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BULA - willkommen auf Fiji!

Auf zum Inselleben!

 

Heute früh um 9:40 Uhr geht es von Auckland aus drei Stunden mit dem Flieger nach Fidschi. Der Flieger hat leicht Verspätung, was mich aber zunächst nicht weiter stört, da ich somit noch etwas bummeln und an meiner Vanuatu-Planung arbeiten kann. Denn für den Abschnitt ist leider noch so einiges nicht organisiert und in 10 Tagen bin ich ja nun schon dort.

 

Nachdem der Flieger mit Verspätung landet, merke ich, dass es reichlich knapp mit meinem Expressbus wird. Und Cash brauche ich ja auch noch. Also im Schweinsgalopp das Gepäck abgeholt, durch die Exit-Security raus zum ATM. Wo fahren eigentlich die Expressbusse ab? Ich frage mich durch und alle sind sich in der Himmelsrichtung einig. Also sprinte ich samt Gepäck-Buggy rüber zum Eingang des International Airports. Nur um dann rauszufinden, dass ich meinen Expressbus soeben verpasst habe. Der nächste war für 13:10 Uhr geplant, doch der Ticketmann erklärt mir, dass der heute nicht kommt und ich dann den Bus um 13:30 Uhr nehmen kann. Dumm gelaufen mit den Bussen, denn so komme ich erst spät in Suva an. Aber es lässt sich nicht ändern, Hauptsache, ich bin hier. Und ich habe heute eh nichts mehr vor, außer in meiner Unterkunft anzukommen. Also nutze ich die Wartezeit noch, um mir eine lokale SIM-Karte zu kaufen, und dann geht es auf in den Sunbeam Express Bus. Dafür, dass mir gesagt wurde, dass der recht luxuriös sein soll, sieht er sehr unluxuriös aus. Und so sonderlich expressig kommen wir auch nicht voran. Aber egal. Ich komme irgendwann um ca. 18 Uhr in Suva an und suche jetzt diesen Flohmarkt, von dem die Eco Lodge, in der ich heute übernachten soll, erzählt hat. Denn hier soll mein zweiter Bus gehen, den ich brauche, um zur Lodge zu kommen.

 

Wieder einmal frage ich mich durch, wo ich hin muss, und wieder einmal wird mir total freundlich weitergeholfen. Irgendwann stehe ich in einer Traube von Leuten und eine nette Dame und ein netter Herr bestätigen mir, dass ich hier für meinen zweiten Bus richtig bin. Der Mann beglückwünscht mich zu meinem Mut, alleine hierher zu reisen. Er ist schon der zweite, der mich heute dazu beglückwünscht. Sollte mich das stutzig machen?? Als der Bus einfährt, sagen mir noch beide, dass das hier nach dem First-come-first-serve-Prinzip geht und ich mich unbedingt in den Bus reinquetschen muss. „Go Go Go, push in, just go“ – okay, okay, ich will ja auch nicht unangenehm auffallen als Tourist und den Locals ihren Vortritt nehmen. Sonst denken sie womöglich noch, dass ich culturally insensitive oder so bin. Naja, letztlich drücken mich alle aus dem Umfeld in den Bus rein, weil sie, glaube ich, merken, dass ich sonst ziemlich aufgeschmissen bin, wenn ich jetzt diesen Bus nicht kriege, denn es wird dunkel. Zu meinem Erstaunen wird der Bus tatsächlich nur mit der angegebenen Maximalzahl an Sitzplätzen besetzt. Aus Asien kenne ich es immer so, dass dann noch mal so viele Menschen auf den Gang gequetscht werden. Aber hier ist eindeutig Ordnung angesagt! Während der Bus in Suva den Hügel hochfährt, habe ich einen wundervollen Ausblick auf den Sonnenuntergang, der die Wolken rosa färbt. Die Dame neben mir unterhält sich sehr lieb mit mir und erkundigt sich, wo ich herkomme und was meine Pläne für Fidschi sind. Die Dame vor mir ringt freundlicherweise an der richtigen Stelle die Glocke zum Anhalten, damit ich direkt vor der Haustür meiner Lodge aussteigen kann. Die Menschen sind wirklich exzeptionell freundlich.

 

Als ich in der Eco Lodge ankomme, ist es schon spät, ca. 19:00–19:30 Uhr. Aber ich darf noch ein Abendessen bestellen und genieße Fish and Chips und einen Fruchtsaft auf der Terrasse, die eigentlich einen Blick auf einen hübschen See hat, der aber nun im Dunkeln liegt. Schön ist es trotzdem.

 

Das Zimmer ist sehr einfach und hellhörig. Meine fidschianischen Nachbarn sind jedenfalls noch rege im Gespräch. Ich habe einen Ventilator, der einem Düsenjet ähnelt, so schnell dreht er sich. Doch wenn ich ihn eine Stufe herunterstelle, ist er im Prinzip bewegungslos. Auch spannend finde ich die Öko-Beleuchtung. Denn nur wenn ich in Bewegung bleibe, bleibt auch das Licht hell. Sonst dimmt es sich nach kürzester Zeit runter. Öko in Ehren, aber ich würde schon gerne meine Sachen am iPad tippen, ohne alle 10 Sekunden wild mit den Händen in der Luft rumfuchteln zu müssen, in der Hoffnung, den Bewegungsmelder zu treffen.

 

Früh sehe ich noch mal bei Tageslicht, wie hübsch es hier eigentlich ist in der Colo-i-Suva Eco Lodge. Ich hätte gern noch mehr von dem Park hier gesehen.

 

Auf nach Leleuvia

 

Früh geht es ohne Frühstück ab ins Taxi, denn die Hotelangestellte meinte, dass ich zwei Stunden bis zum Bau Landing brauche, wo mich mein Boot um 10 Uhr nach Leleuvia abholen soll. Komisch. Denn ich war mir ganz sicher, dass ich damals 20 Minuten recherchiert habe. Aber gut. Sie stellt jedenfalls sicher, dass ich in ein zuverlässiges Taxi komme und … nach 30 Minuten bin ich am Bau Landing. :D Die 1,5 Stunden Wartezeit verbringe ich damit, mich mit Locals zu unterhalten, die immer wieder wechseln, da sie von verschiedenen Bussen abgeholt werden oder von Bussen kommen und von Booten abgeholt werden.

 

Dann kommt irgendwann auch mein Boot und gemeinsam mit einer Französin fahren wir 40 Minuten nach Leleuvia – einer Privatinsel mitten im Nirgendwo. Die Insel ist so klein, dass man sie innerhalb von 30 Minuten zu Fuß umrunden kann. Aber es gibt alles, was man sich wünscht: ein top ausgestattetes Tauchzentrum mit neuester Ausrüstung, Stand-up-Paddleboards, Surfboards und Kajaks. Außerdem gibt es ein Open Gym mit Boxsack und Gewichten und ein paar Calisthenics-Installationen.

 

Die Insel sieht wundervoll aus und sie ist überraschend leer. Tatsächlich sind Frédérique und ich die einzigen Gäste auf der gesamten Insel. Was für ein Luxus! Da sonst niemand da ist, bekomme ich auch noch ein Upgrade von meinem Schlafsaal in eine richtige Bure. Zwar ohne eigenes Badezimmer, aber eine tausendfache Verbesserung zu meinem Bett zwischen 30 anderen Betten. Nur wenige Meter vor meiner Bure-Tür ist der Strand entfernt, von dem aus ich ewig lang flach ins Meer zum Baden laufen kann.

 

Mittags sind zwei Einzeltische eingedeckt, doch irgendwie finde ich es komisch, dass wir zwei nebeneinander getrennt in dem riesigen Speisesaal sitzen. Also frage ich Frédérique, ob sie sich nicht zu mir zum Mittagessen setzen mag. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, wie sich herausstellt! Sie ist Französin und ihr Sohn arbeitet seit vielen Jahren hier in Fidschi für die UN. Weshalb sie wiederkehrender Gast in Fidschi und auf Leleuvia ist. Sie hat Stil und eine Meinung und sie erinnert mich an meine Mutter.

 

Das Wetter kippt und es fängt an, im Paradies zu regnen. Da wir uns gut verstehen, beschließt die Hotelmanagerin, dass sie mir ein weiteres Upgrade gibt für eine Bure direkt in der Umgebung von Frédérique, damit sie nachts und bei Regen nicht alleine durchs Dunkle laufen muss.

 

Also ziehe ich wieder um, und diesmal in eine Luxus-Bure. Die Decken sind mit Stoff abgehängt, es gibt neben zwei Doppelbetten noch zwei Einzelbetten UND ich habe ein eigenes Badezimmer MIT heißem Wasser in der Dusche. Fabelhaft!

 

Am Nachmittag geht jeder seiner Wege und ich nutze die Zeit, um durch Ebbe so weit wie möglich um die Insel herumzulaufen. Ich sehe viel Marine Life, inklusive einer Art weißer Schlange oder auch eines weißen Aals. An Land sehe ich gleich zwei schwarz-weiß geringelte Schlangen, die scheinbar auch hochgiftig sind, wie ich anschließend erfahre. Später verabreden Frédérique und ich uns für Apéro-Drinks in der Dining Hall. Doch leider wird das Wetter so hundsmiserabel, dass die Küche beschließt, dass es heute Room-Service gibt. Also bleibe ich in meiner Bure, genieße neben dem köstlichen Fisch noch ein Fiji Gold Bier und schaue mir Filme auf meinem iPad an.

 

Am nächsten Morgen ist das Wetter zwar besser, doch es ist schon abzusehen, dass es nicht den ganzen Tag hält. Also machen wir das ganze Wasserprogramm vor dem Mittagessen: Schwimmen, Kajakfahren und Schnorcheln. Vor allem das Kajakfahren ist witzig, da wir uns ein Zweier-Kajak nehmen und dann einmal um die Insel herumpaddeln.

 

Nachmittags setzt der Regen wieder ein und ich nutze die freie Zeit für Schlafen und Admin-Sachen. Auch im Paradies regnet es eben mal. Am Abend hält das Wetter dann tatsächlich und wir können gemeinsam im Haupthaus zu Abend essen. Es gibt viel zu erzählen und der Wein tut sein Übriges, und so torkeln wir irgendwann zusammen zu unseren Bungalows zurück.

 

Am nächsten Tag zeigt sich Leleuvia noch mal in seiner vollen Schönheit. Die Sonne kommt endlich raus!! Das war auch dringend nötig. Denn die Insel ist wie gesagt klein, und wenn dann die ganze Zeit „Schietwetter“ ist, gehen einem irgendwann die Aktivitäten aus. Jetzt, wo die Sonne scheint, leuchtet das Meer in ganz anderen Farben. Türkisblau, Dunkelblau, der Sand sieht viel weißer aus. Und besonders schön ist der südliche Abschnitt der Insel. Denn während im oberen Bereich die Palmen fast bis ganz ans Wasser ragen, ist im Süden der Insel eine recht lange flache Ebene, wo kleine Palmsetzlinge sind und dann ein langes Stück Strand, was je nach Ebbe oder Flut mehr oder weniger exponiert ist. Jedenfalls ist es perfekt zum Planschen und auch zum Schwimmen.

 

Nachtfähre oder keine Nachtfähre – das ist hier die Frage

 

Ich bin schwer versucht, meinen Plan, heute Nacht nach Taveuni zu fahren, zu canceln bzw. zu verschieben. Die eine Nacht in der Eco Lodge in Suva und die zwei Nächte hier in Leleuvia waren schon recht „fast-paced“ und eigentlich würde ich Leleuvia noch mal gern länger bei gutem Wetter genießen. Außerdem fange ich an, Zweifel an meinem Plan mit der Nachtfähre zu haben. Jeder Fidschianer, dem ich von meinem Plan erzähle, mit der Nachtfähre von Suva nach Taveuni zu fahren, wirkt extrem überrascht. „OH! You are going by ferry? That is a looong ride!“ Es kann mir auch keiner sagen, wie lange die Fahrt genau dauert, weil keiner von ihnen jemals nach Taveuni mit der Fähre gefahren ist. Weil es ihnen zu weit ist, sagen sie. :D Na, das ist ja sehr vertrauenserweckend. Wenn es nicht mal die Locals machen, sollte ich vielleicht auch einfach die Finger davon lassen und einen Zusatzflug buchen?! Aber eigentlich habe ich jetzt echt genug von Flügen und wollte ja auch eine local Experience. Außerdem habe ich das vor Monaten alles mit klarem Kopf geplant, also sollte ich vielleicht einfach bei meinem Plan bleiben. Ich kämpfe mit meinem „Organisations-Ich“ und meinem „Passe-den-Plan-flexibel-an-wenn-es-die-Situation-erfordert-Ich“. Schnelle Entscheidungen zu treffen, wenn zeitlicher Druck da ist, ist nach wie vor nicht meine Lieblingsdisziplin. Ich hätte gerne mehr Daten und mehr Zeit. :D Da meldet sich mein „Büro-Ich“ …

 

Nach einem gefühlt endlosen Hin und Her entschließe ich mich, bei meinem Adventure-Vorhaben zu bleiben. Ich nehme diese Nachtfähre! Also geht es um 15 Uhr mit dem Hotel-Shuttle-Boot zurück nach Suva, wo mich dann ein Taxifahrer abholt und zu einem zwielichtig wirkenden Ticket-Office am Busbahnhof fährt. Wenn ich erst mal mein Ticket habe, möchte ich noch zu einem Hotel fahren und vernünftig zu Abend essen, bevor es dann zum Hafen und auf die Fähre geht. Das Ticket-Office-Personal arbeitet auf „Fiji Time“. Mit anderen Worten: Auch wenn nicht viele Leute anstehen, dauert es ein halbes Jahrhundert, bis sich etwas in der Schlange bewegt. Irgendwann um 17 Uhr frage ich mal vorsichtig nach, wann denn das Boarding für die 19-Uhr-Fähre beginnt. „At 5pm.“ At 5pm? „Yes, Ma’am, now.“ Okay, alle Alarmglocken an. Ich tue so was ja nicht gerne, aber in dem Fall habe ich die Touri-Karte gezogen. PLEASE, I really need to get on that boat. Can you please give me a ticket. I have a big problem if I don’t get that ferry. Gott sei Dank zieht sie mich in der Warteschlange vor und ich bekomme mein „Golden Ticket“, mit dem ich dann zu meinem Taxifahrer gehe und spontan das Abendessen im Hotel streiche und ihn bitte, mich direkt zum Hafen zu fahren.

 

Der Hafen ist primär ein Industriehafen. Einige Schiffe sehen so aus, als ob sie schon ganz schön was mitgemacht hätten im Leben. :D Sie schwimmen noch, aber Container würde ich da vielleicht nicht mehr zusätzlich draufladen :D. Auch ein Anti-Rost-Mittel käme hier ganz gut zum Einsatz. Vor mir liegt sie – die Blue Phoenix. Die Perle, die mich heute Nacht nach Taveuni bringen wird. Auch Autos werden hier draufgeladen. Die Sicherheitsbeamten winken mich durch. Der Touri-Bonus bewirkt, dass ich mein Gepäck mit hochnehmen darf, anstatt es unten im Frachtbereich zu verstauen.

 

Alle Locals, die ich treffe, sind eindeutig überrascht, mich zu sehen – aber gleichzeitig auch amüsiert. :) Ich bekomme ein freundliches BULA nach dem anderen, jeweils mit einem dicken Grinsen im Gesicht. Eine nette Angestellte auf dem Boot (schätzungsweise 22 Jahre alt) zeigt mir alles, als wäre ich auf einem Luxus-Cruise-Liner. Ich wähle den großen Schlafsaal als mein Domizil für heute Nacht. Es ist einfach eine große Fläche, die links, in der Mitte und rechts leicht erhöht und mit Teppich ausgelegt ist, damit man sich dort flach hinlegen kann. Wie toll, dass man sich hier hinlegen kann! Das ist mehr, als ich erwartet hatte. Außerdem ist es noch gar nicht so überfüllt, wie ich vermutet hatte. Auf der Suche nach meinem Schlafplatz für heute Nacht werde ich direkt von zwei Fidschianerinnen angesprochen, die mich einladen, mich zu ihnen zu legen. Wie sich herausstellt, ist die eine Ärztin (Tui), die auch viele Jahre in England als Chirurgin gearbeitet hat. Sie ist mit ihrer Nichte unterwegs.

 

Wir unterhalten uns total nett und um uns herum kommen mehr und mehr Familien, die mitsamt Kissen und Bettdecken aufschlagen. Eindeutig geübte Nachtfähren-Fahrer! Ich liebe es und bin total erleichtert, dass es ein positives Adventure ist und keine überhitzte Legebatterie und Negativerfahrung. Zu Abend esse ich Käse-Chips, Instant-Nudeln und Oreo-Kekse. Das war das Einzige, was ich noch auf die Schnelle in dem kleinen Supermarkt in der Werft kaufen konnte, bevor es aufs Boot ging. Mir bleibt mein Junkfood halb im Hals stecken, als die Ärztin mir lang und breit erzählt, wie wichtig eine gute metabolische Diät ist, die ganz ohne verarbeitete Produkte, Milch- und Käseerzeugnisse und Fleisch auskommt. Für einen gesunden Körper ist es unabdingbar, dass man sich von frischen Dingen ernährt, ohne zugesetzten Zucker und Industriemüll. Ja, das sehe ich auch so, sage ich, während ich meine quietsch-orangen Mais-Puff-Twisties mit Mirinda-Limo runterspüle. Die Instant-Nudeln schmuggle ich dann an ihr vorbei und esse sie oben auf der Aussichtsplattform.

 

Später, so um 20:30 Uhr, wird überall im Boot das Licht ausgemacht. Ich schaue mir noch einen Film auf meinem iPad an und nach einem letzten Schnack mit der Ärztin über Großfamilien und dass die westlichen Kulturen dringend mehr für die Älteren in ihrer Familie machen müssen, lege ich mich um 21 Uhr hin und schlafe. Tatsächlich schlafe ich herrlich und fast durch, bis um 4:45 Uhr, als das Schiff den Hafen in Taveuni anfährt. Ich hatte zwar keine Decke wie die anderen, aber dafür hatte ich Ohrstöpsel, eine Augenbinde und einen Reiseschlafsack. Damit sind die Kreische-Kinder an Bord mehr oder weniger an mir vorbeigegangen. Wobei ich schon an der Peripherie mitbekommen habe, dass es viel Gezeter und Rennerei auf dem Flur gab und die Leute um mich herum mächtig pissed-off mit der dazugehörigen Familie waren und reichlich ge-shhhhh-t haben.

 

Willkommen in Taveuni

 

Pünktlich zum Sonnenaufgang laufen wir in den Hafen ein. Ich bin gut erholt und freue mich auf die Garteninsel. Mit meinen zwei Damen mache ich noch ein Foto und wir tauschen Nummern aus, weil Tui angeboten hat, dass wir einen der Walks hier auf der Insel zusammen machen. Da ich etwas Bedenken habe, an ein Abzocke-Taxi zu geraten, frage ich, ob die beiden mir helfen können, jemanden Zuverlässigen zu kriegen. Daraufhin geben sie mir ihren Taxifahrer, der mich dann erst mal den ganzen Weg in den Norden in mein Hotel hochfährt, bevor er dann zurückfährt, die Ladies einsammelt und sie den ganzen Weg in den Süden zu ihrer Familie fährt. Sprich: Die beiden haben einfach mal 40 Minuten am Hafen gewartet, nur damit ich mit ihrem Taxifahrer sicher in mein Hotel komme. Zeigt mir mal jemanden in Europa, der so altruistisch handeln würde.

 

Um ca. 6:00 Uhr lande ich in der Maravu Taveuni Lodge. Ein schönes Hotel, das aber auch ein Backpacker-Dormitory zu kleinem Preis anbietet. Die Hotelanlage ist wundervoll: gut gepflegter Rasen, hohe Palmen und hübsche Bures. Mein Mehrbettzimmer ist in Ordnung. Jetzt erst mal frühstücken, duschen und dann die Nachbarschaft erkunden.

 

Unten am Ende des Hotelgeländes kreuzt man eine Hauptstraße, die aber kaum befahren ist. Dahinter kommen zwei Tauchschulen und direkt der Strand, von dem aus man schnorcheln kann. Also gönne ich mir noch einen richtigen Latte Macchiato und schnorchle dann erst mal das Riff ab. Sehr hübsch! Und praktisch in Bezug auf die heutige Zeitplanung. Denn ich muss leider noch mal zurück in die Stadt, da man mir im Hotel eröffnet hat, dass ich alles Mögliche nicht mit Karte bezahlen kann und ich somit dringend Cash brauche. Auf ganz Taveuni gibt es aber nur einen Cash-Automaten und der ist direkt in der Nähe der Werft – 20 Minuten Fahrt von hier entfernt. Um ca. 12:00 Uhr – oder auch 12:30 Uhr oder 12:45 Uhr, je nach Fiji Time – kommt der Bus, der in den Süden fährt. Das kann ich gut nach dem Schnorcheln machen. Ich stehe also pünktlich an der Straße und 30 Minuten später werde ich per Handwinken aufgegabelt und fahre für 2 Fiji-Dollar (0,76 €) in die Stadt. Wieder habe ich ein total nettes Gespräch mit einer Fidschianerin, die hier das Marine Reserve wieder aufbauen möchte. Von der Stadt aus fahre ich dann mit einem Taxi, welches ich mir über die Obstverkäuferin meines Vertrauens organisiert habe, wieder zurück zur Lodge.

 

Gefühlt habe ich von Fidschi bisher noch gar nicht so viel gesehen. Aber ich hatte lauter nette Begegnungen mit Leuten, die mir helfen. Das ist das, was ich aktuell primär mit Fidschi verbinde.

 

Ich bin ziemlich zufrieden mit dem, was ich aus dem Tag herausgeholt habe. Ich schwimme noch etwas im Pool, snacke weiter an meinen toxischen Käse-Twisties, die ich aber hoffe, durch original Fiji Water wieder in der Gesundheitsbilanz ausgleichen zu können, und mache etwas Admin, während ich mir ein Fiji Bitter Beer gönne. Schmeckt wie ein Pilsener.

 

Auf zum Bouma-Nationalpark – Jagd auf Wasserfälle

 

Heute früh um 9:00 Uhr breche ich nach Bouma auf – ein Nationalpark, für den Taveuni bekannt ist. Kurzfristig gesellt sich auch Taylor zu mir dazu. Ein verrückter Amerikaner, der vor einiger Zeit ein mutiges Investment in Bitcoins und Co. getätigt hat und nun die nächsten 20 Jahre nicht mehr arbeiten muss. :D Glückspilz! Er trägt gerne alle Farben des Regenbogens, seine langen roten Haare und sein roter Bart ergänzen diese Farbpalette und er „embraced“ sein Aussteigerleben durch und durch. Jedenfalls ist er ein angenehmer Copilot für den Tag.

 

Zunächst fahren wir ca. 45 Minuten über Offroad-Straßen zum Park. Ab dort geht es dann zu Fuß auf den Jungle-Trail, der uns zu drei Wasserfällen führt. Taveuni wird definitiv nicht ohne Grund die Garteninsel genannt. Es ist üppig grün, egal wohin man sieht. Ein bisschen wie in Papua, aber eben doch wieder ganz anders, da es andere Pflanzen sind. Die Vegetation hier ist viel ertragreicher. Während es in Papua „einfach“ Jungle gab, gibt es hier Mangobäume, Papayabäume, Ananassträucher, Kokosnusspalmen und, und, und. Eben wie ein großer (Obst-)Garten. Außerdem sind die Bäume zusätzlich mit Pflanzen bewachsen. Zum Beispiel sind die Palmenstämme mit Rankpflanzen bedeckt. Durch das doppelte Gewächs sieht alles irgendwie … fluffig aus. Fluffig beschreibt es am besten.

 

Übrigens sind alle Pflanzen, die auf anderen Pflanzen wachsen, streng genommen Parasiten. Aber es gibt parasitäre Pflanzen, die ihren Wirt töten, und andere, die in harmonischer Symbiose mit ihren Wirten leben. Hier scheint es in der Regel eine harmonische Symbiose zu sein.

 

Unser Trail ist wunderschön und wir haben tolle Lookout-Points über die Berge und runter zum Meer. Den ersten Wasserfall erreichen wir schon nach 10 Minuten. Auf dem Weg haben wir exotische Pflanzen, die rot-schwarze Blätter haben oder auch leuchtend pinke Blätter. Danach geht es recht steil bergauf. Die letzten Tage hat es viel geregnet, daher ist es insgesamt recht matschig, aber der Weg ist eigentlich gut gefestigt und hier und da gibt es Seile zum Festhalten. Überall sind Frösche und ich muss mich richtig auf den Weg konzentrieren, um nicht aus Versehen auf einen draufzutreten. Wir treffen auch auf lilane Krabben. Wie die hierher kommen, kann ich mir gar nicht erklären, da ich Krabben eher am Meer verorte. Aber scheinbar mögen sie auch Tropenwald und Flüsse. Ganz stolz finde ich auch zwei Muskatnüsse. Ich erkenne sie an ihrer knallroten, wurzelartigen Verzierung um die Nuss herum. Auf der Spice Farm in Sansibar habe ich gelernt, dass das Rote einer der Inhaltsstoffe für Chanel Nr. 5 Parfüm ist. :)

 

Der zweite Wasserfall ist ziemlich wild und wir werden einmal komplett darin geduscht, ohne auch nur einen Fuß ins Wasser gesetzt zu haben. Zum dritten Wasserfall steigen wir nach einem weiteren Aufstieg dann wieder ein Stück hinab und dieser sieht aus wie aus einem Filmsetting im Movie Park. Wie gemalt. Also fackeln wir nicht lange, ziehen uns um und gehen schwimmen. Es ist großartig. In dem natürlich gebildeten Becken vor dem Wasserfall entsteht eine kreislaufartige Strömung. D. h., man kann eigentlich ziemlich gut im Kreis schwimmen. Einmal mit ganz schön Tempo – in der Mitte, wo die Strömung des Wasserfalls einen flussabwärts wegdrückt. Und einmal mit leichtem Sog an den Seiten des Beckens entlang wieder zurück zum Ausgangspunkt. Ein Stück weiter gibt es auch noch Vertiefungen, die wie kleine Badewannen wirken. Hier setze ich mich eine Weile rein – rechts von mir der Wasserfall und links von mir der Fluss, der sich aus dem Wasserfall ergibt. Nach ausgiebigem Baden machen wir uns wieder auf den Rückweg. Auf dem Rückweg sieht der Weg ganz anders aus als auf dem Hinweg. Ich hätte ihn nicht wiedererkannt. Ein magischer Aspekt des Tropenwalds.

 

Zum Schluss schwimmen wir dann auch noch im ersten Wasserfall (vom Anfang). Dieser hat ein viel flacheres und größeres Becken, also perfekt zum Baden. Zum ersten Mal stoßen wir hier auch noch auf andere Menschen. Zwei Local-Familien sind auch hier. Hinter dem Wasserfall ist eine Art Höhle mit einer Klippe, von der aus man hinter dem Wasserfall hinunterspringen kann. Wir schwimmen erst näher an den Wasserfall heran und klettern dann in die Höhle hoch. Sie ist riesig und der Blick von hinten auf den Wasserfall ist beeindruckend. Die Geräuschkulisse auch! Ein Local nimmt Anlauf und springt von der Klippe ins Wasser runter. Der Amerikaner springt nach. Eigentlich wollte ich gar nicht springen, aber dann will ich mir die Gelegenheit doch nicht entgehen lassen und nehme all meinen Mut zusammen und springe auch. Für Eleganz bekomme ich bei dem Sprung eindeutig keine Bestnote. Taylor meint, ich hätte fast eine Face Plank gemacht. :D Beim Aufprall ins Wasser hat es mir dann noch das Bikinioberteil wegkatapultiert. :D Aber so tief, wie ich ins Wasser eingetaucht bin, konnte ich das schnell wieder richten, bis ich wieder an der Wasseroberfläche war. Nicht, dass ich am Ende noch gegen das Sittengesetz verstoße! Ich falle eh schon auf, dadurch dass ich einen Bikini trage, statt wie die anderen Frauen in Sportshirt und Shorts ins Wasser zu gehen.

 

Dann heißt es umziehen und zurück zum Ausgang, wo unser Fahrer auf uns wartet und uns in die Lodge zurückfährt. Was für ein toller Ausflug! Kein Wunder, dass das hier eine der schönsten Attraktionen ist.

 

Am Nachmittag gehe ich noch mit Taylor etwas essen, wir lassen die Seele baumeln in den Hängematten, die wir entdeckt haben, und später laufe ich noch zum Strand runter, um mir den Sonnenuntergang anzusehen. Leider verdeckt ein Felsvorsprung die Sonne. Aber der Himmel färbt sich trotzdem schön orange.

 

Zurück ins Wasser – The Great White Wall und Emanzipations-Kajaken

 

Heute Nacht habe ich kaum geschlafen, weil ich so aufgeregt bin, weil ich heute wieder tauchen gehe. Neues Land, neue Tauchschule, neues Tauchgebiet. Ich Glücksschweinchen bin genau in dem Zeitfenster hier, wo man die Great White Wall betauchen kann. Scheinbar gibt es nur zweimal im Monat ein kurzes Fenster, wo das möglich ist. Den Rest des Monats ist hier so starke Strömung, dass man wie Superman daran vorbeifliegt oder aber die Wand komplett schwarz aussieht. Denn das, was die Wand weiß wirken lässt, sind die White Soft Corals. Und die öffnen sich scheinbar nur bei richtiger Tageszeit, Lichteinstrahlung und Strömung, sodass sie so weiß sind, dass der Fels, an dem man taucht, wirklich wie eine einzige große, weiße Wand aussieht.

 

Die neue Tauchschule ist mir auf Anhieb sehr sympathisch. Ich werde zuverlässig abgeholt, es sind noch weitere Taucher da und wir werden mit einem Fidschi-Ständchen von den Tauchguides willkommen geheißen. Die Eigentümerin hat die Tauchschule hier vor 18 Jahren eröffnet und sie legt eindeutig viel Wert auf die Details, die die Schule auch wirklich sehr professionell auf mich wirken lassen.

 

Dann geht es auf zur Great White Wall. Ich muss sagen, mir wurde nicht zu viel versprochen. Es ist schon wirklich sehr beeindruckend … und aufregend. Zumal man den Tauchgang damit beginnt, dass man von oben in eine Höhle hinuntertaucht. Wenn man unten aus dem Felsloch herauskommt, ist man auf 30 Meter Tiefe (neuer Rekord für mich) und mitten an der wirklich strahlend weißen Wand.

 

Die Dive-Instructors sind alle sehr motiviert und zeigen uns unter Wasser alles Mögliche an kleinsten Tierchen, die ich im Leben nicht alleine entdeckt hätte. Sie haben ein kleines Board dabei, wo sie immer alle Namen der Tierchen und Fische aufschreiben, was ich super finde. Normalerweise habe ich, bis ich an der Wasseroberfläche bin, schon wieder alles vergessen und kann nicht mehr nachfragen, was ich da wohl gesehen habe. Dank des Boards kann ich direkt Fisch und Namen miteinander verbinden und mir alles besser merken.

 

Im Oberflächenintervall gibt es richtig gutes Essen! Curry-Wrap, Bananenkuchen, Obst, Kekse und Chai-Tee. Richtiges Verwöhnprogramm!

 

Dann geht es zum Rainbow Reef – das ebenfalls eines der Must-Sees auf Taveuni ist. Wir fahren zu einem Spot für Hartkorallen (Jack’s Place). Denn aufgrund der derzeit schwachen Strömung öffnen sich viele Softcorals nicht, wodurch die Soft-Coral-Riffe dann scheinbar nicht so toll aussehen. Als wir runtergehen, bin ich etwas enttäuscht, weil es gar nicht so viele Korallen zu sehen gibt. Aber die Dive-Instructor machen es zu einem tollen Tauchgang, weil sie wirklich an jedem Korallenblock außergewöhnliche Tierchen finden. So habe ich zum ersten Mal ein Pygmäen-Seepferdchen gesehen. Das ist gerade mal 3 mm groß! Und eine Orang-Utan-Krabbe, die so groß ist wie eine Fingerkuppe und überproportional lange, rothaarige Arme hat. Einen Riffhai sehen wir auch noch und weitere besondere Krabbenarten. Es war ein runder Tauchtag!

 

Um 13 Uhr bin ich zurück in der Unterkunft und voller Begeisterung im Wassermodus. Also beschließe ich, nach dem Mittagessen noch ein Kajak zu mieten und zum Schnorcheln zur Honeymoon Island rauszupaddeln. Ich habe etwas mehr als 1,5 Stunden dafür, weil dann der Dive-Shop, der die Kajaks vermietet, schließt.

 

Was soll ich sagen: Es war ein Abenteuer! Zunächst bin ich noch super bei Windstille und flachem Seegang die Küste Richtung Norden hinausgepaddelt. Vom Wasser aus kann man toll die Resorts sehen, die einem ansonsten von der Straße aus verborgen bleiben. Über mir fliegt eine Propellermaschine ganz nah, um auf dem winzigen Flughafen Matei zu landen. Ich winke dem Piloten noch, aber kann nicht sehen, ob er zurückwinkt. Kaum erreiche ich jedoch die nördliche Spitze der Insel, kommt ziemlich kräftiger Ostwind und außerdem gibt es reichlich Wellen. Aus dem lustigen Paddeln wird Wettkampfrudern! Der Kajakverleih meinte, wenn ich an der Nordspitze der Insel bin, werde ich drei kleine Inseln sehen und es ist die entfernteste davon. Leider sehe ich aber fünf Inseln. Und welche davon am weitesten entfernt ist, ist irgendwie Interpretationssache von meiner Perspektive aus. Ich entscheide mich also für die goldene Mitte, Insel Nummer 3. Außerdem liegt dort eine Yacht, bei der ich hoffe, jemanden anzutreffen, der mir sagen kann, ob das wirklich Honeymoon Island ist.

 

Ich paddle, als würde ich mich für die Olympischen Spiele qualifizieren wollen. In der Tat stelle ich mir vor, dass ich gerade in einem Wettkampf paddle und unbedingt gewinnen muss. Das hält den Spirit aufrecht, jawohl! Denn die Wellen sind inzwischen wirklich hoch und der Wind zugig und ich sehe immer wieder, wie Wellen mit Westströmung auf Wellen mit Ostströmung prallen und dann lautstark miteinander zusammenknallen bzw. sich verschneiden. Wenn mein kleines, rotes Paddelkajak in so eine Schere reingerät, erleide ich definitiv Schiffbruch! Wie gut, dass meine einzige Ausrüstung meine GoPro, das Schnorchelequipment und eine Aldi-Ziplock-Plastiktüte sind, in der ich Sonnencreme und mein Handy drin habe. Das wird mir im Zweifel sicher das Leben retten … NICHT. Aber jetzt bin ich so weit gekommen, da will ich es mir nicht nehmen lassen, zumindest zu versuchen, irgendwo an Land anzulegen. Emanzipations-Paddeln nenne ich das! Ich paddle zwischen zwei Inseln durch, aber weder sehe ich irgendwo Strand, noch ist jemand auf besagter Yacht, den ich mal fragen könnte, wo ich hier eigentlich bin. Kaum habe ich die Inseln links und rechts von mir überholt, drehe ich letztlich doch ab und fahre hinter der einen Insel wieder zurück und Richtung Heimweg. Das ist mir mit den Wellen nun doch zu krass. Auch zeitlich muss ich mich jetzt auf den Heimweg machen, wenn ich es pünktlich zurückschaffen will.

 

Ende gut, alles gut, ich lande in ganzen Stücken wieder beim Kajakverleih. Die Schnorchelmission ist gescheitert, aber ich bin ziemlich stolz auf mein ungeplantes Workout. Beim nächsten Mal gehe ich aber vielleicht doch mit einem Guide raus. :D

 

Es war ein runder Tag!

 

Tauchen „Klappe die Zweite“ & kleine Gartentour

 

Heute früh geht’s noch mal zum Tauchen raus. Um 7:30 Uhr werde ich abgeholt und es geht noch mal zur White Wall und anschließend zum Rainbow Reef (Swirling Rainbow). Heute ist allerdings irgendwie der Wurm drin. Alfred, unser Tauchguide, ist nicht ganz auf der Höhe. Statt drei Tauchern sind wir auf einmal zu fünft in seiner Gruppe. Ich gehe beim Abtauchen erst mal verloren und schließe mich einem anderen Tauchguide unserer Schule und seinen zwei Tauchern an, bis ich Alfred und die anderen auf der anderen Seite des Tunnels an der White Wall wiedertreffe. Viele Tiere werden heute auch nicht gezeigt. Dann haben die anderen auch noch einen höheren Sauerstoffbedarf und Alfred will nach 30 Minuten auftauchen. Da ich aber noch gut 100 Bar in meinem Tank habe, fange ich an, unter Wasser mit ihm zu diskutieren. Auf seinem kleinen Brettchen schreiben wir wild hin und her: „Who is going to dive with you? The group is short on oxygen.“ – „Can I join another group?“. Er zeigt in die Ferne und ganz vage kann ich dort den Tauchguide sehen, mit dem ich schon vorhin versehentlich mitgeschwommen bin. „You want to join them?“ Er fragt noch dreimal nach, ob ich das wirklich möchte, da die Gruppe in der Tat ein Stück weg ist. Aber ich wäre schon wirklich sehr enttäuscht, jetzt aufzutauchen, also gebe ich mein finales Go und schwimme zu den anderen rüber. Eindeutig eine richtige Entscheidung. Da heute mehr Strömung ist als gestern, sind die Softcorals mehr geöffnet und in Kombination mit viel Sonne leuchtet das Riff in tollen Pink- und Lilatönen und es sind viele Fische unterwegs. Immerhin kann ich meinen Tauchgang auf 45 Minuten strecken, was mich sehr glücklich macht.

 

Der zweite Tauchgang ist dann leider wirklich nichts. Wir gehen zu fünft runter, diesmal bleibe ich brav in der Nähe des Guides. Aber wir bewegen uns recht lange nicht und er scheint unentschlossen zu sein, ob wir links oder rechtsrum schwimmen sollen. Dann haben wir etwas Strömung, was scheinbar die eine Taucherin so nervös macht, dass sie 10 Minuten später an seinem Oktopus mitatmet, damit sie ihren eigenen Sauerstoff aufsparen kann und wir den Tauchgang etwas verlängern können. Trotzdem müssen wir nach 31 Minuten auftauchen. Ich habe wieder einmal 100 Bar übrig, aber es ist keine andere Tauchgruppe in der Umgebung und er kann mich nicht alleine unten lassen, also bleibt mir nichts anderes übrig, als mit aufzutauchen. Am Riff haben wir zwei Haie, eine Orang-Utan-Krabbe und eine „Decorated Crab“ gesehen. Aber ansonsten recht wenig. Ich bin recht enttäuscht.

 

Als wir zurück in der Lodge ankommen, stelle ich fest, dass es knapp 15 Uhr ist! Gestern waren wir um 13 Uhr zurück. Warum, kann ich mir nicht erklären, denn die Bootsstrecke war die gleiche. Das Surface-Intervall kam mir länger vor, das stimmt schon. Jedenfalls stirbt nun die Idee, heute Nachmittag noch den Coastal Walk in Lavena zu machen. Blöd! Zugegebenermaßen bin ich ziemlich müde und könnte ganz gut ein Nickerchen gebrauchen. Aber ich möchte meine Zeit hier ja auch so gut wie möglich nutzen. Als ich mich dann zu Taylor an den Pool lege, um tatsächlich Pause zu machen, kommt aber noch Kalli vorbei. Ein Angestellter aus dem Hotel, der von Handwerksarbeiten bis hin zum singenden und Gitarre spielenden Kava-Meister so ziemlich alles hier macht. Ich frage ihn, ob er nicht Zeit hätte, eine kleine Gartentour mit uns zu machen. Eigentlich hat er jetzt Pause, aber wir drei verstehen uns gut, also zieht er mit mir und Taylor noch mal los. Der Garten der Maravu Lodge ist voll mit Obstbäumen und wir pflücken eine Papaya und zwei Kokosnüsse. Die Ananas sehen auch schön reif aus, aber die dürfen wir nicht pflücken. Soursop gibt es auch, aber das ist noch nicht reif. Die Tour macht Spaß und kostet nicht zu viel Zeit. Zurück am Pool trinken wir unsere Kokosnüsse und essen Papaya, die wir mit frisch gepflückten Kumquats beträufeln. Köstlich.

 

Zum Dinner bekommen wir einen Tipp von Trudy, einer anderen Gästin aus der Lodge. Nur knapp 100 m die Straße runter soll ein hübsches Restaurant mit tollem Ausblick auf die Bucht und den Sonnenuntergang sein. Wir machen uns richtig schick – bzw. ziehen halt das Sauberste an, was unser Koffer so hergibt – und ziehen los. Tatsächlich ist der Blick ziemlich beeindruckend und wir trinken ein Fiji Gold Bier, während wir den Sonnenuntergang genießen. Es war ein richtig schöner Abend mit guten langen Gesprächen, die mal über das „where are you from? So what do you do back home“ hinausgehen.

 

Die geheimnisvolle Tagimocia-Blume und der Lavena Coastal Walk

 

Heute heißt es Gas geben. Morgen fahre ich schon nach Vanuatu und ich möchte unbedingt noch ein Trekking zum See machen und den Lavena Coastal Walk. Also geht es um 8:30 Uhr los und ein Fahrer holt uns ab und fährt mit uns 1,5 Stunden erst die Westküste entlang und dann hauptsächlich offroad den Berg hoch, ins Landesinnere. Irgendwann hält er an und wir gehen über einen versteckten, winzigen Zugang mitten in den Jungle rein.

 

Ich glaube, näher werde ich an Indiana Jones nicht rankommen! Es ist wilder, ungestümer Tropenwald, der Boden ist über und über mit Wurzeln und Schlamm versehen (bevor wir angekommen sind, hat es viele Tage geregnet) und man muss sich sehr konzentrieren, wo man hintritt. Wie gut, dass unser Guide eine Machete dabei hat. Nach ca. einer Stunde erreichen wir den viel besprochenen Tagimocia-See. Eigentlich dachte ich ja, dass wir hier schwimmen können, aber es sieht nicht danach aus, als ob der See dafür gemacht ist. Es ist sehr schlammig und drumherum wachsen dick Gräser hoch. Der eigentliche Grund, warum wir zu diesem See gekommen sind, ist auch eigentlich ein anderer: Hier wächst eine für Taveuni endemische Blume, die nur ab 600 m Höhe wächst und nur 6–8 Wochen im Jahr blüht! Und genau in dem Zeitraum sind wir gerade da. Die Blume ist übrigens auch auf einem der Fiji-Dollar-Scheine abgedruckt. Also will ich mir die Blume natürlich ansehen!! Leider war vor einer Woche Graduation Ceremony für die Schulabsolventen auf Taveuni, was traditionell unter anderem damit zelebriert wird, dass die Locals die Blumen pflücken und sie in ihre Kleidung integrieren. Dadurch war der See nicht ganz so üppig mit der Blume bewachsen, wie ich dachte. Aber unser Tourguide hat uns noch ein paar Ranken gefunden. Die Blume ist nämlich eine Rankpflanze, die an Bäumen hochwächst. Die Blüten sind weiß mit lila Stempeln und pinken Blütenblättern drumherum. Wunderschön! Gelohnt hat sich der Ausflug schon alleine wegen des Jungle-Trekkings, aber die Blume macht es noch mal besonderer.

 

Auf dem Rückweg halten wir in der Stadt für Organic Sorbet, was mir ein anderer Fahrer empfohlen hat. Ich nehme Kakao & Elderberry und Mango. Super Mischung! Durch Zufall laufen wir in Kalli rein. Wir nehmen ihn ein Stück mit und er rät uns, direkt zum Coastal Walk an der Ostküste aufzubrechen, damit wir nicht zu spät am Wasserfall ankommen, der dort das Highlight sein soll. Also laden wir nur kurz Ausflugsgepäck im Hotel ab, nehmen noch ein Kartoffel-Roti als Take-away-Lunch mit auf den Weg und dann geht es nach Lavena.

 

Der Lavena Coastal Walk dauert hin und zurück knapp 3 Stunden, zuzüglich zu der Zeit, die man am Ende noch im Wasserfall schwimmen möchte. Der Walk führt – wie der Name schon sagt – an der Küste entlang mit traumhaften Ausblicken! Man muss zwei kleinere Bäche überqueren, für die man nicht unbedingt seine Schuhe ausziehen muss. Danach kommt aber eine Flussüberquerung, die es in sich hat. Ursprünglich gab es hier mal eine Brücke, doch die ist zusammengefallen. Daher gibt es nun nur noch ein Seil. Dieses ist allerdings nicht sehr fest gespannt. Das heißt, in dem Moment, wo man eh schon knietief im Fluss steckt und dann auch noch auf einem der glitschigen Steine abrutscht, ist das Seil nicht die Komponente, die einen auffängt, sondern es wabbelt durch die Gegend! Das führt bei mir fast zu einem elfengleichen Rückenplatscher, den ich gerade noch retten kann (schließlich hatte ich auch Kameraausrüstung dabei). Bloß verliere ich beim Ausrutschen einen meiner nagelneuen Flip-Flops und muss zusehen, wie er Stück für Stück raus aufs Meer getrieben wird. Spoiler-Alarm: Ich habe ihn später auf dem Rückweg wiedergefunden, da er Gott sei Dank an den Strand angespült wurde.

 

Die ganze Zeit werden wir von einem Hund begleitet, den wir Geronimo getauft haben. Er steht auf einem der Steine im Wasser, wimmert und pokert eindeutig darauf, dass einer von uns ihn rüberträgt. Aber mit Hundestreicheln habe ich hier so meine Vorbehalte und versuche ihm zu signalisieren, dass er drüben bleiben soll. Letztlich fasst er sich ein Herz und springt wagemutig in den Fluss und kämpft sich auf die andere Seite zu uns durch. Gott sei Dank ist er nicht abgerutscht, sonst hätte ich mich genötigt gefühlt, ihn trotz Kameraausrüstung aus dem Wasser zu retten :D.

 

Wir laufen bis zum Ende des Weges und ab da geht es 15 Minuten landeinwärts an einem weiteren Fluss entlang. Nach etwas Auf und Ab kommen wir dann am Ziel an. Vor uns liegt ein breites Flussbett, das ganz ruhig und sanft dahinfließt. Das Wasser ist glasklar und wir können auf den Boden des Flusses sehen und auch die Fische, die darin schwimmen. Der Wasserfall ist ca. 200 m–300 m weiter, aber ab hier muss man schwimmen, um zu ihm zu kommen. Er verbirgt sich hinter einer Felsverengung, die fast wie eine Pforte wirkt. Es ist magisch. Wir ziehen uns um und springen ins Wasser. Durch die Schlucht zu schwimmen, ist einfach wundervoll. Links und rechts geht es steil den Fels hinauf und von oben wachsen diverse Rankpflanzen hinunter, die permanent befeuchtet werden und durch den Dampf des Wasserfalls schimmern. Ich kann die Feuchtigkeit in der Luft förmlich riechen. Wenn man durch die Pforte hindurchschwimmt, sieht man, dass es eigentlich zwei Wasserfälle sind: links ein kleinerer, der fast schon zu einer natürlichen Wasserrutsche vom Wasser über die Zeit ausgeformt wurde, und mittig ein rund 10–15 m hoher Wasserfall. Im Hintergrund ist der Fels teilweise orange und flauschig – vermutlich irgendwelche Mikroorganismen von der Luftfeuchtigkeit. Es ist einfach traumhaft. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass noch kein Filmemacher diesen Ort für sich entdeckt hat. Oder vielleicht wurde er schon entdeckt und in einen Film eingebaut und es weiß nur niemand davon?! Ich genieße das Schwimmen hier jedenfalls sehr. Außer uns ist kein Mensch hier und es ist alles so friedlich und ursprünglich. Schöner wird’s nicht mehr!

 

Am Abend kommen wir müde, aber glücklich zurück im Hotel an und gesellen uns nach einem späten Abendessen noch etwas zu Kalli, der für die Musik am heutigen Abend zuständig ist und Kava verteilt. Es war ein perfekter Abschluss für eine aufregende Zeit in Taveuni.

 

Fazit

 

Taveuni ist ein wunderbares Fleckchen Erde. Es hat Berge, es hat Meer, es ist fruchtbares Land und die Temperaturen sind über das Jahr hinweg stabil warm. Ja, es regnet viel, aber dafür ist es auch wunderschön grün. Touristen gibt es hier wenige, weil kaum einer den langen Weg in den Osten auf sich nimmt. Außerdem sind die meisten eher auf der Suche nach weißen Sandstränden (wie es sie auf den Yasawa Islands gibt), die man in Taveuni aber eher wenig findet. Die Fidschianer sind unheimlich freundlich und nehmen einen herzlich auf. Sie sind organisiert und die Kommunikation ist sehr einfach. Wer in der Umgebung ist, sollte sich einen Besuch auf Taveuni nicht entgehen lassen.

 
 
 

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