top of page
  • Instagram

Rückkehr nach Neuseeland - Teil 2

Der große Tag – das Tongariro Crossing

 

Nachdem es gestern noch mal Aufregung gab, weil mein Shuttle-Betreiber meinen Transport abgesagt hat, habe ich dank meiner Hostel-Mom doch noch last minute einen Platz bei einem anderen Shuttle-Unternehmen ergattern können, um heute das große Tongariro Crossing machen zu können. Einer der schönsten Eintrages-Wanderwege der Welt!

 

Heute ist der erste Tag nach dem großen Feuer, an dem der Park wieder geöffnet hat und alle in der Umgebung sind deshalb recht aufgeregt. Zum Glück macht das Wetter mit, was auch nicht selbstverständlich ist. Für die ganzen nächsten Tage ist schlechtes Wetter angesagt und höchstwahrscheinlich wird es nur heute Betrieb im Park geben.

 

Wegen der Eröffnungszeremonie am Morgen, kann ich erst um 9:30 Uhr in den Park. Was bedeutet, dass ich mich sputen muss, die 20 km zurückzulegen. Die Strecke dauert zwischen 6 bis 8 Stunden, je nachdem wie viel Zeit man sich lässt, und ich will nicht riskieren, zu knapp an die Schließzeiten des Parks heranzukommen.

 

Die Fahrt zum Startpunkt ist eine ziemlich "humbling experience". Es nimmt einem etwas die Spucke weg. Wir fahren rund 20 Minuten durch eine völlig verkohlte Landschaft. Ich muss wieder an die Kiwi-Frau denken, die ich vor einigen Tagen getroffen habe: „Think of all the Kiwis and other animals that have died in the fire“. Es sieht wirklich schlimm aus. Einige, die ich auf meiner Reise getroffen habe, haben gesagt, sie wollen den Trekk nicht mehr machen, da es wegen des Feuers bestimmt nicht mehr schön ist. Mal abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass der Trekk nicht mehr schön ist, halte ich es für überaus wichtig, gerade jetzt herzukommen und die Wanderung zu machen. Es ist wichtig, hinzuschauen. Und zu reflektieren, wie es dazu kommen konnte und wie wichtig es ist, so etwas in der Zukunft zu vermeiden und stattdessen alles dafür zu geben, die Natur zu erhalten. Ich bin froh und dankbar, heute hier zu sein und die Wanderung zu machen.

 

Der Wanderweg

 

Die erste Stunde des Trekks geht es relativ flach durch den Nationalpark. Hier befinden wir uns auf ca. 1.100m und man sieht noch viel verbrannte Landschaft. Erster Viewing Point nach ca. einer Stunde Wandern sind die Soda Springs, auf 1.400 m. Sie sind hübsch und vom Gelände her recht gut zu erreichen. Danach folgt ein ziemlich kontinuierlich steiler und langer Abschnitt bergauf. Entweder ich laufe sehr schnell oder aber ich habe in den letzten Wochen seit der Kilimanjaro-Besteigung körperlich abgebaut :D Jedenfalls bin ich ziemlich am Schnaufen, als ich die ganzen Stufen hochsteige. Zu allem Überfluss ist da auch noch diese reizende französische Familie mit ihren drei Kindern, die alle unter 6 Jahren alt sind (würde ich mal schätzen) und die alle fleißig, ohne zu murren, flotten Schrittes den Aufstieg machen. Meine Eltern mussten mich und meine Schwester früher mit allem Möglichen bestechen, um überhaupt mal eine Wanderung zu machen. Und diese französische Familie?? Als ob es ein Sonntagsspaziergang wäre! Oben am ersten Plateau angekommen, hat man einen tollen Blick ins Tal und kann bis hinter zum Startpunkt schauen. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie viel Strecke man zu Fuß zurücklegen kann.

 

Es folgt eine lange Ebene, die etwas nach Mars-Landschaft aussieht. Gelber Sandboden und links in der Entfernung eine Bergkette, die ziemlich unvermittelt auf dem Plateau aufliegt. Rechts von uns müsste der Mount Ngauruhoe sein. Doch die Wolken verschlucken ihn und er bleibt uns vorerst bis auf den Fuß des Berges verborgen. Dann folgt ein steiler Aufstieg, der mit unglaublichem Ausblick belohnt. Der Wind ist knackig mit 70 km/h und macht es sehr kalt, also verstecke ich mich hinter einer Felswand, um dort relativ warm und vor allem windstill meine Lunchpause zu machen. Nudelsalat mit Aussicht ;). Danach geht es noch mal ein steileres und recht unwegsames Stück hoch. Wer hier kein festes Schuhwerk hat, dürfte Probleme haben. Es tröstet mich, dass um mich rum lauter junge Leute sind, die deutlich mehr Probleme haben, den Berg hochzukommen, als ich.

 

Als ich denke, dass ich auf dem höchsten Punkt angekommen bin, bin ich erst auf dem Kraterrand des Vulkans. Die Wolken verstecken ihn zunächst ganz gut, doch dann lichtet es sich etwas und zu meiner Rechten kommt der Red Crater zum Vorschein. Er sieht aus wie eine XXL-Knetmasse. Man sieht förmlich, wie damals die Lava hier dickflüssig herausgeflossen sein muss. Ein großer Teil des Gesteins ist tatsächlich blutrot. An der rechten Flanke ist aber noch mal ein tief schwarzer Überlauf. Es erinnert mich ein bisschen an „Drip Cakes“: Wenn man auf einem Kuchen absichtlich zu viel Glasur aufträgt, damit sie am Rand in dicken Tropfen langsam hinunterläuft. Genaus so verläuft das schwarze Lavagestein auf dem Roten. Es geht von hier aus noch mal ein kleines Stück bergauf. Der Weg wirkt fast gelb im Vergleich zur rot-schwarzen Landschaft. Endlich habe ich den höchsten Punkt der Wanderung erreicht: 1.868 m.

 

Oben angekommen ist eine kleine Ebene. Ab nun geht es nur noch bergab. Vor uns lassen sich schon zwischen den Wolken die Emerald Lakes erahnen. Sie sind DAS Highlight des Trekks. Ich will sie unbedingt ohne die Wolken sehen. Also beschließe ich, eine Wette einzugehen und die Wolken auszusitzen. Oder eher gesagt, geduldig zu warten und zu hoffen, dass sich der Himmel klärt. Ich verbringe hier knapp 45 Minuten. Doch es lohnt sich. Die Wolken ziehen weiter und ganz, ganz langsam zeigt sich mehr von den Seen und von der Bergkulisse dahinter. Bis sich schließlich die Sonne durchkämpft und die drei Seen in der kargen, grauen Gesteinslandschaft smaragdgrün und türkis aufleuchten lässt. Wunderschön! Ich könnte Stunden hier verbringen. Nun ist es mir auch egal, ob ich im angegebenen Timing unterwegs bin. Schließlich geht es nur noch bergab und im Zweifelsfall jogge ich aus dem Park heraus. Aber das hier will ich in vollen Zügen genießen können.

 

Es ist eine tolle Stimmung. Um mich herum sind noch andere Leute, die ebenfalls lange gewartet haben. Wir alle freuen uns und bestaunen die Landschaft. Wir beglückwünschen uns zu unserer Entscheidung, gewartet zu haben, und machen auch noch das tausendste Foto vom gleichen Motiv, nur um GANZ sicher zu sein, dass wir jetzt wirklich das beste Licht und den besten Winkel des Motivs abgelichtet haben. Natürlich können wir dank digitaler Technologie anschließend die ganzen Fotos ausmisten. Aber mal ehrlich, wer tut das schon! Sicher ist sicher, lieber alles archivieren :) Die netten Begegnungen, die ich unterwegs mache, freuen mich und ich treffe die Leute unterwegs auch immer wieder. Jeder macht mal woanders Kaffeepause oder Fotostopp und man überholt sich immer mal wieder gegenseitig. Ich mag die Mischung aus alleine gehen und trotzdem in Gesellschaft sein.

 

Hinter dem Great Lake (ein weiterer See) folgt alpine Landschaft. Hier sieht alles noch mal ganz anders aus. Viele Gräser, die golden in der Nachmittagssonne leuchten und am Horizont erkennt man den See Rotoaira, der vor vielen Jahren durch einen Vulkanausbruch entstanden ist. Je weiter es geht, desto tiefer geht es und desto höher wächst die Vegetation. Aus Gräsern werden Büsche und schließlich Bäume. So muss auch die Vegetation in dem nun abgebrannten Teil des Parks ausgesehen haben. Irgendwann zeigt ein Schild an, dass es noch knapp 1,5 Stunden Weg sind. Mit einem Mal steige ich in einen Tropenwald hinunter (Höhenunterschied vielleicht 10m) mit tropischem, feuchtem Klima. Es ist total außergewöhnlich, wie extrem vielfältig die Vegetation auf diesem Wanderweg ist. Kein Wunder, dass er zu einem der schönsten Eintages-Wanderwege der Welt gekürt wurde. Wo sonst kann man so viele Klimazonen an einem Tag sehen?

 

Nach 20 Kilometern und 7,5 Stunden komme ich um 17:30 Uhr am Exit Gate heraus. Ich bin überglücklich. Die letzten 500 Meter zum Car Park fühlen sich wie eine Ewigkeit an, doch dann kann ich verrichteter Dinge zur Lodge zurückfahren.

 

Zurück in der Lodge warten schon die anderen drei, die einen früheren Startslot inklusive Neu-Eröffnungs-Zeremonie ergattern konnten. Zusätzlich zu unserem erfolgreich gemeisterten Crossing hat Gabi auch noch Geburtstag und wir stoßen mit einer Flasche Sekt an und essen chinesisches Essen vom Hong Kong Take-Away Laden um die Ecke. Es ist ein wunderschöner Abend. Wir lachen viel und es fühlt sich so herrlich familiär an! Sam und seine Schwester Caitlin sind 22 und 20 Jahre alt. Gabi ist 26 geworden. Zusammen bilden wir ein prima Gespann. Wir spielen noch ein paar Brettspiele im Wohnzimmer und kuscheln mit der dicken Katze Ginger, bevor wir alle müde und glücklich ins Bett fallen. Es war ein perfekter Tag.

 

Aufbruch nach… Wohin genau?

 

Eigentlich wollte ich heute früh nach Hot Water Beach aufbrechen. Meine erste große Etappe Richtung Norden! Doch beim Frühstück erzählt mir eine local Mitbewohnerin, dass es eine Unwetterwarnung für Coromandel gibt und es sein kann, dass ich dann dort für einige Tage feststecken werde wegen Überflutungen.

 

Das kann ich bei meinem engen Zeitplan nicht riskieren. Also ändere ich beim Frühstück die komplette Route und fahre stattdessen nach Raglan. Es soll ein Surfer-Paradies sein. Mir wird noch ein Hostel empfohlen, das ich direkt buche. Nach der Verabschiedung von meinen drei Mitbewohnern und der Gastgeberin geht’s los. In die Riverstone Lodge würde ich gerne noch mal zurückkommen...

 

Die Fahrt nach Raglan ist lang und das Wetter launisch. Ich mache Zwischenstopp in den Hamilton Gardens, um die Strecke etwas aufzubrechen und Sightseeing einzubauen. Die Gärten sind schöner, als ich sie in Erinnerung hatte! Aber was erwartet man auch von einer 16-Jährigen für eine Begeisterung über Gärten. Leider fängt es mittendrin an, aus Eimern zu schütten und bis ich wieder im Visitor Center bin, bin ich komplett durchgeweicht. Zum Glück kann ich im Auto die Heizung anmachen und mich auf der einstündigen Restfahrt trocken pusten lassen.

 

Es ist 16 Uhr, als ich in Raglan ankomme und es sieht wirklich nach einem hübschen Ort aus, mit coolen Geschäften und Gastro. Wenn doch bloß noch ein bisschen Sonne scheinen würde! Ich gehe gleich los, um noch ein bisschen zu bummeln und die Geschäfte anzusehen. Doch leider macht hier alles um 17 Uhr zu! Und ich rege mich schon in Düsseldorf über die Schlusszeiten um 18:30 Uhr auf :D! Wie schade, ich ärgere mich etwas, da ich jetzt von Raglan gar nicht viele Eindrücke mitnehmen kann. Am nächsten Morgen will ich wieder zeitig aufbrechen, weil wieder eine lange Fahrt auf mich wartet.

 

Die Backpacker-Surfer-Community

 

Zuerst überlege ich, ob ich morgen früh nicht doch noch etwas länger bleiben soll, um zu shoppen und den Black Beach anzusehen. Doch ich fühle mich über den Abend hinweg so genervt von dem Raglan Backpacker Hostel, dass ich dann gar keine Lust mehr habe, hier viel Zeit zu verbringen. Die Leute sind alle sehr jung, Schulabsolventen. Was nicht schlimm ist, das kenne ich ja schon aus den anderen Hostels. Allerdings findet sich die Surfer-Community hier schon ganz besonders cool! Ich habe mich noch nie so alt gefühlt! Immerhin habe ich ein Zimmer im hinteren Haus, wo es etwas ruhiger ist. Mein Vierer-Zimmer teile ich mir auch nur mit einem anderen, der zum Glück genauso wenig Lust auf Kommunikation hat wie ich. Nach dem Essen verkrieche ich mich ins Wohnzimmer und schreibe an meinem Tagebuch. Bis sich jemand berufen fühlt, mich in ein langes Gespräch zu verwickeln, was zunächst nett startet, aber dann mehr und mehr in eine Self-Promotion-Show umschwenkt. Erwartet er Applaus von mir? Oder einen Kniefall mit Anhimmeln und Huldigung?

 

Auf nach Northland – Erster Stop: Mangawhai

 

Heute starte ich früh, um 8:30 Uhr. Tschau Raglan!

 

Die Visit New Zealand Homepage hat vorgeschlagen, dass ich auf meinem Weg nach Whangarei in Matakana und Omaha Beach Halt machen soll. Das passt prima in die heutige Streckenplanung. Um 11:40 Uhr komme ich in Matakana an. Es ist eine winzige Stadt und dennoch hat sie wunderhübsche Geschäfte. Es ist eine Weinregion hier und es gibt jeden Samstag auf dem Village Market Weinprobierstände der umliegenden Familien-Vineries. Bestimmt könnte ich auch die ein oder andere heute anfahren. Aber was nützt es mir, wenn ich dann gar nichts verkosten kann. Ich widme mich also stattdessen den Geschäften. Ich könnte kofferweise bei den Surfer-Marken shoppen. Ich liebe ihren Stil und könnte auch dringend mal wieder ein neues T-Shirt gebrauchen. Aber ich bleibe besser bei den Dingen, die ich auch unmittelbar nutzen und/oder auf der weiteren Reise transportieren kann, und kaufe bei der Honest Chocolaterie ein und gönne mir außerdem neue Havaiana Flip-Flops. Meine Alten sind ausgetreten.

 

Danach geht es zu Omaha Beach. Es ist ein Surfer-Strand und vielleicht gerade weil das Wetter heute etwas rau ist, wirkt es sehr stimmig. Ich esse hier eines meiner gerade erstandenen Törtchen bzw. den weltbesten Schoko-Brownie und anschließend geht es weiter nach Mangawhai, meiner heutigen Endstation.

 

Ich habe mir heute ein Airbnb gegönnt. Nach dem Hostel gestern brauche ich dringend mal eine Unterkunft für mich und habe daher gestern kurzfristig ein kleines Cottage in der Nähe des Mangawhai Strands gebucht. Eine Nachricht vom Besitzer habe ich nicht erhalten, aber in der Anfahrtsbeschreibung stand „Einfach reingehen, die Türe ist offen“. Also dachte ich, wird es wohl nicht so schwer sein. Auf dem Weg gehe ich dann aber glorreich in einer Gated Community verloren, und als ich es dann mit Anweisung eines alten Ehepaares zu meiner Unterkunft schaffe, stellt sich heraus, dass mein Gastgeber John noch gar nichts von meiner Buchung mitbekommen hat.

 

Während sie das Airbnb fertig machen, fahre also noch mal los und verbringe eine Stunde am schönen Strand, der ebenfalls ein Paradies fürs Surfen zu sein scheint. Allerdings sind die Wellen knackig hoch. Doch das scheint die Jugendlichen und die Surf-Schule nicht abzuschrecken

 

Zurück im Airbnb heißt mich John noch mal herzlich willkommen. Das Cottage ist unheimlich schön, gemütlich, sauber und einfach der perfekte Ort für heute! Die beiden wohnen im Haupthaus, ich im Gartenhaus nebenan und ich kann über das großzügige Grundstück spazieren gehen. Entlang am Ententeich, runter zur Wiese, kommen voller Elan drei Bullen angerannt, die sich wohl eher Kuh-Snacks von mir erhofft haben, statt an meiner leeren Hand schnuppern zu können.

 

John bringt mir noch eine Flasche Shiraz rüber als Wiedergutmachung für das kleine Chaos vorhin. Bei Wein sag ich nicht nein :D und setze mich mit einem Glas und ein paar Snacks auf meine kleine Terrasse und genieße den Ausblick über die Hügel. Von hier aus kann ich lauter hübsche Vögel beobachten. Bunte Papageien, Kingfisher und so etwas wie kleine Kraniche.

 

Schokolade und Glühwürmchen auf dem Weg nach Whangarei

 

Heute geht es nach Whangarei. Die Stadt soll unheimlich hübsch sein und außerdem ist sie nur 1 Stunde Fahrt entfernt. Also kann ich mir die Reise angenehm machen.

 

Erstmal geht es noch in Mangawhai zu Bennetts Chocolates – ein kleines Familienunternehmen. Hier kaufe ich natürlich Schoko ein und gönne mir anschließend noch Brunch. Der nächste Stopp sind die Waipu Caves. Das sollen frei zugängliche Glühwürmchen-Höhlen sein, die auf meinem heutigen Weg liegen. Also lasse ich mir die natürlich nicht entgehen. Um dorthin zu kommen, muss ich von der Hauptstraße ca 19km runterfahren, entlang einer Schotterpiste, raus ins Nirgendwo. Dort gelange ich auf einem Parkplatz an, von dem aus ich mitten auf einer Wiese ein winziges Schild stehen sehe: Waipu Caves. Alles klar, Stirnlampe aufgesetzt, Flip-Flops und Jacke angezogen und auf geht’s.

 

Als ich in die Höhle reinsteige, ist es wirklich stockdunkel. Mit der Stirnlampe suche ich mir meinen Weg, komme aber recht schnell an das Ufer des Flusses, der in der Höhle verläuft. War’s das schon? Ich sehe keine Glühwürmchen. Doch dann höre ich jemanden in der Entfernung brabbeln. Ok, also muss ich wohl durch den Fluss durchlaufen. Ich steige knietief durchs Wasser, bis ich einen schlammigen Ausstieg sehe und auch zwei Franzosen. Wir machen alle unsere Stirnlampen aus und schauen uns bei vollkommener Dunkelheit an, wie ein Sternenhimmel an Glühwürmchen über uns aufgeht. Im Hintergrund plätschert das Wasser des Flusses, was in der Höhle einen Widerhall erzeugt. Wunderschön. Der Stopp hat sich gelohnt.

 

Eine Übernachtung im Gefängnis

 

Um 15 Uhr lande ich in meinem Hostel in Whangarei: The Cell Block Backpackers. Ein ehemaliges Gefängnis, das zu einem Hostel mit mexikanischem Flair umfunktioniert wurde. Die Ankunft macht mich schon etwas stutzig. Es ist schwer zu finden, von außen sieht man so gar nichts. Außerdem bin ich mitten in der Stadt, dabei dachte ich, es wäre Whangarei am Meer gelegen. Irgendwann habe ich den Innenhof zum Parken gefunden und per WhatsApp kann ich im Hostel anrufen und mir den Code für die Tür geben lassen. Scheinbar ist keiner direkt vor Ort. Ich bekomme Zelle Nummer 11 zugewiesen. Als ich reinkomme, ist alles deutlich lichterfüllter, als ich vermutet hätte. Es gibt überall etwas zu entdecken. Das Hostel ist riesig und wirklich toll aufgemacht. Gleichzeitig ist die Stimmung auch recht unheimlich, weil es eben doch ein ehemaliges Gefängnis ist. Vielleicht ist es auch nur meine Voreingenommenheit, aber ich muss mich erst mal an das Gefühl gewöhnen.

 

Whangarei – Wo bin ich hier gelandet?

 

So, jetzt heißt es erkunden. Hier soll es ein Hundertwasser-Haus mit Museum im Ort geben, das sehr bekannt ist. Also bin ich 15:15 Uhr am Museumseingang. ABER – „wir schließen leider um 16:00 Uhr. Da lohnt es sich jetzt nicht mehr, reinzugehen. Kommen Sie doch morgen wieder. Wir öffnen um 10 Uhr“. Diese Öffnungszeiten machen mich wahnsinnig! Um 10 Uhr möchte ich morgen schon lang auf der Straße sein. Meine Stimmung ist richtig am Boden. Ich bin wütend und unter Absingen schmutziger Lieder ziehe ich von dannen.

 

Beim Spaziergang ist mir auch bewusst geworden, dass Whangarei absolut nicht am Meer liegt. Whangarei HEADS liegt am Meer und das ist 45 Minuten Autofahrt von hier entfernt. Meine Stimmung geht in den Minusbereich. Da mich die Situation insgesamt total stresst und ich mal wieder Angst habe, etwas zu verpassen, überlege ich zunächst, ob ich alle Pläne über den Haufen werfen und ins Auto steigen und nach Paihia fahren soll. Doch das wäre auch eine Schnapsidee. Gott sei Dank gewinnt die Ratio und ich fahre stattdessen zu den Whangarei Falls (Wasserfällen) und zu einem Kauri Forest. Es ist zwar nur ein 1,5-stündiger Walk, aber er tut meiner mentalen Verfassung sehr gut. Der Wasserfall ist in der Tat sehr schön und bei der Nachmittagssonne ist er auch sehr hübsch angestrahlt. Der Wald hat eine sehr beruhigende Wirkung auf mich. Es duftet grün, frisch und nach Wasser. Immer wieder höre ich Vögel. Jetzt, wo ich wieder bei Sinnen bin, geht es mir deutlich besser. Der Stress ist wieder abgebaut. Dennoch stell ich mir die Frage – Warum bin ich so? Warum löst das so akut Stress bei mir aus? Normal ist das nicht. Der Fragestellung werde ich mich zu einem späteren Zeitpunkt noch mal annehmen….

 

Whangarei Heads

 

Der Walk hat mich so beflügelt, dass ich anschließend beschließe, noch die 45 Minuten Fahrt auf mich zu nehmen und nach Whangarei Heads zu fahren. Es ist schon 18:30 Uhr. Aber ich habe ja Langzeiturlaub und da kann ich auch mal spät nach Hause kommen. Außerdem müsste ich pünktlich zum Sonnenuntergang in Whangarei Heads ankommen. Ich gebe Gas.

 

Die Strecke an der Küste entlang ist eine Scenic Route und absolut sehenswert. Es kommen lauter Buchten, in denen kleine Boote und Katamarane liegen, die sanft im Wasser schweben. Im Hintergrund die sich langsam senkende Sonne. Immer wieder halte ich kurz an, schieße ein Foto, steige wieder ins Auto und presche weiter. Um ca. 19:15 Uhr lande ich am Ocean Bay Beach. Es ist ein Strand wie aus dem Bilderbuch - er ist makellos. Die Wellen sind ziemlich wild, links und rechts ist die Bucht von hübschen Gesteinshügeln umrahmt, von denen Dünen hinab gehen, in denen kleine Büschel an Grün herauswachsen. Ich schaue mir das Meer an und hinter mir strahlt die untergehende Sonne auf die Wellen. Der Strand liegt schon im Schatten. Es ist etwas dunstig, wodurch man die Luft förmlich sehen kann. Sie leuchtet golden und macht eine unglaublich schöne Stimmung. Links von mir läuft in der Entfernung jemand mit seinem Hund spazieren und schmeißt Stöcke. Ein Haus sitzt am Hang und wer auch immer darin wohnt, hat eine wundervolle Aussicht. Rechts von mir kommen ein paar Leute zusammen, die sich Pizza mitgebracht haben. Auf dem Parkplatz hinten standen bestimmt 6 Camper Vans, in denen Surfer und Pärchen ihr Domizil für die Nacht aufgebaut haben. Ich muss zugeben, ich bin wehmütig und ein bisschen neidisch. Der Strand und die Stimmung hier geben mir in diesem Moment das uneingeschränkte Gefühl von Freiheit. Doch ich kann nicht bleiben. Ich muss wieder zurück.

 

Auf dem Heimweg halte ich noch in einer Bucht, die zur andere Seite ausgerichtet ist und sehe mir an, wie die Sonne ins Wasser plumpst. Genau hinter zwei Katamaranen, die so aussehen, als hätte man sie mühevoll dort hindrapiert. Traurig und glücklich zugleich steige ich ins Auto und fahre zurück nach Whangarei in meine Gefängniszelle.

 

Ich bin müde, aber sehr zufrieden mit dem, was ich aus dem anfänglich schwierigen Tag rausgeholt habe. Es ist ca. 21 Uhr und ich muss noch was zu Abend essen. Einerseits will ich meine Ruhe haben, andererseits tut mir Gesellschaft bestimmt gut. Also setze ich mich zu den anderen Hostel-Bewohnern an den Tisch und wir haben noch einen netten Abend. Inzwischen fühle ich mich eigentlich richtig wohl in meiner Zelle. Die rote Eisentür ist irgendwie schön, weil sie so schwer ist und ich das Gefühl habe, dass ich mich damit von der Außenwelt abschotten kann. Aufmachen kann ich sie ja immer noch, wenn ich will :) Auf der Innenseite der Tür ist alles Mögliche eingekratzt. Nichts Bedeutungsvolles, aber irgendwie sieht es kunstvoll aus.

 

Neuseelands Great Ocean Road – oder besser gesagt: Russell Street

 

Heute habe ich eigentlich wieder nur eine Stunde Fahrt. Doch mein Airbnb Host John hat mir den Tipp gegeben, die Küstenstraße entlang zu fahren, Russell Street, statt den Twin Coast Discovery Highway. Also folge ich seinem Rat. Dadurch wird die Strecke auf knapp 4 Stunden Fahrzeit verlängert.

 

Erster Stopp ist Tutukaka. Hier in der Marina gehen die Boote fürs Tauchen auf Poor Knights Island los. Hier in Tutukaka halte ich nur kurz in der Marina, hole mir einen Kaffee, schaue mir die hübschen, bunten Häuser und die zahlreichen Boote an und fahre dann nach Matapouri Beach.

 

Matapouri Beach ist definitiv eines meiner Highlights hier im Northland (alles nördlich von Auckland). Der Strand ist durch und durch malerisch. Ich habe auch richtig Glück, da ich den allerletzten Parkplatz ergattere. Als ich auf den Strand laufe, ist mir klar, dass ich mir hier eine Runde Schwimmen nicht verkneifen kann. Bevor ich ins Wasser hüpfe, habe ich mir aber vorgenommen, den Matapouri Ridge Walk zu machen, von dem aus man einen tollen Blick auf Whale Bay haben soll.

 

Den Startpunkt zu finden ist etwas schwierig, doch am linken Ende des Strandes, zwischen Felsen und in die Dünen hineingehend, ist ein Trampelpfad. Den schlage ich ein und laufe schon nach wenigen Minuten auf eine postkartenartige Aussicht hinein. Eine Schneise inmitten von hochgewachsenen, grünen, palmenartigen Büscheln. Dahinter ein steiniger Strand, auf den das Wasser mit weißer Schaumkrone friedlich reinschwappt und rechts ein steiles Cliff, gegen das die Wellen schlagen. Pebbly Beach! Von hier aus geht es steil bergauf über viele, viele Treppen, hin zu verschiedenen Look Outs. Es ist wunderschön! Immer wieder sind Felsen im Wasser und rauschendes, dunkelblaues Meer, das dagegen prallt. Wild und ungestüm.

 

Irgendwann geht es zu Whale Bay, was ganz anders aussieht. Das Wasser ist flacher und dadurch hellblauer. Außerdem ist es total ruhig. Der perfekte Badestrand! Wie schade, dass ich meinen Bikini im Auto gelassen habe. Ich gehe den Weg zum Strand hinunter und es gibt viele Bäume und Sträucher, die Schatten spenden. Der Strand ist blitzblank sauber. Keinerlei angespülte Äste, Algen oder sonstige Natur-Reste. Jetzt eine Decke, eine Kühlbox mit Getränken und ein Buch. So könnte der Rest des Tages aussehen! Doch ich muss weiter. Nach 1,5 Stunden gemütlicher Wanderung komme ich wieder am Matapouri Beach an und gönne mir jetzt meine Badepause. Das Wasser ist verdammt kalt, aber ich gewöhne mich schon dran. Anschließend ein Eis auf die Hand im Fish-and-Chips-Shop und weiter geht es.

 

Durch den Hike ist schon verhältnismäßig viel Zeit ins Land gestrichen, dafür dass ich die Küstenstraße noch nicht mal angefangen habe. Jetzt geht es nach Helena Bay, von wo aus die Russell Street startet. Oben am Berg, bevor es über die schmalen, engen Kurven zur Bucht hinunter geht, halte ich noch an einer Galerie mit angeschlossenem Café. Von der Terrasse aus schaut man in den üppigen, grünen, tropischen Wald hinunter und ganz am Ende sieht man Helena Bay. Der Blick ist überwältigend. Was für eine tolle Überraschung! Ein richtiger Geheimtipp.

 

Danach geht es aber wirklich los mit der Tour! Über ca. 3 Stunden hinweg fahre ich eine Bucht nach der nächsten an: Helena Bay, Bland Bay, Elliot Bay und Oke Bay. Für Oke Bay hätte ich gern noch mehr Zeit gehabt bzw. wäre gerne früher dort angekommen. Die Straße dorthin ist eine Schotterstraße. Man muss also ganz schön aufpassen bei den ganzen Kurven und dem ganzen Hoch und Runter. Irgendwann kommt man am Meer an und ist versucht, die Bucht zur Linken zu bestaunen. Doch Oke Bay liegt auf der anderen Seite des Landstrichs und man muss den kleinen Weg zur Rechten hochlaufen, um dorthin zu kommen. Ich muss mich aber beeilen, da die Sonne schon tief steht und Schatten auf die Bucht wirft. Außerdem kommt die Flut rein. Ich bin gerade noch rechtzeitig hier. Nicht lange zögern, Bikini anziehen und noch schnell eine Runde schwimmen gehen in den letzten Sonnenstrahlen. Das Wasser ist ganz ruhig und klar und der Ausblick ist mal wieder traumhaft. Ich habe den Strand ganz für mich alleine und auch wenn es nur rund eine halbe Stunde ist, genieße ich es sehr.

 

Was für ein wundervoller Tag. Ich bin unglaublich stolz auf mich und dass ich so eine tolle Tour hier auf eigene Faust mache. Und das, obwohl ich doch sonst immer ein Gruppenreisen-Mensch bin. Aber hier kann ich es eben auch allein und es fühlt sich großartig an. Ich kann fahren, wohin ich will und wie lange ich will. Gerade in Neuseeland ist diese Unabhängigkeit Gold wert.

 

Nach dem langen, erfolgreichen Tag fahre ich über Opua mit der Autofähre nach Paihia hinüber und checke im Hostel ein. Abends setzte ich mich in den Park und schau mir im Open Air Kino noch Mamma Mia an.

 

Bay of Islands Cruise

 

Ich nehme heute die die 10-Uhr-Cruise. Es ist ein riesiger Katamaran und wir fahren einen Teil der rund 144 Inseln in der Bay of Islands ab. Auf einer Insel sind sogar drei Wohnhäuser, von denen zwei aktuell zum Verkauf stehen. Wer knapp 7 Millionen NZ Dollar übrig hat, kann sich hier ein hübsches Häuschen gönnen :D Kiwis gibt es auf der Insel auch! Na, wenn das kein Schnäppchen ist.

 

Auf vereinzelten Inseln, wie z.B. Robinson Island, darf man sogar campen. Das stell ich mir unwahrscheinlich schön vor, da es ja keinen Verkehr auf den Inseln gibt. Nur Fußwege, Wiesen & Wald und Strand. Als Nächstes fahren wir an Cape Brett vorbei! Ein Leuchtturm, der an den Hang des grünen Berges gemeißelt ist. Etwas weiter darunter ist auch noch ein Haus zu sehen. Man kann in Cape Brett sogar übernachten, und das für kleines Geld! Aber der Preis ist, dass man viele Stunden dorthin wandern und seine eigene Verpflegung mitnehmen muss, da es keine befahrbaren Wege gibt und auch keine Verpflegung in der Unterkunft.

 

Dann kommt das Highlight – das Hole in the Rock. Ich muss zugeben, das ruhige Meer in der Bay of Islands hat sich sehr schnell zu rauer See entwickelt und ich bin ganz froh, auf einem größeren Boot zu sein. Das Loch im Felsen sieht gar nicht so riesig aus, aber tatsächlich fahren wir mit unserem Katamaran hindurch. Sehr beeindruckend!

 

Als nächstes fahren nach Urupukapuka zum Otehei Beach und legen zum Lunch an. Die anderen Passagiere müssen in 1,5 Stunden schon wieder an Board sein, aber ich konnte zum Glück mit den netten Angestellten aushandeln, dass ich eine spätere Cruise zurücknehmen kann, damit ich noch einen Wanderweg nehmen kann. Das Buffet ist überraschend lecker! Dafür ist es laut und rummelig, was mich sehr anstrengt und latent nervt. Heute ist auch eine Sip-and-Sing-Veranstaltung – quasi Beach Party über den Nachmittag und Abend hinweg, weshalb auch viele Locals mit ihren kleinen Booten hergekommen sind, um sich am sehr schmalen Strand auszubreiten und sich zu betrinken. Also bin ich doppelt motiviert, schnell aufzuessen und loszulaufen.

 

Ich suche mir den Bay Loop aus. Er dauert ca. 1,5 Stunden und führt am Urupukapuka Bay entlang und dann über die Ridge der Insel, von der man tolle Aussichten auf verschiedene Buchten auf beiden Seiten der Insel hat. Absolut empfehlenswert. Es grasen hier auch überall frei Schafe, was ich so noch nicht erlebt habe. Ich laufe mitten durch sie hindurch. Nachdem ich ausgiebig Fotos von allen Viewpoints aus geschossen habe, gönne ich mir Zeit zum Relaxen und hole das nach, was ich gestern am Oke Beach nicht mehr in Gänze machen konnte. Ich tausche die Wanderklamotten gegen den Bikini und lege mich in die pralle Sonne an den Strand und döse vor mich hin. Die Urupukapuka Bucht ist total ruhig und entschleunigt im Vergleich zur Otehei-Party-Bucht. Hier darf man zwar campen, aber es sind nur ein paar Zelte aufgestellt und alles ist total entspannt. Die Auszeit tut gut. Nach 1,5 Stunden am Strand liegen und schwimmen gehen, kommen wieder die Wanderklamotten zum Einsatz und ich mach mich auf den Heimweg zur Fähre.

 

Haka House und Besuch in Russell

 

Heute früh ist alles etwas wuselig und ich bin ziemlich abgehetzt als ich um 11 Uhr auf die Fähre nach Russell steige, wo ich dann Barbara treffe - eine Freundin von zwei Reisefreunden, die ich in Grönland kennengelernt habe. Russell ist ein total beschauliches, aber eindeutig wohlhabendes Dorf gegenüber von Paihia. Früher haben hier die Handelsschiffe angelegt und die Segler ihr Unwesen getrieben. Es war damals nicht das feinste Viertel. Aber inzwischen ist es ein sehr malerischer Ort, der definitiv einen Tagesausflug wert ist. Barbara gibt mir eine kleine Sightseeing-Tour. Zunächst fahren wir zum Fahnenmast hoch. Hier haben die Briten ihre Flagge gehisst und die Maori haben den Fahnenmast regelmäßig wieder abgeholzt. Man kann von hier oben einen 360-Grad-Blick genießen und es sich mit einem Picknickkorb bei schönem Wetter sicher auch für den Sonnenuntergang bequem machen. Auch tolle Wanderwege gibt es.

 

Anschließend fahren wir zum Long Beach. Eine weitere schöne, malerische Bucht. Danach geht es in die Tannery – die Lederei und Buchbinderei. Von außen sieht es aus wie ein gut gepflegtes, koloniales Anwesen mit zwei, drei aus Holz gebauten Häusern. Sie sind von einem unglaublich schönen, wilden Garten umgeben. Es ist ein alter englischer Garten mit großer Vielfalt an Blumen, inklusive duftenden Rosen und vielen Mohn-Töpfen.

 

Barbara war früher Lehrerin und kennt gefühlt den ganzen Ort. Deshalb kommen wir hier gratis rein und dürfen in alle abgesperrten Bereiche, wo sonst nur geführte Gruppen reingehen. Zumindest beschließt Barbara, dass wir da einfach reindürfen und übergeht alle Absperrungen :D

 

Tatsächlich war in diesen Häuschen Neuseelands erste Buchdruckerei und -Binderei. Der Pionier Thomas Kendell war derjenige, der die Maori-Sprache – die damals eine rein gesprochene Sprache war – erstmals verschriftlicht hat, um dann die Bibel auf Maori zu übersetzen, zu drucken und den Leuten zugänglich zu machen. Na wenn das mal kein christliches Engagement der Superlative war! :D Da ist jemand die Extrameile gegangen für die heilige Schrift – mein lieber Mann! Hoffentlich hat das zu seinen Lebtagszeiten schon jemand zu schätzen gewusst! Die alte Buchpresse ist immer noch im Gebäude ausgestellt und die Lederei wird inzwischen wieder betrieben, um das Kulturgut weiter am Leben zu erhalten.

 

Anschließend geht es noch zu einer historischen, hölzernen Kirche, die seit Ewigkeiten besteht und in der noch Einschusslöcher aus Kriegszeiten zwischen den Briten und den Maori zu sehen sind. Sie ist ganz klein, aber sehr hübsch. Barbara ist es besonders wichtig, dass ich eine Info-Broschüre über die Kirche kaufe. Was ich natürlich brav mache. Jetzt muss ich nur noch zum Lesen kommen.

 

Anschließend fahren wir noch ins Museum von Russell, wo wir ebenfalls kostenlos reinkommen. Hier zeigt sie mir eine handgemachte Landkarte von den Bay of Islands, die ihr Mann vor 30 Jahren gezeichnet hat. Sie ist ganz auf Maori verfasst, was sie neben der detaillierten und liebevoll ausgestalteten Handzeichnung zu einem Unikat macht. Ein wunderschönes Stück Kunst! Sie erzählt, dass er rund 6 Jahre an der Karte gearbeitet hat.

 

Zum Abschluss gehen wir noch in ein süßes Restaurant essen. Hier bekomme ich die besten Fish and Chips, die ich seit langem gegessen habe. Wir plaudern noch eine Runde und dann setzt sie mich an der Fähre ab, damit ich mir noch die Treaty Grounds ansehen kann.

 

Barbara war wieder eine von den besonderen Begegnungen, die ich auf meiner großen Reise machen durfte. Sie ist mit ihren 82 Jahren ein Urgestein der Bay of Islands und auch wenn wir uns nicht kannten und wahrscheinlich auch nie wieder sehen werden, hat sie mich mit offenen Armen willkommen geheißen und mir einen Teil ihrer Welt gezeigt. Dafür bin ich unendlich dankbar und es ist ein weiteres Puzzelstück in dem wundervollen Gesamtbild, was Neuseeland bei mir über die zwei Wochen ergeben hat.

 

Die Treaty Grounds in Waitangi

 

Gestern Nachmittag und heute früh ging es dann zu den Treaty Grounds. Der Ort, wo das Abkommen zwischen Großbritannien und den Maori-Stämmen geschlossen wurde. Es ist ein extrem wichtiges Stück Geschichte, was bis heute das Zusammenleben der Maori-Kultur und der britischen Kultur maßgeblich prägt.

 

Als ich beim ersten Besuch ankomme, habe ich Glück und kann unmittelbar an einer geführten Tour teilnehmen. Ich bin ja nicht so der Museums-Gänger und meistens zu faul, alles durchzulesen, was ausgestellt ist. Was meist dazu führt, dass ich die Zusammenhänge nicht unbedingt mitbekomme. Daher gut, dass ich eine Tour bekomme.

 

Wir haben eine sehr passionierte Tour-Guidin, die aus 45 Minuten Führung 1,5 Stunden macht und uns sehr gut veranschaulicht, wie die Kolonialisierung hier damals vonstatten ging und wo die Herausforderungen lagen. Das alles zu schildern würde den Rahmen sprengen, aber ich kann es jedem nur wärmstens empfehlen, hierher zu kommen oder sich mal eine Doku anzusehen.

 

Nach der Tour ist es leider bereits 17 Uhr und das Museum schließt. Aber ich darf am nächsten Tag noch mal wiederkommen, um mir die Museen und die Cultural Performance anzusehen. Eigentlich wollte ich zeitig aufbrechen, da ich ja zurück nach Auckland reisen muss. Aber was wartet dort schon auf mich? Also nehme ich mir die Zeit und bin froh, die Show mitgenommen zu haben. Die Maori-Kultur ist der Hawaiianischen sehr ähnlich. Das zeigt sich auch in der Musik und in der Show :)

 

Rückweg nach Auckland

 

Nun ist es also soweit: ich muss wirklich zurück nach Auckland fahren. Auf dem Heimweg nehme ich noch das Hundertwasser-Museum in Whangarei mit, was sehr hübsch war. Im Anschluss noch ein Late Lunch im Fat Camel – wo ich die besten Falafel-Bällchen mit Hummus bekomme und dann heißt es Autobahn.

Ich bin tottraurig, abreisen zu müssen. Neuseeland hat mir viel mehr gegeben, als ich dachte und ich würde am liebsten einfach hier bleiben und die nächsten Wochen noch die Südinsel erkunden, bevor ich mir dann einen hübschen Spot aussuche und mich dort einige Zeit niederlasse. Aber nützt nichts, ich muss weiter.

 

Abends wohne ich in einem Airbnb direkt beim Flughafen. Das fidschianische Paar, bei dem ich wohne, macht mir dann doch wieder Vorfreude auf Fidschi. Sie sind ganz begeistert von meiner Route. Trotzdem packe ich meinen Backpack nur ungern.

 

Fazit

 

Neuseeland ist ein Land wie kein anderes. „You have a little bit of everything“, sagte mal jemand zu mir und es stimmt. Man hat Berge, man hat saftig grüne Wiesen und Hügel. Man hat das Meer, Tropenwälder, Skigebiete, Fjorde, Städte, Weinanbaugebiete. Man hat Action und seine Ruhe, und vor allem hat man unglaublich freundliche, hilfsbereite, tolerante Einwohner. Ich kann mir keinen schöneren Ort zum Leben vorstellen.

 
 
 

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
Rückkehr nach Neuseeland - Teil 1

Teil 1 Auf zu neuen Gefilden   Endlich sitze ich im Flieger!  Neuseeland,   ich komme!  Ich kann es kaum erwarten. Alleine der Gedanke mal wieder ohne Probleme kommunizieren zu können, ist eine Erleic

 
 
 
Raja Ampat - das letzte Paradies

Vorwort   Zwei wundervolle und vor allem eindrucksvolle Wochen in Äthiopien sind vorbei und ab sofort heißt es: Selbst ist die Frau. Ab jetzt habe ich keine Gruppenreisen mehr und werde mich selbst or

 
 
 
Abenteuer Äthiopien Teil 2

Der Dimeka Market und die hängenden Ziegen   Heute früh geht es Richtung Dimeka Market. Dieser grenzt sich vor allem durch einen Viehmarkt-Bereich von den anderen bisherigen Märkten ab!   Der Viehmark

 
 
 

1 Kommentar


LisaPietschmann
vor 3 Tagen

Liebe Caro, was für ein Artikel! So umfangreich und Alltagsnah, dass ich fast das Gefühl hatte dir beim Reisen direkt über die Schulter zu schauen. ICh konnte mich super einfühlen in ein LAnd, das ich noch nie persönlich betreten habe. Dank deiner Beschreibungen tauchten direkt bilder vor meinem inneren Auge auf. Noch viel schöner wäre es gewesen, ab und zu eins deiner Bilder im Artikel zu finden - oder werden die nur bei mir nicht angezeigt? Ich wünsche dir noch ganz viel Freude bei deinen Reisen. Alles Liebe, Lisa

(Abenteuerzeit Familienreise)

Gefällt mir
bottom of page