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San Francisco zur Weihnachtszeit

 

Anreise in Etappen

 

Um nach San Francisco zu kommen, muss ich einen ganz schön langen und komplizierten Weg auf mich nehmen. Erstmal von Vanuatu zurück nach Fiji – mit dem separat gebuchten Ticket (nicht Teil des Around-the-World-Tickets). Als ich den Flug damals gebucht habe, habe ich bewusst einen Tag Puffer zu meinem Langstreckenflug gelassen, um Verspätungen abzupuffern. Was auch gut war, da hier Zyklon-Saison ist und scheinbar einen Tag vor meinem Flug alle Flüge nach Fiji gestrichen wurden. Doch heute läuft der Flugbetrieb wieder und ich komme mit knapp 1,5 Stunden Verspätung abends in Nadi an.

 

Ich übernachte heute am Wailoaloa Beach im Ideal Bed & Breakfast. Der Strand wird einerseits sehr gelobt, gleichzeitig auch verpönt, weil er kommerziell sein soll. Ich mache mir selbst ein Bild und bin froh, dass ich mich damals dagegen entschieden habe, hier länger Zeit zu verbringen. Der Strand ist gräulich, dadurch das Wasser auch. Die Hotels sind wie eine Perlenkette aneinandergereiht – von 5-Sterne-Premium bis hin zum Backpacker-Hostel. Abends gibt es in vielen Strandbars parallel zueinander kleine Tanzshows, bei denen man als Touri teilweise zum Mitmachen genötigt wird (ich inklusive!). Fiji hat schönere Ecken zu bieten!

 

Dann geht es von Nadi nach Auckland. Und mit etwas Layover und Verspätung dann nach San Francisco. Der 12-stündige Flug ist gruselig! Wir haben ab Start nonstop starke Turbulenzen, sodass wir permanent angeschnallt sein müssen. Ich ziehe den Gurt so fest, dass es mir fast den Unterleib abklemmt. An Schlafen ist erstmal nicht zu denken, obwohl ich totmüde bin, weil es sich ständig so anfühlt, als würde mich jemand an den Schultern packen und durchrütteln.

 

Doch dank reichlich Gin Tonic, Wein und einer großzügigen Dosis an Melatonin bekomme ich letztlich doch etwas Schlaf, bevor ich pünktlich in San Francisco lande. Der BART-Transfer in die Stadt klappt reibungslos und so komme ich um ca. 13 Uhr im Nob Hill Hotel an, wo ich glücklicherweise auch schon einchecken kann. Das Zimmerupgrade, das ich mir gegönnt habe, hat sich gelohnt. Das Zimmer ist richtig schön groß und ich kann mich ausbreiten. Auch die zuverlässig warme Dusche und der vorhandene Bademantel sind eine willkommene Abwechslung zu den letzten Wochen.

 

Auf zum Sightseeing

 

Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es direkt auf zum Sightseeing, um die Nachbarschaft zu erkunden. Ich komme an einer Kirche vorbei – der Grace Church – und sehe, wie Leute schick gemacht reinströmen. Da muss ich doch gleich mal reingehen und schauen, was es dort gibt. Drinnen knubbeln sich die Menschen. In wenigen Minuten startet ein Weihnachtskonzert des Herren- und Knabenchors. Perfektes Timing, denke ich mir, und kaufe mir noch schnell eine Karte. Als ich mir Last Minute meinen Sitzplatz an der Seite suche, stehen die Leute schon auf, um gemeinsam „O come, all ye faithful“ zu singen. Der Klang ist eindrucksvoll und es herrscht eine wundervolle Stimmung. Besser kann man sich nach der ganzen sommerlichen Wärme der letzten Wochen gar nicht auf Weihnachten einstimmen. 90 Minuten lang geht das Konzert, bei dem meistens der Chor solo singt, aber auch immer wieder Weihnachtslieder zum Mitsingen gespielt werden. Herrlich.

 

Anschließend gehe ich beseelt einen Block weiter ins Fairmont Hotel, um mir die Weihnachtsdekoration anzusehen. Hier steht in der Lobby ein lebensgroßes Lebkuchenhaus, das in ca. 375 Stunden Arbeit und aus 7.750 Stück Lebkuchen und hunderten von Kilo Zuckerguss und Süßigkeiten gebaut wurde. Die ewig lange Warteschlange zur Begehung erspare ich mir, aber auch von außen ist das Haus toll anzusehen. Mindestens genauso sehr beeindruckt mich aber der Weihnachtsbaum, der ebenfalls in der Lobby steht. Er ist üppig, aber geschmackvoll geschmückt. Einen kleinen Weihnachtsmarkt in den hinteren Räumen gibt es ebenfalls. Der ist zwar nicht mit unseren Märkten zu vergleichen, aber es ist nett zum Rumgehen und ich kaufe überteuerte Süßigkeiten. An die „++“-Regelung, wo noch mal Steuern auf den Verkaufspreis aufgeschlagen werden, muss ich mich noch gewöhnen.

 

Auch zum Westin Hotel gehe ich noch, da hier ein riesiges Zuckerschloss steht. Zu gerne würde ich in die Bar nebenan gehen, aber so alleine ist das blöd und richtige Klamotten habe ich auch nicht. Inzwischen ist es dunkel und auf dem Union Square ist der Weihnachtsbaum hell am Leuchten und Funkeln. Im Hintergrund ist eine Schlittschuhbahn aufgebaut und auch das Kaufhaus von Macy‘s ist wunderschön mit Weihnachtskränzen und Lichterketten dekoriert.

 

Dafür, dass ich erst heute Mittag gelandet bin, habe ich ganz schön viel gesehen und kehre nach einer Udon-Nudelsuppe im japanischen Restaurant glücklich und zufrieden in mein schönes Hotel zurück.

 

Big Bus Sightseeing Tour

 

Heute mache ich das, was meine Mutter gemacht hätte: eine Hop-On-Hop-Off-Sightseeing-Tour! Damit kann ich mir in kurzer Zeit einen Überblick über die Stadt verschaffen und schauen, wo ich dann mehr Zeit verbringen möchte, wenn ich im Januar wieder nach San Francisco komme. Pünktlich um 9:40 Uhr sitze ich im Bus am Union Square und es geht los. Es ist kalt und nieselt leicht, doch davon lasse ich mich nicht abschrecken. Schließlich gibt es kein schlechtes Wetter, nur falsche Klamotten ;) #thegermans

 

Eines der Highlights ist, dass wir über die Golden Gate Bridge fahren. Sie ist schon wirklich eindrucksvoll. Der Wind braust mir so sehr um die Ohren, dass ich meine Kapuze nicht nur fest zuschnüren, sondern auch zusätzlich festhalten muss. Beim View Point steige ich aus und mache begeistert die obligatorischen Fotos :) Die Brücke ist leicht von Wolken umspielt, was unglaublich hübsch aussieht. Zu meinem großen Glück finde ich dann auch noch 21 Dollar auf der Besuchertoilette. Das kann ich gut gebrauchen, da ich inzwischen mehr oder weniger vollständig pleite bin. Vanuatu hat meine Kasse leider ziemlich geplündert – womit ich bei der Reiseplanung nicht gerechnet hatte. Daher verkneife ich mir auch das Nussknacker-Ballett, das vor Weihnachten hier in San Francisco aufgeführt wird.

 

Auf dem Rückweg über die Golden Gate Bridge ist der Wind inzwischen so stark, dass wir richtig in Deckung gehen müssen. Der Wind peitscht mir den fisseligen Regenponcho meiner Vorderfrau um die Ohren. Immerhin hat es zu regnen aufgehört. Der nächste Stopp, an dem ich aussteige, ist Pier 39. Es erinnert mich ein wenig an die Straßen in Disneyland. Es gibt ein Café und Restaurant nach dem nächsten, ebenso wie Attraktionen, und alles ist weihnachtlich geschmückt. Von dem Rundgang in der ersten Etage aus hat man einen wunderschönen Blick auf das Geschehen unten am Pier 39 mit der Skyline des Financial Districts im Hintergrund. Ich bleibe deutlich länger als erwartet. Zum Abschluss sehe ich mir noch die Seelöwen unten am Pier an, die faulenzen und sich vom umliegenden Trubel der Fähren und Besucher nicht aus der Ruhe bringen lassen.

 

Von hier aus laufe ich zur Fisherman‘s Wharf weiter, die ich mir wiederum schöner vorgestellt hatte. Doch in einer Seitenstraße finde ich die Umbrella Avenue, ein Kunstprojekt für Street-Art, was ein schöner Kontrast zum sonstigen Umfeld ist. Schließlich kehre ich im berühmten Buena Vista ein – das Café und Restaurant, das als erstes den Irish Coffee nach Amerika gebracht hat. Es ist unglaublich wuselig hier drin, ich mag die Atmosphäre. Wenn es auch etwas an Fließbandarbeit erinnert, wie die Irish Coffees hier über den Tresen gehen. Für stolze 16 Dollar das Gläschen! Damit ist mein Budget fürs Mittagessen dann auch ausgeschöpft. Wer braucht schon feste Nahrung!

 

Nun geht es weiter zum Ghirardelli Square, der nur ein paar hundert Meter von hier entfernt ist. Hier ist das ehemalige Fabrikgelände der Ghirardelli-Schokoladenmanufaktur, welches irgendwann verkauft und in einen Einzelhandelskomplex verwandelt wurde. Ein Café mit Shop gibt es aber dennoch und ich ergastere mir ein paar Schokoladensamples.

 

Von hier aus steige ich wieder in den Big Bus und fahre weiter bis Chinatown. Es ist wirklich wie eine Welt für sich und sehr authentisch, wenn ich es mit meinen Erlebnissen in Shanghai vergleiche. Ich laufe unter anderem zum Golden Gate Fortune Cookie Shop. Der erste Laden, der Glückskekse nach San Francisco gebracht hat und hier on the Spot frisch produziert. Ich passe noch einen guten Moment ab, doch hinter mir bildet sich schnell eine lange Schlange und man muss sich im engen Laden, der eigentlich nur ein verlängerter Eingang ist, sehr schnell entscheiden, was für Produkte man haben will. Denn in „original chinesischer Manier“ macht die Verkäuferin deutlich, dass sie keine Zeit für langes Hin und Her hat :D

 

Nachdem ich dann auch noch das chinesische Eingangstor zum Viertel erlaufen habe (was sehr nah am Union Square ist, was mir aber zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst war), laufe ich den ganzen Weg zurück zum Busstopp und bin rechtschaffen müde. Leider lässt der Bus auf sich warten und es regnet inzwischen recht kräftig. Eigentlich hatte ich vor, heute noch die inkludierte Nachttour zu machen. Doch einerseits ist es fraglich, ob ich es überhaupt noch rechtzeitig zum Treffpunkt schaffe bei dem dichten Verkehr. Andererseits ist das Wetter auch wenig einladend. Es ist fast erleichternd, als mir der Busfahrer die Gewissheit gibt, dass ich zu spät dafür dran bin, aber gerne stattdessen morgen mitfahren kann. Okay, Deal!

 

Als ich meine Tour am Union Square beende, ist es ca. 17 Uhr und als Ersatz für die Nachttour gehe ich noch auf einen Abstecher zu Neiman Marcus. Sie haben einen wunderschönen Weihnachtsbaum aus Lichtern in der Eingangshalle installiert, der sich bis hoch unter das gläserne Dach zieht. Ich laufe jede einzelne Etage im Kaufhaus ab. Denn von jeder Etage sieht der Baum ein bisschen anders aus. Zumindest die Perspektive ist eine andere. Ganz oben stehe ich mitten in einem Restaurant. Nach einem unerwarteten, netten Gespräch mit dem Restaurantmanager habe ich nicht nur eine Tischreservierung für Januar, sondern kann auch ins Restaurant reinkommen und meine Fotos vom schönsten Punkt aus machen. Networking lohnt sich!

 

Den Tag schließe ich im Thai-Fusion-Restaurant Lapissara in der Nähe meines Hotels ab. Von außen hat es einen super Eindruck gemacht. Heute Abend scheinen sie aber stark unterbesetzt zu sein und der arme, alleinige Kellner kämpft ums Überleben. Es erinnert etwas an Slapstick oder versteckte Kamera. Er ist so überfordert mit Bestellungen aufnehmen, Essen servieren und Kassieren, dass er nicht zum Abräumen der Tische kommt. Stattdessen türmt er das abgefressene Geschirr erst auf einem, dann zwei, dann drei Tischen im Restaurant. Irgendwann kann er keine neuen Gäste mehr platzieren. Die blinkende Weihnachtsmütze, die er dabei trägt, verleiht dem Ganzen noch den besonderen Touch. Auch wenn es leicht nervig und ungemütlich ist, muss ich irgendwie schmunzeln und nehme es mit Gelassenheit. Das Pad Thai war sehr lecker!

 

Ferry Building, Night Tour und alte Freunde

 

Nach meinem Power-Sightseeing gestern lasse ich es heute etwas gelassener angehen und nehme mir vor, zu Fuß zum Ferry Building zu laufen. Das Fährgebäude ist tatsächlich noch aktiv, doch eigentlich kommt man hier wegen des Market Places hin. Im Gebäude gibt es stylische Fischrestaurants, Weingalerien, französische Bäckereien und Geschäfte mit in San Francisco basierten Modemarken. Das Schlendern macht Spaß und ich gönne mir ein Käse-Schinken-Empanada und ein Pumpkin-Spice-Croissant mit Cream Cheese und Caramel Topping. Den 8-Euro-Kaffee verkneife ich mir.

 

Übrigens, selbst bei Take-away zeigen die Card-Payment-Maschinen einem hier eine Trinkgeldauswahl zwischen 18 % und 25 % an. Man kann auch manuell etwas eingeben oder es wegklicken, aber dann fühlt man sich natürlich gleich schlecht oder zumindest kleinlich.

 

Nachmittags mache ich mich dann mit dem öffentlichen Bus auf den Weg zurück zur Fisherman‘s Wharf, wo die Nachttour beginnt. Heute habe ich Glück mit dem Wetter. Es ist trocken und der Himmel einigermaßen klar. Die Tour ist unglaublich schön, da bei der Dunkelheit die ganzen weihnachtlichen Beleuchtungen hervorstechen. Vor allem das Financial District fasziniert mich, weil ich so lange nicht mehr von Hochhäusern umgeben war. Wir fahren im Rahmen der Tour auch über eine „Doppeldecker-Brücke“ nach Treasure Island rüber. Von hier aus hat man einen wunderschönen Blick auf die Kulisse von San Francisco und die beleuchtete Bay Bridge. Allerdings muss ich zugeben, dass ich die Temperaturen etwas unterschätzt habe. Ich hätte ja eine warme Jacke gehabt, doch habe sie nicht dabei. Und so bin ich ziemlich durchgefroren, als ich wieder am Union Square ankomme.

 

Unerwartet hat sich für heute Abend noch eine Late-Night-Dinner-Einladung ergeben! Seth – ein Reisefreund von G Adventures (Multi-Stan- und Madagaskar-Trip) – wohnt inzwischen in San Francisco und hat über meine Instagram-Stories erfahren, dass ich hier bin. Also hat er mich angeschrieben und wir haben uns spontan verabredet. Er lädt mich in ein indisches Fusion-Restaurant ein und anschließend gehen wir noch in eine ausgefallene Bar, die wie eine alte Bücherei gestaltet ist und sehr gute Cocktails hat. Der Abend war unheimlich schön und ich habe den Austausch genossen. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, dass ich durch meine Reisen inzwischen Freunde auf der ganzen Welt habe. Dadurch wird die Welt im positiven Sinne ein bisschen kleiner.

 

Überhaupt, je länger ich reise, desto greifbarer wird die Welt. Von zu Hause aus fühlen sich manche Destinationen so wahnsinnig weit weg an. Wie oft habe ich bei Reisezielen gegrübelt, ob zwei Wochen genug sind, um den weiten Weg auf sich zu nehmen. Doch nun, wo ich unterwegs bin und aus meinem Kokon heraus bin, fühlt sich jede Distanz machbar und lohnenswert an. Ich erinnere mich an einen Satz, den meine Mutter zu mir gesagt hat, als ich in Neuseeland war: „Und wenn alle Stricke reißen, setze ich mich ins Flugzeug und bin in 24 Stunden bei dir!“. Länger dauert es nicht, um ans andere Ende der Welt zu gelangen. Ein Tag. Was für ein beruhigender Gedanke.

 

Nach unserem schönen Abend spendiert mir Seth noch die Heimfahrt im Waymo! Ein fahrerloses, automatisch gesteuertes E-Auto. Ich bin schwer beeindruckt. Es ist sauber, fährt sicher und der Wagen spricht sogar mit mir :) Und es ist scheinbar sogar günstiger als Uber, da kein Human Capital involviert ist.

 

Russian Hill und Nob Hill

 

Heute Früh heißt es Koffer packen. Denn heute Abend um 19 Uhr fliege ich nach Zürich. Ich freue mich so sehr auf die Auszeit von der Auszeit. Auch wenn die Vorweihnachtszeit in San Francisco toll war, um sich auf das Fest einzustimmen, wäre es doch wirklich traurig gewesen, wenn ich hier ganz alleine gefeiert hätte, während meine Familie zusammen in Rapperswil gewesen wäre. Außerdem kann ich es jetzt ganz gut gebrauchen, mal ein paar Tage am gleichen Ort zu sein und guten Gewissens zu relaxen, anstatt wieder vom Gedanken getrieben zu werden, alles an Sightseeing mitnehmen zu wollen, was es gibt.

 

Nachdem ich ausgecheckt habe, bummle ich die Polk Street entlang durch Russian Hill bis hin zur Lombard Street. Die gekrümmteste Straße von ganz San Francisco! Sie geht zunächst steil bergauf. Die an der Seite parkenden Autos scheinen fast seitlich umzufallen, so steil ist die Straße. Oben angekommen, geht es dann in fünf eng gewundenen Kurven bergab. Die Straße wurde bewusst so gebaut, um den Verkehr zu entschleunigen. Von hier aus bummle ich noch weiter, bis ich wieder zur Grace Cathedral und dem Fairmont Hotel gelange. Entlang des Weges sind überall wunderschöne Ausblicke. San Francisco ist toll.

 

Abschließend schaue ich mir im Fairmont noch ein letztes Mal den Weihnachtsbaum an und treffe bei dieser Gelegenheit auf Steve – einen ehemaligen Polizisten –, der mir anbietet, ein Foto von mir vor dem Baum zu machen. Wir unterhalten uns ein wenig und er erzählt mir von seiner Leidenschaft für deutsche Schäferhunde. Zum Schluss verabschieden wir uns mit einem Handschlag und guten Wünschen und er gibt mir mit einem Augenzwinkern mit auf den Weg, dass ich mich nicht von fremden Männern anquatschen lassen soll. Es ist wieder eine der vielen Begegnungen, die ich so schätze. Bisher habe ich wirklich ausschließlich positive Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht, wofür ich sehr dankbar bin. Ich glaube, dass ich diese Begegnungen habe, gerade weil ich alleine reise. Wäre ich mit einem Freund oder einer Freundin unterwegs, würden viele dieser spontanen Unterhaltungen nicht zustande kommen. Noch ein weiterer Grund, der für Soloreisen spricht ;)

 

Flughafen-Aufregung bei der Heimreise in die Schweiz

 

Ich habe schon am Vortag den Check-in für den Flug gemacht und die Vorlaufzeit für den Flughafen heute großzügig eingeplant. Was auch gut ist! Denn wie sich herausstellt, ist der Flieger so überbucht, dass aktuell nicht alle Passagiere mitfliegen können. Was für ein Glück, dass ich einen Sitzplatz habe und diesen Stress nicht mitmachen muss.

 

Der Flug ist recht unbequem und in Bezug auf weihnachtliches Flair hat sich die Swiss Airline auch nicht gerade bemüht. Doch ich lande überpünktlich in Zürich und mein Vater holt mich ab, was ein besonderer Treat ist, da ich sonst nie von jemandem am Flughafen abgeholt werde.

 

Nun kann es Weihnachten werden…

 

Zurück in San Francisco

 

Es ist der 2. Januar und das bedeutet, Abschied von der Familie in Zürich zu nehmen und wieder in den Flieger zu steigen. Der Flieger hat Verspätung und nach 13 Stunden in der Luft steige ich nach der Einreise erstmal in die falsche Bahn, was noch mal weitere Verspätung bedeutet. Müde und genervt komme ich also in meinem schönen Hotel an – dem Marines Memorial Hotel. Hier bleibe ich nur eine Nacht, weil es sonst zu teuer wird. Aber so kann ich zumindest einmal Frühstück mit Blick über die Skyline der Stadt haben und außerdem eine schöne Rundtour durch das historische Gebäude machen.

 

Ich habe nun bis zum 09. Januar Zeit, hier noch mal ausgiebig Sightseeing zu betreiben, also kaufe ich mir ein City-Pass-Ticket, womit ich die Hauptattraktionen (fast) zum halben Preis sehen kann.

 

Bevor es losgeht, ziehe ich in mein neues Hotel, das FOUND Hotel Nob Hill. Ich habe die sechs Übernachtungen hier für einen ziemlich guten Preis bekommen und bin wirklich positiv überrascht über das Hotel. Ich habe ein Zimmer im 9. Stock mit Blick zum City Center bzw. Union Square rüber. Natürlich kann ich ihn nicht direkt sehen, aber ich habe definitiv einen schönen Blick auf die Skyscraper, und geräumig ist es auch. Sogar einen begehbaren Kleiderschrank gibt es.

 

Nun geht es ins Exploratorium. Es ist ein Naturkundemuseum und Museum für menschliche Wahrnehmung. Damit deckt es so ziemlich alles ab, was man sich unter einem interaktiven Museum vorstellen kann :D Wer Zone 1 mit den 100.000 Kindern übersteht, kann sich danach auf die ruhigeren Teile freuen, wo man viel zur visuellen Wahrnehmung und zum Gehör entdecken kann. Würde ich ein zweites Mal hingehen? Eher nein, aber an einem verregneten Tag ist es eine gute Aktivität.

 

Während ich im Museum bin, erfahre ich von dem Einmarsch der USA in Venezuela. Mir läuft es kalt den Rücken runter. Grönland und Kolumbien werden ebenfalls ein Thema. Wie gut, dass ich Grönland diesen Sommer gesehen habe und mein ursprüngliches Reiseziel Kolumbien gegen Peru getauscht habe.

 

Ausflug ins Napa Valley

 

Am nächsten Tag breche ich mit meinem Reisefreund Seth ins Napa Valley zu einer Tages-Wine-Tasting-Tour auf. Wir werden vom Hotel abgeholt und fahren mit einem mexikanischen Geschwisterpaar ca. eine Stunde in den Norden nach Sonoma. Auf dem Weg dorthin fahren wir nicht nur über die wunderschöne Golden Gate Bridge, sondern wir halten auch in Sausalito, wo ich die nächsten Tage unbedingt noch mal in Ruhe hin möchte. Es sieht nach einem süßen Ort aus!

 

Dann geht es zu dem ersten von drei Weingütern: Peter Cellars. Peter ist Brite und wortkarg, aber er hat ein gesegnetes Händchen für den Anbau und die Herstellung von Wein. Er hat unzählige Goldmedaillen für seine Weine erhalten und in der Tat schmecken sie wirklich köstlich. Leider kann ich mir hier nichts leisten, da die Preise bei 38 Dollar pro Flasche losgehen und ich leider weiterhin dem Bankrott sehr nahe stehe. Selbst das Merchandising verkneife ich mir. Was mir bei diesem Weingut gut gefallen hat, war, dass wir bei Peter zu Hause waren. Nicht direkt im Haus, aber im überdachten Patio mit kleinem Tischofen, während es um uns herum kontinuierlich geregnet hat und seine fünf Golden Retriever immer wieder Streicheleinheiten abgeholt haben.

 

Anschließend geht es zu Séamus. Im Gegensatz zu Peter baut er seinen Wein nicht selber an, sondern bezieht ihn von ca. sieben Partnern in der Umgebung. Dafür widmet er sich voll und ganz der Herstellung von verschiedensten Cuvées. Die meisten Weinhäuser heben ihre Weine aus reinen Traubensorten hervor, aber er sagt bewusst, dass ihm das Mischen und Herausfordern der Geschmacksrichtungen Spaß macht. Ein ehrlicher und kreativer Ansatz – was mir gut gefällt! Seine Weine sind in der Tat außergewöhnlich und eigensinnig!

Sein Stil ist eher rockig und er erzählt wie ein Wasserfall.

 

Zum Abschluss geht es noch zu B.R. Cohn. Er war früher der Manager einer Rockband, bis er sich mit dem Wein zur Ruhe setzen wollte. Es ist ein edles Weingut, wie man es aus Filmen kennt. Großzügig und gepflegt! Schön ist es auf jeden Fall, wenn auch deutlich weniger persönlich als die zwei Güter davor. Hier werden jedes Jahr auch Rockfestivals ausgerichtet. Auch wenn es mir bei dem Wetter etwas an Vorstellungskraft fehlt, muss es unwahrscheinlich schön sein, wenn erstmal die Sonne prall im Tal steht und die großen Flächen mit Weinständen und Bühnen aufgebaut sind.

 

Nach rund 15 Weinen bin ich ordentlich am Schwanken. Schließlich trinke ich sonst kaum noch was. Da kommt der Döner zum Abschluss des Tages sehr gelegen.

 

Alcatraz bei strömendem Regen

 

Für heute habe ich mir ein Ticket für Alcatraz reserviert. Leider regnet es in Strömen! Vielleicht trägt es zur Stimmung bei, denke ich mir. Schließlich war das hier ein Hochsicherheitsgefängnis! Aber ein bisschen wärmer dürfte es schon gerne sein. Nach einem Besuch im Museumsteil gehe ich zum Hauptgebäude und starte die Audio-Guide-Tour.

 

Es ist schon wirklich sehr beeindruckend. Wie klein und gedrungen die Zellen waren. Wie wenig Privatsphäre die Insassen hatten. Wie wenig Bewegungsmöglichkeiten sie hatten. Dabei waren ja gar nicht alle hier drin Schwerverbrecher! Im Museum haben sie einen Insassen aufgeführt, der 25 Jahre Haft für Lebensmitteldiebstahl im Wert von 16 Dollar bekommen hat.

 

Alcatraz war übrigens nicht immer ein Gefängnis. Vor dieser Zeit war es ein Militärstützpunkt und nach der Schließung haben indigene Indianerstämme es für 18 Monate besetzt, um es als ihr Land zurückzufordern.

 

Nach drei Stunden fahre ich klatschnass und eiskalt mit der Fähre zurück aufs Festland und verkrieche mich, so schnell es geht, in meinem Hotelzimmer. Es ist erst 15 Uhr, aber heute ist einfach kein Tag für Sightseeing, und wenn ich schon den Luxus habe, hier so viel Zeit zu haben, dann kann ich mich auch mal einen Nachmittag ins Bett legen und ein bisschen Admin erledigen und Fernsehen schauen. Das tut gut! Wenn ich aus meinem Fenster schaue, sehe ich, wie die Regenwolken die Skyscraper verschlucken. Sie sind einfach unsichtbar geworden.

 

California Academy of Sciences & Golden Gate Park

 

Wieder steht Bildung auf dem Programm und ich breche zur California Academy of Sciences auf. Sie ist im Golden Gate Park gelegen, der fast eine Stunde Fahrt von mir entfernt ist. Doch das Busfahren habe ich inzwischen raus, also los geht’s.

 

Die Academy ist definitiv einen Besuch wert! Mein persönliches Highlight ist das Aquarium, das unterirdisch gebaut wurde und durch alle Ozeane und lokale Gewässer führt. Es gibt eine Opulenz an Tier- und Korallenarten zu bestaunen und die Becken sind groß und eindrucksvoll gestaltet.

 

Des Weiteren gibt es einen Tropenwald, der wie eine große Glaskugel mitten ins Gebäude gebaut wurde. Hier gibt es vor allem diverse tropische Pflanzen zu sehen, sowie Schmetterlinge und auch einige exotische Vogelarten.

 

Last but not least das Planetarium, was im Grunde genommen ein großes IMAX-Kino ist, in dem stündlich Vorführungen zu verschiedenen astrologischen Themen gezeigt werden, z. B. die Entstehung von Planeten.

 

Nachdem ich den heutigen Tag bisher nur indoor verbracht habe und draußen eigentlich wunderschön die Sonne scheint, gehe ich noch eine Stunde im Golden Gate Park spazieren. Es ist ruhig und entschleunigend hier. Auf dem Heimweg treibt mich der Hunger noch in die Nachbarschaft des Parks. Das südlich gelegene Viertel (Outer Sunset District?!) ist noch mal ganz anders als die Bezirke, die ich bisher gesehen habe. Es gibt tolle Geschäfte und Cafés, die sehr nah aneinander gelegen sind, und die Häuser sind kleiner bzw. haben weniger Stockwerke, wodurch es gemütlicher wird. Die Arizmendi Bakery ist einen Besuch wert! Vor allem die Pekannussschnecke lohnt sich!

 

Hafenrundfahrt mit der Blue and Gold Fleet & Cable-Car-Fahren

 

Heute strahlt wieder die Sonne und so beschließe ich kurzerhand, mein letztes Eintrittsticket des City-Passes für eine Hafenrundfahrt mit der Blue and Gold Fleet in der San Francisco Bay einzusetzen. Da ich inzwischen schon mehrfach über die Golden Gate Bridge gefahren bin und auf dem Weg nach Alcatraz eine Fährfahrt hatte, verspreche ich mir nicht viel Neues von der Tour. Doch ich werde eines Besseren belehrt. Die Tour ist wahrscheinlich das Highlight meiner Aktivitäten dieser Woche. Unter der Golden Gate Brücke hindurchzufahren ist ein wahnsinnig tolles Erlebnis und bietet noch mal neue Blickwinkel auf die Brücke. Auch Alcatraz wird noch einmal von allen Seiten umfahren und der Blick auf die Skyline von San Francisco ist ebenfalls ein Genuss. Ich bin sehr glücklich, den Ausflug bei diesem Traumwetter noch gemacht zu haben.

 

Um ca. 15 Uhr bin ich wieder auf dem Festland und möchte den Tag noch nutzen. Also entschließe ich mich kurzerhand, ein Tagesticket für die Cable Cars zu kaufen. Die Cable Cars fahren drei Routen in der Stadt ab. Zwei von Norden nach Süden und eine von Westen nach Osten. Das System wird nach wie vor traditionell über ein unterirdisches Drahtseilsystem betrieben und die Cable Cars selbst greifen und releasen das Seil, um sich fortzubewegen. An den Endstationen zweier Routen werden die Bahnen bis heute noch von Hand auf einer Drehplatte gedreht, um wieder in die andere Richtung fahren zu können. Tatsächlich gibt es auch noch eine Manufaktur, die in Handarbeit neue Cable Cars im alten Stil baut und die bestehenden repariert.

 

Die Fahrt macht unheimlich Spaß. Vor allem auf den Stehplätzen zu fahren gefällt mir, weil ich so die beste Sicht habe, mir der Wind um die Ohren braust und ich irgendwie das Gefühl habe, aktiv mitzufahren, statt gefahren zu werden. Ich fahre insgesamt rund 2 Stunden einfach hin und her, bis ich alle Routen abgeklappert habe. Je später es wird, desto kälter wird es auch und nach einer Weile zittere ich vor Kälte. Trotzdem ziehe ich es vor, im Außenbereich zu sitzen, statt mich in den Waggon zu setzen.

 

Auch wenn die Cable Cars sicher kein gängiges Fortbewegungsmittel für den Alltag sind, so sehe ich doch einige Geschäftsmänner, die sie nutzen! Ich habe die Fahrten sehr genossen und würde die Bahnen auf jeden Fall als Must-do klassifizieren, wenn man in San Francisco ist. Teuer ist das Tagesticket mit 15 USD auch nicht.

 

Sausalito & das Cable Car Museum

 

Heute ist mein letzter Tag. In der Innenstadt habe ich so weit alles gesehen, was ich sehen wollte, also nutze ich den heutigen Tag, um nach Sausalito rüberzufahren. Dieser Vorort liegt auf der anderen Seite der Golden Gate Bridge und ist ein modernes, wohlhabendes Hafenstädtchen. Es liegen hunderte von gut gepflegten Booten in den verschiedenen Marinas und an der Küste entlang gibt es viele Cafés, Bistros und Geschäfte. Da ich um 10 Minuten den Bus verpasst habe, entschließe ich mich kurzerhand, die Fähre zu nehmen!

 

Es gibt einen Spot mit unzähligen Pelikanen, die gemütlich auf einer Steinzunge im Wasser sitzen und gelegentlich Fische fangen. Im Hintergrund ist die Skyline von San Francisco zu sehen. Etwas weiter den Hafen entlang sind die bekannten Bootshäuser zu sehen. Die meisten sind fest installiert, können also nicht wegfahren. Sie sehen klein aber hübsch aus, mit ihrem pastellfarbenen Design und abgerundeten Baustil. Für das schmale Portemonnaie sind die Häuschen allerdings nichts. Angeblich gehen die Preise ab 1,5 Mio. USD los!

 

Nachdem ich ein paar hübsche Läden besucht habe, stoße ich auf einen netten älteren Herren, der gerade einen Hund sittet und eindeutig keine Plastikbeutel bei der Übergabe erhalten hat. Da er die Hinterlassenschaften des Hundes beseitigen möchte, biete ich ihm an, auf seinen Hund aufzupassen, während er zum Supermarkt geht und die Tüten besorgt. Kurz überlege ich, ob das ein Trick ist, den Hund loszuwerden. Denn eine Marke hat der Hund nicht um. Doch irgendwann kommt der Herr tatsächlich wieder und er betont, dass er sich freut, dass ich zu Besuch in den Staaten bin, und dass ich ein sehr freundliches Wesen hätte. Wieder eine der kleinen, schönen Begegnungen auf meiner Reise.

 

Nach 2–3 Stunden breche ich wieder mit dem Bus zur Innenstadt auf und besuche noch das Cable Car Museum. Es vermittelt Nostalgie und zeigt auf, wie San Francisco zu alten Zeiten aussah. Selbst wenn man nur für 20 Minuten herkommt und sich das aktive Betriebssystem und ein paar antike Waggons ansieht, ist es einen Besuch wert. Kostenlos ist es auch!

 

Zum Abschluss meiner Reise gehe ich noch einmal mit Seth beim kambodschanischen Restaurant im Ferry Building essen.

 

Abschließende Reflexion

 

Ich bin mit einigen Bedenken in die USA gereist. Doch der Besuch war ein positives Erlebnis. San Francisco hat viel zu bieten und ist eine vielseitige und inspirierende Stadt. Bei den Einreisen hatte ich keine Probleme und vor Ort habe ich kaum etwas von politischen Themen mitbekommen – was man als positiv, aber auch als negativ werten kann. Bei meinem Besuch ist mir jedoch auch bewusst geworden, wie schwer es ist, sich ein Leben in Amerika aufzubauen. Die Preise sind enorm hoch, die Kündigungsfristen extrem kurz und man kann schnell durchs Raster fallen und tief fallen. Wer keinen extrem gut bezahlten Job hat, hat es hier schwer. Man fühlt sich sehr schnell arm – was auch ich zu spüren bekommen habe. Auch die Auswirkungen des Gesundheitssystems zeigen sich im Alltag. Viele Leute bräuchten dringend medizinische und/oder psychologische Betreuung, doch können sich diese nicht leisten. Was mitunter zu einem durchmischten Stadtbild führt und auch sicher zur Kriminalitätsrate beiträgt.

 
 
 

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