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G wie Grönland, G wie Grenzerweiterung

Aktualisiert: 23. Sept. 2025

Die wichtigsten Dinge vorab:

 

G wie gnadenlos

Grönland ist ein hartes Pflaster. Es ist sehr abgelegen und die Mittel vor Ort sind sehr begrenzt. Es gibt in der Regel keinen Strom, Wasserleitungen, Heizmöglichkeiten, oder Handyempfang. Bei schlechtem Wetter können einem Kälte, Nässe und Wind sehr zu schaffen machen. Für Abenteuerreisen-Anfänger ist es nicht geeignet!

 

G wie großartig

So hart Grönland bei schlechtem Wetter auch ist, in dem Moment wo die Sonne rauskommt, ist aller Kummer vergessen und es liegt einem traumhafte, unberührte und vor allem endlose Natur zu Füßen. Unzählige Fjorde, vielfältige Berglandschaften und herbstlich bunte Tundra wohin man nur sieht. Und immer wieder eindrucksvolle Eisbrocken, die durch die Gewässer wandern.

 

G wie Grenzerweiterung

Grönland hat mich zwischenzeitlich extrem herausgefordert und auf die Probe gestellt. Gleichzeitig kann ich sagen, dass es mir einen neuen Blickwinkel eröffnet hat, mich viele Grundsatzfragen hat überdenken lassen und in mir ein tiefes Gefühl von Glück und Frieden hinterlassen hat. Es hat meine persönlichen Grenzen erweitert und ich bin ready for more adventure.

 

Reisebericht

 

Warum eigentlich Grönland?

 

Grönland stand schon rund 5 Jahre auf meiner Reiseliste. Die endlose Weite, Abgelegenheit und letztlich Exklusivität reizten mich. Warum also ausgerechnet dieses Jahr? Stein des Anstoßes für die Buchung war zum einen eine Reisereportage von Grenzgang Anfang des Jahres, wo ein erfahrener Lappland Fotograf berichtete, dass es ein Nordlicht begünstigtes Jahr ist, auf Grund der Stellung der Planeten (fragt mich nicht nach astrologischen Details). Zum anderen haben die stetigen Kommentare einer gewissen Großmacht zur Übernahme Grönlands ihr übriges getan, dass ich die Entscheidung gefällt habe, jetzt und nicht später zu fahren.

 

Um die Nordlichter zu erleben, kamen nur Reisetermine ab September in Frage, um die Mitternachtssonne zu vermeiden. Gleichzeitig bedeutete das auch, dass ich Grönland in der Herbstsaison erleben würde. Was toll ist in Bezug auf das Farbspiel der Natur, aber auch wechselhaftes Wetter bedeutete. Mitte September finden dann die letzten Touren statt, danach ist die Saison zu Ende. Die Zelte werden im wahrsten Sinne des Wortes abgebaut und alle die können, reisen nach Dänemark aus, da im Winter viele Fjorde zufrieren und harte Monate bevorstehen.

 

Das Vorprogramm

 

Grönland ist nicht direkt zu erreichen. Man muss über Island oder Dänemark einfliegen. Da auch nicht jeden Tag von dort aus Flüge nach Grönland gehen, sollte man immer mindestens einen Tag vorher und einen Tag im Anschluss Puffer lassen, sodass die kleine Propellermaschine sicher erreicht werden kann und Verspätungen auf dem Rückweg einkalkuliert sind.

 

Also kam ich mit Vorlauf in Reykjavik an. Mein 8er Schlafsaal im Hostel war überraschend gut ausgestattet und sauber und beim Frühstück hatte ich schon die erste inspirierende Unterhaltung mit einer Software Ingenieurin, die für die Flugzeugindustrie codiert. Begegnungen, die ich in einem normalen Hotel nicht hätte und mir wieder zeigen, dass Hostels eine prima Art des Reisens sind, wenn man alleine unterwegs ist.

 

Den Tag verbringe ich damit die Stadt anzuschauen, die mit vielen bunten und teils kunstvoll bemalten Häuschen gespickt ist. Alles ist auffällig sauber und da die Stadt überschaubar ist, kann man sich quasi nicht verlaufen. Besonders schön finde ich, wie deutlich die Stadt die Regenbogenfarben überall einbaut. Es schafft irgendwie ein Gefühl von Toleranz, Offenheit und Sympathie. Reykjavik hat in den letzten Jahren eindeutig ein Hoch im Tourismus erlebt und hat an ungelogen JEDER Ecke einen Souvenir Shop, der zu 90% das gleiche Sortiment hat, wie der Store nebenan. Faszinierend, da es ja eindeutig Abnehmer gibt, sonst würden die Shops nicht existieren. Gleichzeitig auch traurig, da die Vielfalt fehlt und ich irgendwie auf mehr einzigartige Shops gehofft hatte. Beeindruckend ist das Preislevel der Stadt. Schon bei der Unterkunftssuche ist mir aufgefallen, dass man hier schon genauer kalkulieren möchte wie lange man die Tour verlängert. Nicht schlecht gestaunt habe ich dann allerdings beim Bäcker. Eine Zimtschnecke, ein Käsecroissant und ein Himbeerteilchen machen dann 24€ bitte. Kaffee noch mal 7€. Ich muss zugeben, das Zimtschneckchen von Braud ist - warm wie es war - förmlich in meinem Mund geschmolzen und hat einen oberen Platz auf meiner Top 10 Patisserie Teilchen Liste verdient. Aber für schmale Portemonnaies ist Island eindeutig nichts.

 

Willkommen in Grönland

 

Dann geht es los nach Grönland. An der Anzahl der am Gate wartenden Reisenden sieht man schon, dass es sich nur um einen kleinen Flieger handeln kann. Ich screene schon mal wer dort so sitzt, schließlich müssen ja alle Teilnehmer der Tour hier dabei sein. Auffällig ist schon mal, dass ich mit die Jüngste bin. Alle haben eine Gewisse Neugier im Gesicht. Grönland ist eindeutig für niemanden hier ein „übliches“ Reiseziel.

 

In der Tat geht es mit einer winzigen Propellermaschine, die nur 3/4 besetzt ist rund 2:20h nach Narsarsuaq. Ich habe das Glück ganz hinten am Fenster zu sitzen. Der Einflug bzw. Landeanflug nach Grönland ist ein Spektakel für sich. Man fliegt über die Gletscher ins Tal hinein. Die Abendsonne hüllt alles in ein warmes, goldenes Licht. Hier und da ragt ein Fels aus dem Eis heraus. Die Perspektive ist vollkommen verzerrt. Ich kann null einschätzen, ob wir schon 100 Meter über dem Grund sind, oder noch Meilen entfernt, weil alles unendlich ist. Das Eis, das Land, weit und breit nichts als das. Irgendwann häufen sich die Felsspitzen. Aus Eis werden kleine Seen, die im Licht schimmern. Der Flieger ist schon mitten zwischen den Bergen, es kann nicht mehr weit zur Landebahn sein. Es erinnert mich ein bisschen an den Einflug in Bhutan, wo ich definitiv viel zu nah in das Wohnzimmer eines Hauses blicken konnte, als wir im Landeanflug um eine Kurve zwischen den Bergen einbogen :). Wohl eher ein Fluggebiet für geübte Piloten.

 

Nach der Landung steht allen Passagieren ein breites Grinsen ins Gesicht. Die Aufregung ist deutlich gestiegen. Alle machen Fotos von dem Flieger auf der kleinen Landebahn. Der Flughafen hat die gefühlte Größe einer Schuhschachtel. Ankunft und Abflug sind nur eine Plexiglas-Trennwand entfernt und das Gepäck wird von den Mitarbeitern des Flughafens auf das 10m Lange Gepäckband gekippt.

 

Draußen dauert es auch nicht lange den Tour Guide zu finden. Es gibt nur eine Organisation, die überhaupt Touren in Südgrönland anbietet und es starten zwei Touren: eine Internationale (unsere) und eine Spanische. Wie ich erst im Nachhinein erfahre, ist die Reiseorganisation von einem Spanier gegründet worden, der in den 90er Jahren als erster eine Polar Expedition von Süd- bis Nordgrönland durchgezogen hat. Das Unterfangen mit Schlittenhunden hat insgesamt drei Jahre gedauert.

 

Voller Stolz erzählt uns unsere Fahrerin (wie sich hinterher hinausstellt die Geschäftsführerin der Organisation) auf dem Weg zum Hafen, dass wir uns auf der längsten gepflasterten Straße Südgrönlands befinden. Sie ist 11km lang :) Alle Einwohner von Narsarsuaq (126 an der Zahl) arbeiten hier am Flughafen. Mit einem Zodiak setzen wir über nach Qassiusaq, wo wir im Leiff Erikson Hostel unseren ersten Abend verbringen. Wir sind 11 Leute: zwei Australier, ein Franzose und der Rest Deutsche. Unser Tour Guide Gabriel ist Argentinier und arbeitet seit 9 Jahren hier unten in der Saison. Den Rest des Jahres ist er Tour Guide in Spitzbergen, der Antarktis und Bergführer in Patagonien und am Aconcagua.

 

Erstmal wird die Tour im Allgemeinen erklärt. Alle werden mit 90l Duffle Bags ausgestattet, in die wir unser Gepäck umpacken müssen. Klingt viel, ist es aber nicht. Zusätzlich werden Plastiktüten verteilt, was mich schon stutzig macht, da die Kerneigenschaft von Duffle Bags doch eigentlich ist, dass sie wasserdicht sind. Auch Expeditionsparka werden verteilt. Doch auch hier wird der Hinweis gegeben, dass sie nicht wasserdicht sind. Ok - ich nehme das erstmal neutral zur Kenntnis. Schließlich sind wir in Grönland. Ich gehe eher von Schnee bzw. Eis aus, nicht von Regen. Schlafsäcke kann man sich hier ebenfalls leihen. Ich kann endlich meinen eigenen Daunenschlafsack zum Einsatz bringen (Komforttemperatur -5 Grad), den ich vor Jahren gekauft habe und der sich bisher definitiv noch nicht amortisiert hatte.

 

Im Hostel gibt es Heizung, Duschen und Toiletten. Ein Luxus, den ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausreichend zu schätzen wusste.

 

Das Gletscher Camp und die Frage nach dem Sinn des Lebens

 

Rise and shine, ich bin ready für ein Abenteuer und voller Elan. Nachdem wir per „Human Chain“ alles Gepäck auf das Zodiak verladen haben, brechen wir auf Richtung Igaliku. Ein Dorf, das 89 Einwohner hat, von denen nur rund 10 das ganze Jahr über hier wohnen. Vom Hafen aus ist es ca 5km Fußweg bis zum Dorf und man steigt zunächst einen Hügel hoch, von dem aus man Igaliku pittoresk in der Sonne liegen sieht. Es ist total süß und man kann schon hier Strukturen in der Dorf-Organisation sehen. Wie z.B. gelbe Häuser = Krankenhaus, rote Häuser = Community Haus (wo man jederzeit reingehen kann und sich auch waschen kann), und natürlich ein blauer Supermarkt, der aber nur von 10-12h und von 13-15h täglich geöffnet hat.

 

Nach zwei Rundgängen gibt es um 12h Picknick Lunch. Was Knäckebrot, Manchego Käse, Chorizo, Oliven, ein paar Majo-Salate, Tassensuppen, Kaffee und Tee sind. Deutlich mehr als ich erwartet hatte! Tja, und dann war es 13h. Und das Boot sollte erst um 17h kommen. Und nun? Kurz bricht innere Unruhe bei mir aus. Es ist hübsch hier, keine Frage. Aber was soll ich jetzt 4 Stunden hier machen? Bin ich die einzige, die gerade Bewegungsbedarf hat? Habe ich mich auf eine Alte-Leute Tour eingebucht? Es stand doch Wanderurlaub im Titel. Soll ich die Rolle der Querulantin in der Gruppe übernehmen und Aufstand machen, dass wir hier mehr machen oder alternativ früher abgeholt werden? Jetzt zieht auch noch das Wetter zu und sieht nach Regen aus… Durchatmen. Ich entschließe mich dazu an meiner Geduld zu arbeiten.

 

Zum Glück haben einige andere in der Gruppe den gleichen Bewegungsdrang. Also regen wir an zum ausgeschilderten Wasserfall zu laufen. Zum Glück ist der Aufstieg zum Wasserfall dann tatsächlich fordernd und die Wege sind scheinbar Erstbegehung. Zum Schluss klettern wir noch über irgendwelche Drahtzäune und kehren nach insgesamt 15km Weg wieder an den Hafen für unseren Zodiak Pick-up zurück. Fürs nächste bin ich ausgeglichen. Next Stop: Gletschercamp.

 

Nach einer langen, kalten, leicht verregneten Fahrt kommen wir im Gletscher Camp an, welches unser Tour Guide als „complete luxury“ beschrieben hat. „You will sleep in Domos facing the Glacier. Everything is already set up. There will be mattresses“. Vor meinem inneren Auge sehe ich mich sofort in einem Setting wieder, wie es auf Reisekatalogen abgedruckt werden würde. Am besten noch mit stimmungsvollem Sonnenuntergang und dem Titel „lost places, hidden gems“ oder so ähnlich. Tja, was soll ich sagen. Luxus ist eine Frage des Referenzwertes…

 

Im Camp angekommen ist der Himmel sehr bedeckt und es windet. Vom Bootsanleger müssen wir erstmal in vier Jacken und drei Hosen gehüllt, wie ein Michelin Männchen das Gepäck schweißtreibend die Düne hochschleppen. Oben werden uns die Domos gezeigt, die jeweils zwei Metall-Stockbetten und einen Plastikhocker enthalten. Es gibt auch einen festen Fußboden und in der Tat Matratzen. Mehr aber auch nicht. Kein Strom, keine Aufhängung für ein Camping Licht, kein Fenster. Außentemperatur = Innentemperatur. Die Tür wird mit einer interessanten selbstgebastelten Konstruktion verschlossen. Aber gut, Hauptsache es hält. Es gibt noch den Hinweis „Dont put anything near the entrance. Rain will come in.“

 

Drei Nächte werden wir hier verbringen. Das Klo ist der grüne Hügel nebenan. Aber nur fürs kleine Geschäft. Fürs große Geschäft gibt es zwei Dixi Klos, die mit diversen Seilen fest an den Boden verzurrt sind, damit sie auch Unwetter stand halten. Trinkwasser kann man aus dem Fluss holen. Wer sich waschen möchte, kann das bei ca. 4 Grad im Nachbar-Fjord tun. Es gibt auch ein Gruppen-Domo, wo mit Gas gekocht wird und gemeinsam gegessen wird.

 

Dann beim Abendessen die schlechte Neuigkeiten: „The next days there will be rain. A lot of rain.“ Eigentlich sollten wir morgen eine Gletscher Wanderung machen, doch die wird erstmal auf übermorgen verschoben. „Maybe the weather changes. Imaka“. Imaka ist quasi das Grönländische pendant für „Nshallah“ bzw „So Gott will“. Ok denke ich mir, nicht den Kopf hängen lassen. Wir haben bestimmt tolle Karten- oder Brettspiele hier. Oder wir nutzen die Zeit um uns alle richtig gut kennenzulernen, quasi wie eine Team-Building Aktivität als Gruppe. Hoffnungsvoll gehe ich wie die anderen um 22h ins Bett und lasse die Dinge auf mich zukommen.

 

Um schlag 5:00h morgens beginnt wie prognostiziert der Regen. Die Nacht war kalt, knapp über 0 Grad. Der Schlafsack hat zum Glück sein Versprechen gehalten und ich bin warm geblieben. Um 8:00h gibt es Frühstück und den Rest des Tages Regen. Zu meiner Verwunderung ziehen sich alle in ihre Domos zurück statt sich im Gruppen-Domo aufzuhalten. Die Domos sind so klein, dass nicht mal alle Bewohner darin stehen können. Warum sollte ich mich darin aufhalten wollen? Und was soll ich darin tun? Ich habe gerade 10 Stunden geschlafen, was fast doppelt so viel ist, wie mein Pensum zu Büro-Zeiten. Ich bin wach, ausgeschlafen und möchte etwas unternehmen. Zumindest eine aus der Gruppe hat ein Kartenspiel dabei und erbarmt sich einige Runden mit mir zu spielen. Gefühlt haben wir das eine Ewigkeit gemacht, doch beim Blick auf die Uhr ist es gerade mal 11h. Brettspiele oder Bücher gibt es hier keine. Nach dem Mittagessen gibt es einen Spaziergang. Natürlich auch im Regen, aber zumindest die Bewegung tut gut. Zurück im Camp ist es immer noch nicht viel später als 18h. Die Zeit zieht sich wie Kaugummi und ohne Internet, Aktivitäten oder Gesellschaft ist dieser Ort wirklich beeindruckend deprimierend bei diesem Wetter. Ich bin nass, mir ist kalt und ich habe nichts zu tun. Auch vom Gletscher ist nicht viel zu sehen.

 

Auch unser Tour Guide ist nicht gerade aufbauend:

  • „This place is terrible when it rains. Rain is THE WORST that can happen to us here.“ - Na toll, leg den Finger noch mal in die Wunde.

  • „This place here is luxury. All camps from here on will be more simple than this.“ - das lässt mich nicht besser fühlen!

  • „The glacier has decreased so much over the last years. 9 years ago it was so impressive. Now look where it is. There is almost nothing left!“ WAS ZUM TEUFEL! Warum bin ich hier?? An dem Storytelling müssen wir eindeutig noch arbeiten Gabriel!

 

Meine Stimmung neigt sich dem Tiefpunkt. Da sitze ich nun also, bei knapp über 0 Grad im Regen mit meinem nicht wasserfesten Expeditionsparka, der inzwischen durchgeweicht ist, auf einer Holzbank, die schon viel im Leben durchgemacht hat und sich nur mühselig aufrecht hält, mit meiner viel zu kleinen Camping Tasse aus dem Souvenir Shop in Chamonix Mont-Blanc, mit Blick auf den abgeschmolzenen Gletscher und frage mich nach dem Sinn des Lebens. Und nach dem Sinn MEINES Lebens.

 

Beide Fragen habe ich für mich inzwischen geklärt. Das besprechen wir dann aber mal lieber bei einem guten Glas Rotwein am Kamin in einem Face to Face Gespräch ;)

 

Im Zauber der Polarlichter

 

Die Nacht ist eiskalt. Wir haben eindeutig Minusgrade. Plötzlich schreckt eine meiner Room Mates auf. „Aurora Lights!“. Irgendjemand aus den umliegenden Domos hat sie entdeckt und im Camp Alarm geschlagen. Es ist ca 1:00h, mein Schlafsack ist verlockend warm im Verhältnis zur Kälte draußen, doch das kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Schnell ziehe ich mich an, hole meine Kamera Ausrüstung raus und schaue mir das Naturkino an.

 

Mit bloßem Auge sind die Aurora Lights tatsächlich bei weitem nicht so prägnant wie auf den Fotos. Das hatte ich schon häufig gehört, doch kann es nun auch mit eigener Erfahrung bestätigen. Aber wie kann es sein, dass das iPhone die schönsten Farben zaubert, während das Auge vorwiegend graue Schleier am Himmel sieht. Das liegt daran, dass das Auge nicht so schnell sehen kann wie die Linse der Kamera. Kein Wunder! Polarlichter sind Leuchterscheinungen, die durch den Zusammenstoß von geladenen Teilchen der Sonne mit Atomen und Molekülen in der Erdatmosphäre entstehen, wenn diese vom Magnetfeld der Erde angezogen und zu den Polen geleitet werden. Kurz gesagt funktionieren Polarlichter wie Neon-Leuchtröhren.

 

Die Aufregung ist in dem Moment viel zu groß als dass ich meine Kamera richtig eingestellt kriege. Macht aber auch nichts. Das Handy leistet hervorragende Dienste. Am Himmel schillern die buntesten Farben. Pink, Grün, Lila, das alles hinter dem malerischen Vordergrund der herrlichen Domos. Man kann richtig zusehen, wie der Lichtsturm sich verändert und mal stärker und mal schwächer wird. Wie eine richtig langsame Sternschnuppe ziehen sich die Streifen am Himmel. Schön ist auch ein Wirbel direkt senkrecht über mir, der an das Sternengestöber in der Starwars Attraktion im Movie Park erinnert. Die, wo man in einem Raumschiff sitzt und plötzlich ganz schnell ins All gesogen wird. Genau so sah es aus :) Nur der Sog und das Raumschiff haben gefehlt. Nach einer Stunde in der Kälte verkrieche ich mich zurück in mein Bett und schlafe glücklich ein.

 

Mitten im Gletscher

 

Es ist soweit, wir fahren zum Gletscher rüber. Alle Daumen sind gedrückt, dass das Wetter hält und wir im Trockenen die Besteigung machen können. Vor Ort werden wir mit Steigeisen, Helmen und Gurtzeug ausgestattet. Im Gletscher sind überall Spalten und über das Gurtzeug können wir im Zweifel wieder hochgezogen werden, falls wir reinfallen sollten. Unser Gletscher Guide Andrea führt uns in verschiedene Bereiche. Das Eis knistert beim Steigen. In einigen Bereichen ist es merkbar „krosser“ und schwieriger zu betreten als in anderen Bereichen, wo es etwas weicher ist. Die Gletscherspalten sind bemerkenswert und bilden teilweise ganze Höhlen mit kleinen Flüssen darin, unterhalb der Fläche auf der wir entlang gehen. Es gibt auch Löcher, die sich wie kleine Höhlen in den Gletscher reinschmiegen. Irgendeine Form der Erosion durch Sonne und Wind, die ich von der Form her nicht ganz nachvollziehbar finde, aber sie sehen ein bisschen aus wie Hasengruben. Je nach dem wie dicht das Eis ist, ergibt sich die Farbe des Gletschers. Je dichter und dicker das Eis ist, desto blauer ist es. Je mehr es Sauerstoff ausgesetzt ist und weniger dicht ist, desto mehr Luftblasen sind enthalten und desto weißer ist das Eis. In Teilen sind auch schwarze Sedimente zu sehen. Neben dem allgemeinen Abschmelzen des Gletschers, sind die dunklen Sedimente umso kontraproduktiver, da sie die Wärme der Sonne aufladen, sich also mehr erwärmen und somit das Schmelzen beschleunigen.

 

Nach der Wanderung steigen wir aufs Zodiak und fahren zum nächsten Gletscher. Einem der direkt ins Wasser ragt und nicht zu Fuß zugänglich ist, da er zu steil und zu gefährlich ist. Er ist stahlblau und einfach atemberaubend anzusehen. Es sind tausende von Möwen hier und es herrscht wildes Getöse. Plötzlich hören wir dunkles Grollen. Ein unheimliches und bedrohliches Geräusch. Mit einem Schlag stürzen Teile des Gletschers in die Tiefe und prallen mit eindrucksvollem Knall ins Wasser. So sieht es also aus wenn Gletscher „kalben“ - wie es im Fachjargon heißt. Die Möwen werden aufgescheucht und fliegen wild umher, nur um kurz danach wieder zur gleichen Stelle zu fliegen. Wo das Eis ins Wasser stürzt, kommen die Fische hoch. Wenn die Fische kommen, kommen auch die Möwen. Wo Möwen sind, sind auch Seelöwen und wo Seelöwen sind, kommen auch die Wale hin. So in etwa funktioniert das Gleichgewicht der Arktis. Normalerweise bilden sich die Gletscher durch die Wetterbedingungen immer wieder nach. Zumindest war es früher so. Doch durch die konstante globale Erwärmung bilden sie sich eben kaum noch nach und brechen Stück für Stück weg. Was bedeutet, dass das Gleichgewicht der Meereswelt früher oder später gänzlich kippen wird. Keine Fische, keine Möwen, keine Seelöwen, keine Wale.

 

Es ist ein sehr eindrucksvolles Erlebnis, was mich nachdenklich und traurig stimmt. Ich fürchte in 10 Jahren braucht man wegen der Gletscher nicht mehr hier herfahren. Da wird nicht mehr viel von ihnen übrig sein…

 

Am Abend gibt es gute Neuigkeiten. Noch am Vortag war die Prognose 25 Knoten Wind, was eine Weiterfahrt nach Qaqortoq unmöglich gemacht hätte und bedeutet hätte, dass wir eine weitere Nacht in der Kälte ohne Dusche hätten verbringen müssen. Doch der Wind hat sich gedreht und wir können am nächsten Morgen zur größten Stadt Südgrönlands aufbrechen.

 

Buntes Qaqortoq bei Sonnenschein

 

Die Nacht war so kalt, dass ich mich so tief in meinen Schlafsack eingemubbelt habe, dass ich irgendwann geträumt habe zu ersticken und sogar davon wachgeworden bin. Tatsächlich hab ich nach Luft geschnappt :D eindeutig zu viel Kohlendioxid abbekommen.

 

Die Bootsfahrt ist deutlich besser als erwartet. Auf dem offenen Meer ist es wild, aber machbar. Die Szenerie ist toll und somit ist es einfach eine wunderschöne Fahrt. An einer Stelle ist es so flach, dass der Tour Guide sich rauslehnen muss, um sicherzugehen, dass wir auf keinem Stein aufsetzen.

 

Qaqortoq ist mit 3.400 Einwohnern die größte Stadt Südgrönlands. Es ist hier so sicher, dass wir unser Gepäck einfach am Hafen stehen lassen und auf zwei Mal in unsere Unterkunft hochtragen können. Gefühlt kennt jeder jeden. Zum ersten mal sehen wir richtige Grönländer. Die Frauen sind üppig, die älteren Männer eher hager. Ihre Gesichter sind groß und rund. Eine kleine Gruppe an Kindergarten Kindern läuft an uns vorbei und sie sehen nur allzu putzig aus mit ihren propperen Wangen und den gelben Sicherheitswesten, Hand in Hand den Hafen entlang tappernd.

 

In unserem Haus angekommen, beziehen wir unsere Zimmer und ich kann endlich meine lang ersehnte heiße Dusche genießen. Was für eine Wohltat! Endlich wieder sauber. Danach machen wir einen Stadtspaziergang. Es dauert nicht lange bis man einmal durch Qaqortoq durchgelaufen ist. Den Nachmittag stöbere ich noch etwas für mich alleine durch die Gegend und genieße die Zeit für mich und denke nach. Im Supermarkt finde ich Bier einer lokalen Brauerei, welches im am Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein auf dem Balkon trinke, während ich entspannt Postkarten schreibe und auf den abfallenden Hang der Stadt mit seinen zahllosen bunten Häuschen hinunterschaue.

 

Abends gehen wir in ein Thailändisches Restaurant, was gut versteckt in einem kargen Hafenhaus versteckt ist. Schon witzig wie man plötzlich in eine kleine Sub-Welt eintaucht, in der er hervorragendes Fisch und Rentier Curry gibt.

 

Wie wir Qaqortoq im Sturm erobern

 

Eigentlich sollten wir heute abreisen doch wir haben 70-80kmh Wind und eine Fahrt ist unmöglich. Also bleiben wir noch eine Nacht und nutzen den Tag für zwei Wanderungen. Die erste Wanderung geht auf den höchsten Berg der Stadt hoch. Die Strecke ist unwegsam, die Stiege am Berg teilweise sehr hoch für meine kurzen Beine und der starke Sturm machen es einem ausgesprochen schwer die Füße gezielt aufzusetzen. Die Gruppe läuft für mein Empfinden zu weit auseinander und der Genussfaktor, den ich sonst beim Wandern habe, bleibt bei mir persönlich aus, weil es teilweise wirklich gefährlich ist bei der steilen Hanglage aufzusteigen. Oben am Gipfelkreuz pustet es uns fast vom Berg runter und ich bleib sicherheitshalber vorwiegend in der Hocke. Selbst Gabriel ruft uns irgendwann zurück, damit keiner zu nah an der Hangkante läuft. Drei haben entlang der Strecke die Wanderung schon abgebrochen. Wir gehen noch zu einem weiteren Punkt des Berges. Von hier aus kann man in den anderen Fjord hinuntersehen. Es ist ein traumhafter Blick und ich könnte Stunden hier sitzen und das Schillern des Lichts auf dem Wasser beobachten. Doch irgendwann heißt es Abmarsch und wir gehen zurück hinunter. Beim Abstieg wird ein weiterer aus der Gruppe vom Wind verblasen, stürzt und vertritt sich den Knöchel. Eine andere Mitreisende hat sich den Knöchel schon im Gletscher Camp vertreten und da er immer dicker und blauer wurde, musste sie ins Krankenhaus, da es hier keine Apotheken gibt und nirgendwo Bandagen aufzutreiben waren.

 

Die anstrengende Wanderung machen es nur allzu verlockend, die zweite Wanderung am Nachmittag auszusetzen. Aber letztlich will ich sie mir doch nicht entgehen lassen und ich breche noch mal mit sechs anderen und dem Tour Guide auf. Wir wandern zunächst am See von Qaqortoq entlang bevor wir links in die Berge abbiegen. Diesmal ist es eine breite Fläche und wir laufen auf dicker, weicher Tundra, was das Wandern beim Starkwind deutlich angenehmer macht. Wir laufen einen neuen Weg, den auch der Tour Guide noch nicht kannte und kommen an einem weiteren Fjord hinaus, der wunderschön ist. Hier sitzen wir als Gruppe am äußersten Berges-Rand, blicken auf das Wasser und die Eisbrocken hinunter und genießen den Ausblick. Was für ein schöner Tag und was für ein schönes Land. 

 

Für die Nacht sind 100% Nordlichter angesagt. Also machen wir uns um Mitternacht, gehüllt in 1000 Schichten von Jacken und Hosen auf den Weg zum See, wo möglichst wenig Lichtverschmutzung ist. Doch Fehlalarm, im Himmel passiert nichts und nach zwei Stunden packen wir alles wieder zusammen und laufen zurück ins Haus.

 

Auf zur magischen Bucht von Kusuaq

 

Am nächsten morgen haben wir noch genug Zeit den Fischmarkt zu besuchen und noch mal durch die Stadt zu spazieren, bevor unser Boot um 13h nach Kusuaq ablegt. Es ist eine der längsten Fahrten und wir sind knapp 3 Stunden auf dem Zodiak unterwegs. Folglich spät kommen wir im wunderschönen Kusuaq an. Es ist eine verlassene Bucht, mit Blick auf einen wunderschönen Berg und ein kleines rotes Haus. Was für eine malerische Aussicht. Für eine lange Wanderung ist es zu spät, doch zumindest eine kleine Wanderung zum benachbarten See schaffen wir. Gabriel dreht irgendwann um, um das Abendessen vorzubereiten. Wir bleiben noch eine Weile in der Bucht. Irgendwann drehen auch die anderen um. Ich bleibe noch und genieße die Stille und den Blick auf das Berg Panorama. Nirgendwo kann man so viel Weite und Stille genießen wie hier in Grönland.

 

Wir übernachten heute in drei Kabinen, die von außen sehr hübsch aussehen, aber von innen ziemlich versifft sind. Der Eigentümer scheint seine Einkünfte ohne viel Aufwand verdienen zu wollen. Auch die vorhandene Wasserleitung ist leider nicht in Takt. Das Wasser ist trüb und enthält komische Partikel. Also volunteered einer der Mitreisenden noch mal mit den Kanistern 30min zum Fluss loszuziehen und frisches Wasser zu holen, was wir noch mal abkochen und mit Desinfektionstabletten reinigen, bevor wir es trinken. Ein Gemeinschaftshaus gibt es heute nicht, daher holen wir unser Essen im mittleren Haus bei Gabriel ab, der selber im Zelt schläft.

 

Nachts gibt es noch mal Nordlichter, die wundervoll mit dem Bergpanorama aussehen. Diesmal sind sie grün und sehen fast aus wie der Rauch aus einem Schornstein. Der Vollmond steigt hinter dem Berg hinter uns auf und scheint hell wie eine Taschenlampe. Komischerweise versinkt der Mond kurz darauf aber auch wieder hinter dem Berg, was ich mir bis heute nicht ganz erklären kann.

 

Frühstück gibt es am nächsten morgen auf dem Felsbrocken. Natürlich verschütte ich aus Trotteligkeit erstmal alle Haferflocken und vergess mein Besteck im Haus. Ich bin einfach kein Morgenmensch.

 

Tasermiut Camp - das Mekka der Kletterer und unser größtes Abenteuer auf der Reise

 

Das Boot holt uns ab und fährt uns zu einem weiteren Gletscher. Hier können wir aussteigen und das ganze Panorama von der Nähe begutachten. Es liegen noch Dunstwolken in der Luft, was dem Ort eine wundervolle Magie bei der morgendlichen Sonne verleiht. Eigentlich ist der Blick aus der Entfernung noch viel schöner, weil man erst so das volle Ausmaß des Gletschers sehen kann. Unser Fahrer JJ dreht das Boot extra noch mal seitlich damit wir den Blick genießen und Fotos machen können.

 

Endstation ist heute das Tasermiut Camp wo wir in kleinen Zweierzelten für zwei Nächte schlafen. Wir machen am Nachmittag noch eine Wanderung zum Ulanertosuaq, einem der eindrucksvollen Granit-Felsen, die wie in Patagonien steil in die Höhe ragen. Der Aufstieg ist fordernd, aber das Wetter ist gut und ich kann tatsächlich einfach im Longsleeve wandern. Eine Seltenheit bei dem wechselhaften Wetter hier. Glücklich zurück im Camp haben wir einen schönen Abend.

 

Neben uns zeltet eine Gruppe von Neuseeländern, die sich hier 30 Tage einquartiert haben, für Hike und Fly. Sie hatten mit 10 Klettertagen und 20 Regentagen gerechnet. Stattdessen hatten sie 8 Regentage und 22 Klettertage. Das Grinsen ist ihnen breit ins Gesicht geschrieben. Ich schaue mir ihre Ausrüstung an und bin beeindruckt was für Gewicht sie auf ihre Touren mitschleppen, um auch alle Haken, Seile und was man noch so braucht um die steilen Berge zu erklimmen, bei sich zu haben.

 

Das Tasermiut Camp ist übrigens eines der 10 Wunder der Arktis. Es ist ein Nationalpart und daher gilt „We leave nothing behind but footsteps“. Das hat auch Implikationen für unsere Hinterlassenschaften :D Da es kein Klo gibt und ein Loch buddeln auf Grund der Temperaturen und Bodenbeschaffenheit keine Option ist, müssen wir Plastiktüten zum Einsatz bringen. Klingt gewöhnungsbedürftig :) ist es auch. Aber hey, es ist eine Expeditionsreise, also „embrace the bizarre“ :D Die Plastiktüten werden dann in eine blaue Poop Barrel entsorgt, wieder aufs Zodiak geladen und im nächsten Ort im Müll entsorgt.

 

Am nächsten Tag steht uns eine lange Wanderung bevor. Wir wandern ins Reich Modor. So scheint es zumindest. Leider haben wir wiedermal kein Glück mit dem Wetter und es setzt nach kurzer Zeit der Dauerregen ein. Wir müssen gleich zu Beginn einen Fluss überqueren, dessen Brücke eingestürzt ist. Wir ziehen also unsere Hosen aus, hängen uns die Schuhe um den Hals und steigen Barfuß durchs eiskalte Wasser. Dann heißt es erstmal wieder alle Lagen anziehen bevor wir weiterwandern. Der Weg sieht zunächst gar nicht so lang aus, doch mal wieder verzerrt es jede Perspektive und wir wandern stundenlang durch Grönländischen Wald, was im Grund verastete Büsche sind, die in etwa bis zu meiner Kinnhöhe ragen. Auch Blockgelände und Tundra ist dabei und da hier einfach so wenig Menschen sind, ist der Weg nicht immer glatt getrampelt und so läuft man mehr Off-Road als On-Road. Irgendwann kommen wir durchnässt in Modor an. Der Blick ist unglaublich. Der Himmel sieht bedrohlich aus. Alles ist in dunkles Licht gehüllt, was aber unglaublich viel Stimmung erzeugt. Leider sind einige in der Gruppe schon so durchgefroren, dass sie direkt wieder aufbrechen wollen. Ich ärgere mich etwas, da ich den hart erwanderten Weg doch mit heißem Tee und Sandwich kurz zelebrieren möchte. Nass sind wir eh schon, da kommt es auf die 10 Minuten doch auch nicht mehr an. Gabriel versucht die Gruppe beisammen zu halten doch irgendwie verselbstständigt sich alles und eine dreier und eine zweier Gruppe bricht im Alleingang auf. Ich schließe mich mit zwei weiteren zusammen und ärgere mich einige Kilometer lang, dass ich nicht auf eine kurze Pause bestanden habe. Hinter uns läuft noch Gabriel und die zwei Australier, die auf Grund des blauen Knöchels etwas langsamer sind.

 

Der Weg ist unwegsam und ich muss zugegeben, je länger wir laufen, desto entspannter werde ich über die Tatsache der verpassten Pause da der Rückweg schon recht beschwerlich ist bei den Wetterverhältnissen. Irgendwann schließen Gabriel und die zwei Australier auf, was sich als außerordentlich gut erweist, da wir irgendwann gemeinsam wieder an der Flussüberquerung stehen, die inzwischen stark reißend geworden ist aufgrund des Dauerregens. Wo wir am Vormittag gekreuzt haben, können wir nun nicht mehr rüber, da die Strömung einfach zu stark ist. Also gehen wir weiter Flussabwärts, Richtung „Strand“, wo der Fluss in den Fjord übergeht. Doch auch hier prasselt die Strömung wie wild und es ist eine recht furchteinflößende Situation, da hier das Wasser die dicken Felsbrocken hinabstürzt und schon allein von der Geräuschkulisse her gefährlicher wirkt als oben, wo wir vorher gekreuzt sind. Doch wie die Wasser-erfahrenen Australier so schön sagen, der Strom kann hier nur sanfter sein als weiter oben, da er sich in 6 Ströme teilt, während er hingegen weiter oben noch ein einziger Strom ist. Es hilft nichts, wir müssen kreuzen wenn wir zurück ins Camp wollen. Zu diesem Zeitpunkt sind wir bereits so durchnässt, dass wir uns gar nicht mehr ausziehen brauchen. Die Schuhe sind schon lang durchweicht, die Regenhosen und Regenjacken haben kapituliert und so marschieren wir in voller Montur Arm in Arm eingehakt in einer Menschen-Kette in Etappen von Steininsel zu Steininsel durch den Fluss. Wenn einer weggerissen wird, können ihn die anderen so halten. Selbst Gabriel ist merkbar beunruhigt und mir geht ganz schön die Muffe. Ich halte es für unmöglich hier heil durchzukommen doch am Ende schaffen wir es unversehrt auf die andere Seite des Ufers.

 

Durchnässt kommen wir im Gemeinschafts-Domo an. Hier sind bereits das dreier und das zweier Team angekommen und sitzt vor dem winzigen Ofen und versucht die nassen Klamotten aufzuhängen und die Schuhe zu trocknen. Franz, der auf halbem Hinweg die Wanderung abgebrochen hat kommt ins Zelt und berichtet, dass er bei seiner Alleingang-Überquerung vom Fluss mitgerissen wurde und 10 Meter Flussabwärts gespült wurde, samt Backpack und Kamera Ausrüstung. Schon gestern ist Sindy auf einem Felsen abgerutscht und ins Wasser gefallen. Auch sie wurde einige Meter hinuntergespült und hat ihr Trauma noch nicht verarbeitet. Ihr Übergang im dreier Team war wohl tränenreich. Da sitzen wir nun zu zwölft und quetschen uns im Domo. Überall hängen patsch-nasse Klamotten und wir sind in einer Stimmung, die einerseits glücklich und aufgeregt ist aber gleichzeitig auch etwas geschockt, ob der abenteuerlichen Überquerung. Bei dem ganzen Wasserdunst, hat der Gasofen wenig Chance und irgendwann tropft es von der Decke das kondensierte Wasser wieder hinunter auf die Klamotten. So richtig trocknen tut hier nichts. Aber es ist lustig und ich mag das Beisammensein. Zwischendurch gibt es eine kleine Regenpause und der Wind tritt ein. Eine gute Gelegenheit, um sich mit einigen Klamotten rauszustellen und zu versuchen sie im kalten Wind zu trocknen. Oben in den Bergen ist der Regen in Form von Schnee runtergekommen und die Berge sehen wunderschön wie mit Puderzucker bestäubt aus. Kalt und nass aber glücklich machen wir gemeinsam Linseneintopf, der uns zumindest von innen wärmt und alle gehen zeitig müde ins Bett. Was für ein aufregender Tag. Grönland ist schon ein großes Abenteuer.

 

Familien Feeling in Nanortaliq

 

Am nächsten Tag haben wir noch reichlich Zeit unsere Sachen zu packen und um 12h holt uns unser Zodiak ab, um uns nach Nanortaliq zu bringen. Auf dem Weg halten wir an einem futuristisches Eisberg, der seine Form der Erosion durch Wind, Wasser und Sonne zu verdanken hat. Außerdem machen wir einen Stop in einem kleinen Dorf namens Tasiusaq, das nur 20 Häuschen hat. Die Geschichte des Dorfes ist traurig. In den 50er Jahren gab es hier einen so kalten Winter, dass der Fjord zugefroren ist und die Leute von jeglicher Lebensmittelzufuhr abgeschnitten waren. Bis zum Frühjahr waren alle verhungert und es war zu einem Geisterdorf geworden. Inzwischen wohnen hier wieder einige Familien und man hat alles was man braucht. Einen Supermarkt, eine Krankenstation, eine Kirche, ein Friedhof und eine kleine Schule. Auch einen winzigen Garten gibt es. Viel Geld haben die Leute hier nicht. Bei einem Stop in einem anderen Dorf hat sich ein Grönländer an uns gewandt und sich über Dänemark beschwert. Sie geben ihnen genug Sozialhilfe, um Essen im Supermarkt zu kaufen, aber für mehr reicht es nicht und sie können ihre Häuser nicht renovieren. So verfällt das Dorf Stück für Stück in der harten Witterung. Gleichzeitig muss ich gestehen, habe ich den Eindruck, dass die Einwohner auch wenig Drive haben selber etwas zu gestalten und zu erschaffen. Doch da habe ich vermutlich leicht reden. In der Kälte kann man nur schwer etwas anbauen und wie deprimierend das Dasein hier sein kann, habe ich ja nun am eigenen Leib erleben können.

 

Wir erreichen am Nachmittag Nanortaliq, die zweit oder drittgrößte Stadt Süd-Grönlands, mit knapp 1.250 Einwohnern. Auch hier wohnen wir wieder in einem Häuschen, das strahlend Gelb den Fjord verschönert. Die Stadt ist viel kleiner und einfacher als Qaqortoq. Der Stadtspaziergang ist schnell gemacht und ich laufe mit Laurent noch ein Stück weiter, bis wir auch das letzte Haus des Dorfes noch begutachtet haben. Abends ist free Dinner und da es hier kein Restaurant gibt, kochen die Australier ihr Lieblings Curry für uns. Es ist so schön wohnlich und wiedermal haben wir die Gelegenheit warm duschen zu gehen und uns an der Heizung aufzuwärmen und die Klamotten von Tasermiut zu trocknen.

 

Es ist Gabriels Geburtstag! Er wollte es eigentlich nicht sagen, doch wir haben es rausgefunden und Anneshka hat einen köstlichen Schokoladenkuchen gezaubert. Eine Kunst bei der Küchenausstattung hier. Am nächsten morgen macht sie auch noch Pancakes für uns, die so fluffig wie Wolken sind. Gabriel sorgt dafür, dass wir stets ein volles großes Glas Nutella haben, was den Pancakes die Krone aufsetzt. Doch auch der Maple Syrup macht sich verdammt gut auf diesem Luxus-Frühstück.

 

Die Gruppe ist so richtig schön zusammengewachsen und in Kombination mit dem Haus in dem wir wohnen, fühlt es sich richtig familiär an.

 

Hot Springs in Uunartoq und Pionierarbeit in Punkto Unterkünfte

 

Heute Früh steht die Besichtigung des Dorf Museums an. Es erstreckt sich auf mehrere alte Häuser und gibt Einblicke in die Waljagt. Wir sehen wie damals Kajaks gebaut wurden. Die Männer hatten Einzel-Kajaks. Die Frauen sind in größeren Booten zu mehreren gesegelt. Da es hier quasi kein Holz in der Vegetation gibt, wurden die Kajaks primär aus Robbenfell gebaut, bzw die Grundkonstruktion wurde damit bezogen. Schon eindrucksvoll. Doch die Waljagt war schon ein aufwändiges Unterfangen, was ganz schön Dreck gemacht hat. Aber damals war der Tran sehr beliebt in Europa und ein lukratives Geschäft für die Inuit. Wir besuchen auch ein nachgebautes Iglo, welches hier aus Steinen und Erde gemacht wurde und durch seine dicke Grasbewachsung Hobbithäusern ähnelt. Die Decken waren tief, damit es möglichst schnell warm wird. Die Fenster waren stets zum Fjord ausgerichtet. Schließlich waren die Inuit Jäger und mussten stets im Blick haben, ob draußen etwas zu jagen ist, um überleben zu können. Die Wände wurden mit Zeitungsartikeln als Dekoration beklebt. Noch bis 1978 gab es diese Iglus. Nur ein Wimpernschlag in der Zeitgeschichte entfernt.

 

Um 13:30h brechen wir wieder auf. Diesmal ist unser Ziel die Hotsprings in Uunartoq. Eigentlich sollten wir hier auch in Zelten übernachten, doch das dazugehörige Gemeinschaftshaus ist vor drei Tagen in die Luft geflogen, daher müssen wir Unterkunfts-technisch ausweichen. Da es hier kein Holz gibt, heizen die Häuser (so sie denn einen Ofen haben) mit Sperrholz von alten Paletten oder ollen Möbeln. Gekocht wird mit Gas. Leider scheint der Ofen außer Kontrolle geraten zu sein, das Haus hat Feuer gefangen und schließlich ist es in Kombination mit den Gasflaschen gänzlich in die Luft gesprengt worden. Übrig ist nur noch Asche.

 

Wir pilgern vom Steg aus zu den Hotsprings. Ich muss schmunzeln als wir am Ziel ankommen, denn es handelt sich mehr um einen kleinen Teich. Voller Stolz erklärt uns Gabriel, dass das die einzigen Hotsprings in ganz Südgrönland sind. In der kleinen Umkleide, die nebenan errichtet wurde, ziehen wir uns um und setzen uns eine Stunde mit Wollmütze in den Teich. So richtig heiß ist es nicht, aber warm genug, um es genießen zu können und Spaß zu haben. Der Sand ist warm und ich vergrabe meine Hände und Füße darin.

 

Nachdem alle wieder umgezogen sind brechen wir auf in ein neues Dorf, was auch der Tour Guide noch nicht kennt. Es ist unaussprechlich: Eqalugaarsuit. Wir brauchten ja nun mal einen Ort zum schlafen. Also hat die Reiseorganisation einen Hausbesitzer gefunden, der scheinbar knall auf Fall seine Familie aus dem Haus geschmissen hat, damit wir einziehen konnten. Es ist irgendwie witzig. Ich stehe mitten im Wohnzimmer einer local Familie. Familienfotos, Schmuck und persönliche Dinge stehen überall. Am Jackenregal muss man aufpassen die eigene zu nehmen und sie nicht mit der der Familie zu verwechseln. Der Eigentümer ist sichtlich stolz, dass wir bei ihm wohnen und hilft uns sogar das Gepäck mit dem Quadbike zum Haus zu fahren. Vier aus der Gruppe werden in ein anderes Haus ausquartiert, was deutlich kleiner ist als unseres. Wir haben also Glück. Es ist sehr gemütlich und nach einem kleinen Spaziergang in dem winzigen Dorf lassen wir den Tag gemütlich ausklingen. Eindeutig sind wir die Attraktion hier. Alle schauen uns gespannt an und grüßen uns übermäßig freundlich, während sie uns zahnlos anstrahlen (Zahnärzte oder Mundhygiene scheint es in Grönland nur in geringem Ausmaß zu geben).

 

Ein großartiger Tag in Narsaq

 

Am nächsten Morgen um 10:00h geht es nach Narsaq. Die Stadt ist unheimlich süß mit seinen knapp 900 Einwohnern und bunten Häusern und tatsächlich haben wir mal Glück mit dem Wetter und keinen Regen. Mit Sonne sieht einfach alles schöner aus. Auf dem Weg kommen wir an einigen Eisbergen vorbei. Heute wohnen wir in einem Hostel der Agentur, das sehr wohnlich und warm ist. Nach dem Lunch geht es zur Stadtbesichtigung. Wir gehen in den Hafen hinunter, von wo aus man einen tollen Blick auf die Eisberge hat. Die Locals haben eine Robbe gefangen, die Tot am Ufer liegt. Wie sie ausgenommen wird schauen wir uns lieber nicht an. Am Ende der Stadtbesichtigung gibt es noch die Option den lokalen Berg zu erklimmen. Die meisten haben keine Lust mehr, doch Stephy und ich brechen noch mal zu zweit auf.

 

Der Berg hat es ganz schön in sich. Eindeutig gehen hier nicht viele Leute hinauf. Der Weg verschwindet immer wieder und wir verlaufen uns rund 20 mal entlang der Strecke. Wir steigen quasi senkrecht die Bergwand hoch. Wie gut, dass ich inzwischen reichlich Wandererfahrung habe. Zwischendurch laufen wir auch durch reichlich schöne, gut gepolsterte Tundra, doch hauptsächlich geht es steil hinauf. Es ist sehr adventurous aber ich genieße es und der Ausblick ist einfach wunderbar. Wir wandern bis zum Gipfel hinauf und ich bin monströs stolz. Ein Gefühl von accomplishment :) Von oben kann man in alle Fjorde schauen und in die unendliche Weite. Das Licht ist heute perfekt, die Sonne strahlt wunderschön. In einer der Buchten sind lauter Eisberge im Wasser. Auf dem Heimweg wählen wir einen anderen Weg, der etwas flacher ist. Die eindeutig bessere Wahl für den Abstieg. Auch hier gibt es wieder ein paar Abzweigungen, die wir noch mal zurücklaufen müssen, weil wir eindeutig den falschen Weg genommen haben. Der Weg führt uns schließlich oberhalb eines Gletschers entlang. Total cool. Dann geht es wieder hinunter ins Dorf. Insgesamt sind wir fast 700 Höhenmeter gestiegen. Hin und zurück haben wir insgesamt 3 Stunden gebraucht. Eine stolze Bilanz.

 

Zurück im Hostel wartet eine warme Dusche auf mich und anschließend gehen wir ins einzige Hotel von Narsaq zum Abendessen. Es gibt unschlagbar guten Lachs mit hausgemachter Hollandaise und sogar ein bisschen Gemüse. Herrlich. Anschließend gibt es im Hostel noch Schokoladenpudding von Aneeshka aus den übrigen Zutaten von Geburtstagskuchen und Pfannkuchen.

 

Was für ein herrlicher Tag. Ich gehe glücklich und müde ins Bett.

 

Ein weiterer Highlight-Tag. Doch der Heimweg ist nicht mehr zu leugnen.

 

Es ist eiskalt heute, was die Fahrt nicht gerade angenehm macht. Doch bevor wir nach Narsaq fahren, geht es erstmal nach Narsarsuaq, der Ort wo auch der Flughafen ist und alles begann. Hier machen wir eine Tageswanderung zum Flower Valley. Da es bereits Herbst ist, sind die Blumen schon alle abgeblüht und zunächst heißt es, dass das Valley gänzlich unbegehbar ist, da alles unter Wasser stünde. Also wählen wir den Ridge Wanderweg.

 

Da wir aber eine starke Wandertruppe sind, beschließt Gabriel noch weiter mit uns zu gehen, als zum eigentlichen Endpunkt des Wanderweges, wo wir einen Coffee Stop gemacht haben. Wir versuchen uns von der anderen Seite zum Flower Valley durchzuschlagen, was uns auch gelingt. Zu unserer großen Überraschung ist es Knochen-trocken. Nichts von Überschwemmung zu sehen. Gut für uns, da wir somit in dem herbstlich bunt verfärbten Tal wandern können, bis wir an einen Wasserfall gelangen. „We can try to do something a little crazy“ - ein Satz, den Gabriel schon häufiger auf dieser Tour gesagt hat. Wir haben die Möglichkeit, wenn wir richtig richtig schnell sind, noch den Berg vor uns neben dem Wasserfall hinaufzuklettern, um von oben in den gegenüberliegenden Gletscher zu schauen, den wir schon auf Entfernung von unserem Coffee Point aus sehen konnten. Aber wir müssen es in 30 Minuten hoch schaffen, sonst kommen wir zeitlich in die Bredouille. Das lasse ich mir natürlich nicht zwei mal sagen, schließlich habe ich Ambition. Also Tagesrucksack abgelegt, Jacke um die Hüfte gebunden und auf geht’s. Im Schweinsgalopp steige ich den steilen Berg hoch und komme tatsächlich in Rekordzeit oben als erste an. Nicht schlecht für meine kurzen Krieger-Beine. Die meisten anderen aus der Gruppe sind schließlich so um die 180cm groß :) Der Blick von oben ist gigantisch! Das letzte Stück führt uns an einem See mit ausgesetztem Weg entlang. Nichts für Leute, die nicht schwindelfrei sind. Es ist so unglaublich schön hier oben und die Sonne scheint für uns. Ich genieße den Blick auf den Gletscher, vor dem ein pittoresker See ist, auf dem die Sonne glitzert.

 

Nach dem Abstieg müssen wir uns beeilen, da wir noch zu einem zusätzlichen Gletscher fahren. Auf dem Zodiak halten wir mitten im Eis-Meer, da hält Gabriel eine kleine Rede und dann gibt es Bayleys on Gletscher-Rocks. Was für eine wundervolle Idee. Ich genieße den Moment sehr. Was für ein Segen, dass gerade die letzten Tage hier in Grönland so ein tolles Wetter ist. So nehme ich diesen Blick als Kernerinnerung mit. Die Berge sind mit Schnee gepudert. Auf dem Rückweg drehen wir noch mal ein paar Sonderrunden um 5 große Eisbrocken im Wasser. Alle ganz unterschiedlich. Es ist einfach toll und ich fühle mich sehr glücklich so etwas sehen zu dürfen.

 

Abends übernachten wir wieder im Leiff Erikson Hotel.

 

Der letzte Tag - ein krönender Abschluss im abgelegenen Tasiusaq

 

Eigentlich sollten wir heute noch mal im Leiff Erikson übernachten, doch da das Hostel überbucht ist, wandern wir 7km hinaus nach Tasiusaq. Der Weg ist schön entspannt, gleichzeitig sind die Füße langsam Wandermüde. Unsere Unterkunft ist ein wunderschönes Haus. Kein Strom und keine Duschen aber ansonsten alles was das Abenteuerherz begehrt.

 

Heute steht noch eine optionale Kajak Tour auf dem Programm, die ich mir natürlich um keinen Preis entgehen lassen möchte. Es ist absolut windstill heute, die Sonne scheint und das Wasser ist wie ein Spiegel und ganz unberührt. Somit spiegelt sich die Landschaft im Wasser, was traumschön ist. Wir rudern entspannt den Fjord hinaus, der fast wie ein See ist. Draußen im Fjord sind wieder Eisberge, die wir ansteuern. Aber wir müssen Abstand halten, da sie auch beim Abschmelzen in der Mitte brechen können und dann schnell mal ein Kajak unter sich begraben können. Wir können sogar wieder das bekannte furchteinflößende Grummeln aus dem Gletscher Camp hören und einige sehen wie sich in der Entfernung einer der Eisberge teilt. Mein Highlight der Tour ist wie Andrea, die Kajak Guidin uns sagt wir sollen die Augen schließen und uns eine Minute Zeit nehmen der Stille zuzuhören. Ein magischer Moment.

 

Der Nachmittag steht zur freien Verfügung und ich genieße die Auszeit und nutze sie für einen Spaziergang. Ich setze mich auf einen Stein, schaue den Fjord hinunter und höre der Stille zu. Ich glaube ich habe noch nie einen Ort erlebt wo es so eine absolute Geräuschlosigkeit gibt. Ich höre nichts. Nicht einmal Wind. Es herrscht ultimative Stille. Ein einzigartiges Gefühl. Die Sonne setzt sich langsam. Nachdem ich einige Eisbrocken am Strand abfotografiert habe mache ich mich auf den Rückweg.

 

Heute gibt es traditionelles Abendessen. Wir probieren Walfleisch, Walfett, Seehundfleisch, Moschusochse, Karibu, getrockneten Zander und Heilbutt, sowie Lammwürsten und Kartoffelgratin. Ein Festmahl. Das meiste schmeckt überraschend gut und sowohl Wal als auch Robbe ist wider Erwarten rotes Fleisch, das nach Wild schmeckt.

 

Hier in Grönland grasen die Schafe (die es denn überhaupt gibt) übrigens frei herum. Durch die Fjorde sind sie quasi auf natürliche Art und Weise eingezäunt und da es hier kaum Tiere gibt, schon gar keine Fressfeinde, haben sie keinen Fluchtinstinkt. Somit sind sie quasi zahm und laufen auch nicht in Herden durch die Gegend sondern in Kleingruppen von 2-6 Schafen. Nach dem Sommer werden sie dann vom Bauern Stück für Stück über Tage hinweg eingetrieben und entweder über den Winter in den Stall gebracht oder in die einzige Fleischerei nach Narsaq. Mehr Bio-Fleisch geht nicht.

 

Es war ein perfekter Abschluss der Reise. Abends sitzen wir noch am warmen Ofen und später kommen sogar noch ein paar zarte Polarlichter am Horizont hervor.

 

Ausreise

 

Am nächsten Tag wandern wir zurück nach Qasiusaq und besichtigen die einzige katholische Kirche Süd-Grönlands sowie ein nachgebautes Wikingerhaus, was echt gemütlich wirkt. Im Leiff Erikson Hostel können wir uns noch mal duschen und dann setzt das Boot über nach Narsarsuaq, wo wir um 20h den Flieger zurück nach Island nehmen.

 

Der Flug ist überraschend kurzweilig, da ich einen schottischen Sitznachbarn habe, mit dem ich mich rege zwei Stunden unterhalte. Er ist Jäger und berichtet mir von seinen Inuit Freunden, bei denen er einige Zeit verbracht hat und von seiner Begegnung mit einem Eisbär.

 

Zurück in Reykjavik übernachte ich noch einmal 5 Stunden in meinem bewährten Loft Eco Hostel bevor ich noch einen Tagesausflug durch den Süden Islands mache, und schließlich um Mitternacht in den Flieger nach Düsseldorf steige. Es ist hübsch, aber mit Grönland kann einfach nichts mehr mithalten.

 

Abschlussworte

 

Grönland es war mir eine Ehre! Du bist das Abenteuer was ich gesucht habe und ich schätze mich glücklich deine unterschiedlichen Gesichter kennengelernt haben zu dürfen. Du hast mich an meine Grenzen gebracht aber sie doch letztlich nur erweitert. Ich hätte es nicht anders haben wollen.


 
 
 

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