. Ich bin unglaublich müde und heilfroh, dass mein Fahrer zuverlässig mit der gelben Smiley-Fahne draußen auf dem Parkplatz steht, um mich

 
 
 
San Francisco zur Weihnachtszeit

Anreise in Etappen Um nach San Francisco zu kommen, muss ich einen ganz schön langen und komplizierten Weg auf mich nehmen. Erstmal von Vanuatu zurück nach Fiji – mit dem separat gebuchten Ticket (n

 
 
 

Kommentare


bottom of page