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Raja Ampat - das letzte Paradies

Aktualisiert: 16. Dez. 2025

Vorwort

 

Zwei wundervolle und vor allem eindrucksvolle Wochen in Äthiopien sind vorbei und ab sofort heißt es: Selbst ist die Frau. Ab jetzt habe ich keine Gruppenreisen mehr und werde mich selbst organisieren.

 

West Papua, Raja Ampat um genau zu sein, ist eine der exotischsten Destinationen, die ich auf meiner Route eingebaut habe und die auch in der Planung die meiste Zeit in Anspruch genommen hat.

 

Denn von Addis Abeba bis nach Raja Ampat habe ich allein knapp 34 Stunden Reisezeit: drei Flüge, eine Fähre, ein privates Boot und viele, viele Stunden Layover zwischendrin. Das alles zu koordinieren, war gar nicht so einfach. Doch was man so hört, ist Raja Ampat das letzte Paradies auf Erden, und das möchte ich mir ansehen. Zumal solche Schmuckstücke ja bekanntermaßen nicht sehr lange ein Paradies bleiben, sobald der Tourismus davon Wind bekommt und letztlich alles ändert. Wobei die lange Anreise zumindest für „Normalos“ recht abschreckend sein sollte :D

 

Wer oder was ist eigentlich Raja Ampat?

 

Raja Ampat ist ein Archipel aus über 1.800 Inseln und ein 4,5 Millionen Hektar großer Nationalpark. Das Naturschutzgebiet gilt als Zentrum der marinen Biodiversität des Planeten und beherbergt ca. 1.500 Fischarten und 700 Korallenarten. Primärer Regenwald trifft auf Korallenriffe, was es auch zu einem beliebten Ziel für Bird Watcher macht.

 

Hält es, was es verspricht?

 

Ja, es ist wirklich das letzte Paradies! Es ist so schön, dass man sich zwischendurch kneifen muss. Es hat perfekte Temperaturen. Das Wasser ist so klar, dass man vom Trockenen aus die Fische beobachten kann. Die Korallen sind in hervorragendem Zustand. Die Landschaft ist üppig grün. Es ist total entschleunigend und dennoch gibt es viel zu unternehmen.

 

Gleichzeitig kommt es auch mit ein paar Kompromissen, die nicht für jedermann sind! Die Badezimmer sind in der Regel Gemeinschaftsbäder. Die Duschen sind kalt und das Wasser eher auf der salzigen Seite von Süßwasser. Die Toiletten spülen nicht automatisch, sondern man muss mit einem Wassereimer Wasser draufgießen. Strom gibt es normalerweise nur von 6 P.M. bis 6 A.M. Kühlschränke haben daher nur bedingt Nutzen (wenn sie überhaupt vorhanden sind). Soft- und alkoholische Getränke sind Mangelware. Netzempfang gibt es ausschließlich über einen einzigen lokalen Anbieter (vergesst Saily und Holafly) und die SIM muss man schon in Jakarta installieren und freischalten lassen, sonst ist man aufgeschmissen. Selbstverständlich gibt es auch kein WLAN. Es gibt keine Geldautomaten, keine Supermärkte und alles, was hier vor Ort gekocht wird, wird in der Regel aus Sorong importiert. Und was es in Sorong zu kaufen gibt, wird in der Regel aus Java importiert. Transporte aller Art laufen per Privat-Boot. Raja Ampat ist vom Finanziellen her also kein Schnäppchen!

 

Wer bereit ist, auf die gewohnten Annehmlichkeiten von zu Hause zu verzichten, um sich den blauen Lagunen und Riffen Raja Ampats in all ihrer Purheit hinzugeben, wird eine wunderschöne Zeit haben.

 

Reisebericht

 

Ankunft in Raja Ampat

 

Nach den verschiedenen Flügen und Wartezeiten bin ich todmüde, als ich endlich auf die wuselige Fähre kann. Ich habe Economy gebucht, denn schließlich will ich eine Local Experience haben. Es ist eng und dunkel, was mir aber ganz gelegen kommt, da ich die zwei Stunden Fahrt zum Schlafen nutze. Als ich in Waisai ankomme, wartet schon mein Privat-Shuttle-Boot auf mich. Am Himmel kann man schon sehen, dass es auf Regen hinauslaufen wird und wir klatschnass werden. Doch ich kann nicht anders, als übers ganze Gesicht zu grinsen. Ich bin endlich hier! Nach so vielen Monaten der Planung und so langer Wartezeit. Ich hülle mich also in meine Regenklamotten und wir fahren eine Stunde bei Regen und Wind zum Mansuar Bungalow Homestay. Hier werde ich schon von Ben, dem „Care Taker“ der Mansuar Bungalow-Gäste, begrüßt. Ich habe riesiges Glück und bekomme den Bungalow ganz hinten am Steg. Er ist zumSonnenuntergang ausgerichtet, was für mich natürlich ein besonderes Highlight ist. Außerdem ist er einer der neueren Bungalows und in sehr gutem Zustand UND da er so abgelegen ist, habe ich garantiert meine Ruhe. Nur weit zu den gemeinschaftlichen Toiletten ist es. Aber das kann ich ohne Probleme verschmerzen, beim Gedanken an ein kaltes Bier in meiner Hand, in der Hängematte liegend, im Anblick des roten Sonnenuntergangs am Meer :) Ich bin wahrlich im Paradies angekommen. Mein Bungalow ist großzügig, hat ein hübsch gemachtes Bett und eine Garderobe, in die ich ENDLICH nach so vielen Wochen mal meinen Rucksack entladen kann. Es ist so schön, einfach mal wieder einen Überblick zu haben, was man so alles an Dingen dabei hat.

 

Der Bungalow ist aus Bambus und Holz gemacht. Die Decken sind offen, somit kommt immer schön Licht und Luft rein. Zu meiner Terrasse raus gehen zwei große Schiebetüren auf. Darauf stehen zwei schöne Holz-Sonnenliegen, zwei Stühle mit einem Baumstamm-Tisch, besagte Hängematte und wer kein Problem mit ein paar Druckstellen hat, kann sich auf ein Netz aus Seilen legen und direkt runter ins Wasser schauen. Es ist so abgelegen, dass hier nichts und niemand unangemeldet vorbeikommt. Die Türen brauche ich also nicht abschließen, wenn ich Ausflüge mache. Auch nachts kann ich alles offen lassen und zum Klang des Wassers einschlafen und mit Blick aufs Meer aufwachen. Einfach herrlich, was will man mehr!

 

Aufwärmprogramm - Schnorcheln im lebensgroßen Aquarium

 

Wer nach Raja Ampat fährt, will tauchen. Die Unterwasserwelt ist hier mehr oder weniger unberührt. Für die Tauchgänge im Dive Center „Soul Scuba“ auf Kri musste ich schon 2 Monate im Voraus reservieren, um noch einen Platz zu kriegen. Gut, dass ich noch mal beim Homestay nachgefragt habe, was die Vorlaufzeiten sind! Naiv, wie ich war, dachte ich eigentlich, dass ich einfach einen Tag vorher reinschaue und spontan buche. Noch mal Glück gehabt!

 

Doch Ordnung muss sein – Sonntag ist hier Feiertag, also hat auch das Dive Center heute geschlossen, und ich mache mich stattdessen erstmal mit zwei anderen Gästen aus meinem Homestay zum Schnorcheln auf. Sie sind Iren, haben dem „normalen“ Leben den Rücken gekehrt und haben in den letzten zwei Jahren einmal Australien mit dem Auto umrundet. Ihren Lebensunterhalt verdienen sie mit dauerhaftem Work and Travel.

 

Zwischendurch muss ich mich immer wieder kneifen, weil es hier einfach zu schön ist, um wahr zu sein. Das Wasser ist kristallklar, der Sand weiß und man kann die Fische mit bloßem Auge vom Boot oder vom Pier aus sehen. Unser Boot fährt auf die andere Seite der Insel nach Sawandarek, einem kleinen Dorf. Hier springen wir beim Pier ins Wasser und egal, wo ich hinschaue, sind Korallen unter uns. Es ist nicht sonderlich tief, sodass man einen perfekten Blick hat und mit ein bisschen Schnorchel-Tauchen prima an alles heranschwimmen kann, was man sich aus unmittelbarer Nähe ansehen möchte. Zum Beispiel die Clownfisch-Familie in ihrer Seeanemone. Direkt zu Beginn sehen wir zwei Schildkröten. Später kommen noch zwei weitere dazu: eine ganz kleine mit einer kaputten Rückflosse und eine mittelgroße, die gerade mal einen Meter von mir entfernt auf dem seichten Meeresboden sitzt und in aller Ruhe Korallen futtert, die sie sehr dezidiert aus einer bestimmten Ecke ausbuddelt. Wie eine Koralle wohl schmecken mag?!

 

Direkt am Pier ist ein Hot Spot. Hier tummeln sich ganze Fischschulen, die Algen und Sonstiges von den vermoosten Pfeilern des Piers essen. Der Guide einer anderen Gruppe kommt hinzu und pfuscht ein bisschen, indem er Weißbrot mit ins Wasser genommen hat und damit nun die Fische anfüttert. Was soll ich sagen, pfuschen hin oder her, ich finde mich auf einmal in einer riesigen Wolke an den schönsten Fischen wieder und finde es wundervoll! Ich muss förmlich aufpassen, sie nicht zu berühren, weil sie so nah an mich heranschwimmen. Gelb, schwarz, weiß, groß und platt, klein und oval – es ist alles dabei.

 

Nach einer Weile geht es ein Stück weiter die Küste hoch. Das Boot setzt uns ab, doch die Strömung ist so stark, dass wir innerhalb von 2 Minuten am anderen Ende der Bucht rauskommen und wieder vom Boot abgefangen werden müssen. Ein lustiges und gruseliges Gefühl zugleich. Es ist quasi Speed-Schnorcheln. Lustig, weil man alles in Windeseile an sich vorbeiziehen sieht und sich einfach treiben lässt. Gruselig, weil man genau weiß, dass man keine Chance hätte, gegen die Strömung anzuschwimmen. Raja Ampat hat einen Ruf für seine starken und ständig wechselnden Strömungen. Nicht selten passieren hier Tauchunfälle, weil Leute einfach weggetrieben werden und im offenen Meer verschwinden. Also setzt uns der Bootsfahrer ein Stück weiter oben ab, wo die Strömung schwächer ist. Wir sehen zwei Haifische! Und natürlich wieder viele, viele Fische.

 

Nachdem ich ausgiebig gefaulenzt habe, geht es abends noch mal in Flipflops, teils am Strand, teils durch den Dschungel, teils durch ein Dorf, nach Yenbuba. Hier ist wieder ein Pier, wo angeblich abends Dugongs(Manatees) bei Flut vorbeikommen sollen. Die sehen wir zwar schlussendlich nicht, dafür aber einen Schwarm von rund 14 Schwarzspitzen-Riffhaien. Beim rosaroten Sonnenuntergang geht es zurück zu unserer schönen Unterkunft.

 

Wiedereinstieg ins Tauchen und erste Strömungs-Erfahrung

 

Heute früh geht es endlich zum Tauchen. Im Tauch-Center herrscht reichlich Gewusel. Montags scheinen viele „Newbies“ da zu sein, also müssen alle mit Ausrüstung ausgestattet werden. Es sind bestimmt drei Boote mit je drei Tauchgruppen in den Startlöchern.

 

Ich bin in einer vierer Gruppe eingeteilt, plus Local Guide und bin etwas aufgeregt wegen der Strömung. Der erste Tauchgang hat auch stellenweise schon gut Strömung. Das ist mir beim Tauchen neu und wie beim Schnorcheln auch schon, ist es ein witziges aber auch recht gruseliges Gefühl, weggezogen zu werden. Nur bin ich diesmal 18 m unter der Oberfläche! Zum Glück ist es nur ein kurzes Stück, und dann geht es wieder.

 

Der Tag heute hat sehr gut getan, um wieder ins Tauchen reinzukommen. Die 18 Meter Maximaltiefe habe ich als sehr angenehm empfunden und ohnehin sind auf der seichteren Höhe die meisten Korallen zu sehen. Ich bin fest entschlossen, „die Arielle“ in mir wiederzuerwecken und die Zeit hier so gut wie möglich fürs Tauchen zu nutzen.

 

Abends sitze ich auf meiner Veranda, schreibe an meinem Reisetagebuch und schaue mir an, wie der Himmel Feuer fängt. Es ist zwar wolkig und man kann die Sonne nicht direkt untergehen sehen. Doch die Wolken allein sehen schon wunderschön aus.

 

Wie ich Arielle die Meerjungfrau in mir wiederentdecke

 

Aus meinem Homestay sind fast alle Taucher, und so lohnt es sich zumindest, dass uns Soul Scuba Diving morgens mit dem Boot abholt, bevor es zum Tauchen geht. Es ist deutlich ruhiger als gestern und ich habe großes Glück und bekomme Vivi und Sophie als Tauchguides zugewiesen. Beide sind nicht nur extrem nett, sondern auch sehr kompetent.

 

Es schließt sich noch ein weiterer Taucher an, der auf dem Boot einen sehr selbstbewussten Eindruck macht, was mich sofort leicht einschüchtert. Wie sich dann aber im Wasser herausstellt, stellt er sich wie ein planschendes Kind an. Er fuchtelt mit den Armen herum und zieht die Beine an, als wollte er sitzen. Kein Wunder, dass sein Tank schon nach 20 Minuten leer ist. Was lernen wir daraus: Nur weil jemand nach außen hin voller Selbstbewusstsein auftritt, heißt das noch lange nicht, dass er kompetent ist. Memo an mich: mehr Selbstvertrauen haben und mich weniger beeindrucken lassen.

 

Ich will meiner Meerjungfrau Mission unbedingt näher kommen, also unterhalte ich mich mit den Guides über die Advanced Open Water Diver Ausbildung und nach kurzer Rücksprache ist klar: ich kann mich spontan anmelden und ihn gemeinsam mit Sophie machen. Juchuuuu…

 

Abends haben wir einen unheimlich lustigen Abend im Homestay, mit den anderen Gästen und natürlich den Home-Stay-Betreibern Ringo und Ben. Ringo und Ben spielen Gitarre und singen dazu. Mit katzenartigem Gejaule stimmen die meisten von uns ein. Es kommt ja schließlich aufs Gefühl an ;). Angus (Schotte) holt seinen 10 Jahre alten Springbank Longrow Red Whiskey raus und gibt mir ein professionelles Tasting. Heute Abend verabschieden wir die Schweizer und die französische Familie mit ihren netten Zwillingen (ca. 10 Jahre alt). Zum Glück bleibt Angus noch übrig, sonst wär ich ja ganz allein mit lauter neuen Leuten hier – nicht auszudenken :D

 

Unser Homestay ist übrigens eine Oase der tierischen Überraschungen. Durch das Seegras um unsere Bungalows herum sieht es zunächst gar nicht so nach einem Hingucker aus. Doch wenn man genau hinsieht, sind überall exotische Wassertiere. Nicht hunderte davon. Aber die Vielfalt ist beeindruckend! Zum Beispiel buddeln sich direkt neben dem Steg zum Gemeinschaftsraum zwei blaugepunktete Rochen in den Sand ein. Oh je, da merke ich schon wieder, wie ich mit Unwissen glänzen kann. Alle um mich herum kennen die Namen der Fische und Tiere. Wenn mich jemand fragt, was ich beim Tauchen gesehen habe, kann ich das meist nur mit wonderfula lot of oder big fish beantworten :D Da ist noch Luft nach oben! Vielleicht sollte ich mir mal ein Bilderbuch mit Fischnamen kaufen, damit ich es nachschlagen kann…. Außerdem finden wir direkt neben dem Office-Bungalow noch eine kleine Schnecke, die sehr putzig aussieht, aber wohl so giftig ist, dass man innerhalb von 5 Minuten stirbt, wenn sie einen beißt. Dafür sehen wir aber noch einen Schlangen-Aal. Der ist wunderschön, weil er schwarz-weiß gestreift ist. Der ist wiederum nicht giftig, weil er nur aussieht wie eine Schlange, aber eigentlich ein Aal ist.

 

Inzwischen haben mich übrigens die Moskitos und sämtliche anderen Stech- und Beiß-Viecher entdeckt. Ich glaube auch leider Bettwanzen. Mein Bein ist komplett zerbissen und juckt schrecklich. Auch meine Arme werden zunehmend unter Beschuss genommen. Immerhin habe ich Glück und die Bettwanzen sind nicht in meine Klamotten übergegangen. Sonst hätte ich alles wegschmeißen müssen.

 

Becoming an Advanced Open Water Diver

 

Um den Advanced Open Water Diver zu machen, muss ich Gas geben und in den nächsten zwei Tagen fünf Tauchgänge machen. Also mittwochs drei und donnerstags noch mal zwei, bevor ich dann von meinem nächsten Homestay abgeholt werde und umziehe. Alles etwas mit der heißen Nadel gestrickt, aber wann bekommt man schon mal so eine Chance!

 

Bevor es in die Tiefe geht, wird die Strömung immer live vor Ort von einem Local Guide getestet, der sich als Versuchskaninchen erstmal mit Tauchermaske ins Wasser wirft und sich treiben lässt. Sieht ein bisschen nach Wasserleiche im Wetsuit aus :D Danach taucht er noch mal senkrecht in die Tiefe ab, um zu checken, wie es weiter unten aussieht.

 

Grünes Licht bei den ersten beiden Tauchgängen. Es geht runter auf 28 Meter und wir driften leicht, was sich zum Glück mehr nach Schweben als nach Weggeschwemmtwerden anfühlt. Richtig schön. Von Tauchgang zu Tauchgang reduzieren wir die Bleigewichte in meinem Gürtel. Von 4 kg geht es runter auf 2 kg, wodurch ich nicht nur viel wendiger unter Wasser bin, sondern auch weniger Sauerstoff brauche, da es für den Körper weniger anstrengend ist, sich zu bewegen. Das verlängert die Dauer des Tauchgangs! Obwohl wir teilweise gegen die Strömung schwimmen, sind gleich beide Tauchgänge über 60 Minuten lang und damit 10-15 Min länger als gestern.

 

Vor dem Nachmittags-Tauchgang ist Pause angesagt. Es ist ein strahlend schöner Tag. Die Sonne scheint, es sind kaum Wolken am Himmel (was hier selten ist) und das Meer und seine Korallenriffe erstrahlen in ihrem schönsten Glanz. Das Wasser ist ganz ruhig und so glasklar, dass ich vom Steg aus jeden Fisch und jede Koralle astrein sehen kann. Ich könnte mich selbst kneifen. Es ist wie Schnorcheln im Paradies, nur vom Land aus.

 

Eigentlich sollte es für mich heute Nachmittag an den berühmten Tauchplatz Blue Magic gehen. Doch kurzfristig wird alles geändert und wir fahren nach Koi. Zunächst ärgert mich das schrecklich, da doch heute die Lichteinstrahlung so perfekt ist. Doch dann stelle ich fest, dass Koi von allen bisherigen Tauchplätzen mein absoluter Favorit ist. Die Korallen und die Fischwelt sind einfach traumschön. Ich sehe einen Teppich-Hai! Und einen komischen kleinen Fisch, der aussieht wie ein loses, senkrecht hängendes Blatt. Aber scheinbar ist er eine wichtige Rarität, denn alle Profi-Tauch-Fotografen um mich herum knubbeln sich mühevoll an der Stelle, um das Mini-Tier zu fotografieren. Ein Ghost Pipe Fish wie ich später erfahre.

 

Auf Koi haben wir allerdings auch kräftig Strömung, und ich muss das erste Mal einen Haken verwenden. Eigentlich macht mein Guide Sophie das komplette Einhaken, ich habe gar nicht viel zu tun. Aber es stresst mich trotzdem ziemlich, weil es sich wie ein Unterwassersturm anfühlt und das Kopfkino einsetzt: Was, wenn ich jetzt weggespült werde?!

 

Das Einhaken funktioniert so: Man hat einen Haken mit ca. 2–3 Meter geflochtenem Seil in seiner Tasche, welches man an seiner Weste einklinkt. Man sucht sich dann einen stabilen Stein, wo man den Haken fest reinklemmen kann (immer doppelt checken!). Dann lässt man das geflochtene Seil frei, sodass es sich in seiner ganzen Länge entfalten kann, und bläst gleichzeitig seine Tauchweste auf, damit man Auftrieb bekommt und vom Riff Abstand gewinnt. Wenn bei all dem nichts schief geht, ist es wie Fliegen unter Wasser. Man hängt am Riff, kann die Arme und Beine von sich strecken, weil man ja weit genug von den Korallen weg ist und fliegt… während einem die Strömung um die Ohren knallt. Das ist halt der Nervenkitzel bei dem Ganzen. Denn finde mal bei Starkströmung einen schönen Stein und denk an alle Schritte im Prozedere. Das ist gar nicht so einfach. Auch beim Ausklinken muss man aufpassen. Denn in dem Moment, wo man sich wieder an den Haken ranzieht und den Haken löst, muss man gleichzeitig die Weste entleeren – also die Luft rauslassen – da es einen sonst nach oben an die Wasseroberfläche katapultiert. Und das ist mit Dekompression und so weiter gar nicht lustig!

 

Es war jedenfalls ein aufregender, toller Tag, und abends sitze ich mit einem Bierchen in der Hand auf meiner Terrasse und schaue den Sonnenuntergang an.

 

Blue Magic und Sardines

 

Heute früh heißt es noch mal: letzte Tauchgänge machen. Es soll als Erstes zum berühmten Blue Magic Spot gehen. Der ist so begehrt, dass die Tauchschulen ihn vorab buchen müssen, da maximal 10 Taucher gleichzeitig dort sein dürfen. Nachdem ich gestern schon nicht hinkonnte, bin ich nun umso gespannter. Zumal die Strömung hier recht kräftig sein soll.

 

Ich gehe mit 2 kg Blei runter. Eigentlich wollten wir auf 1 kg reduzieren, aber Sophie meint, das wäre nicht der richtige Moment, um Experimente zu machen. Der Tauchplatz ist tatsächlich sehr schön. Gleichzeitig hatte ich mir nach den Erzählungen etwas NOCH Großartigeres vorgestellt. Blue Magic ist flacher als die anderen Tauchspots. Die Korallen wachsen also weniger an einer Steilwand hoch, sondern eher in einer Ebene, und das Riff ist auch etwas kleiner. Deshalb macht es Sinn, dass man hier nur mit 10 Leuten auf einmal tauchen darf. Wir müssen kräftig gegen die Strömung anschwimmen an verschiedenen Stellen, was meinen Sauerstoffverbrauch deutlich erhöht. Irgendwann suchen wir uns einen Spot, wo ich mich einhaken kann, und dann heißt es „frei schweben“. Jetzt, wo ich mich mehr an die Strömung und das Einhaken gewöhnt habe, ist es eigentlich ziemlich cool! Irgendwie faszinierend, wie schnell man sich an neue Herausforderungen anpasst. Das zeigt mir einmal mehr, wie gut und wichtig es ist, immer wieder seine Limits herauszufordern.

Nach 48 Minuten komme ich wieder an die Wasseroberfläche.

 

In der Pause fahren wir zu Cat Island, oder auch Mioskun. Es ist eine kleine Insel, die an sich unbewohnt ist, aber gerne von Taucherbooten für das Intervall an der Oberfläche zwischen zwei Tauchgängen genutzt wird. Es ist wie eine Trauminsel. Klein, mit Sandstrand, Palmen, ein bisschen malerischer Felsen mit tropischem Gewächs und der perfekten Mischung aus Sonne und Schatten.

 

Danach geht es noch zum Tauchspot Sardines. Diesmal mit nur einem Kilo Blei und tatsächlich klappt es gut! Ich komme runter! Direkt beim Hinabgehen sind wir umgeben von einem Meer an Fischen. Dem Namen zufolgend dachte ich natürlich, dass das Sardinen sind. Aber anscheinend lag ich da falsch. Es waren irgendwelche anderen Fische, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnere. Es ist jedenfalls wunderschön am Riff. Irgendwann müssen wir jedoch in eine sandige Fläche raus, wo es wenig zu sehen gibt, außer abgestorbenen Korallen und ein paar verlorenen Fischen. Außerdem hat es mächtig Strömung und ich muss echt kräftig trampeln, um vorwärts zu kommen. Kleines Workout! Warum wir vom Riff weg sind und in die Ebene, weiß ich nicht, aber die anderen Kleingruppen sind ebenfalls dort hingekommen, daher gehe ich mal davon aus, dass das so sein soll.

 

Nun ist es offiziell! Ich bin Advanced Open Water Diver! Ich bin sehr stolz und glücklich, dass ich die Fortbildung so spontan noch gemacht habe und ich so viele Komplimente von meiner Tauchlehrerin und einer Tauchfotografin bekommen habe, die beide meinten, dass sie knapp 100 Tauchgänge gebraucht hätten, um an meinen Sauerstoffverbrauchs-Level und meine Bleigewichte ranzukommen. Die Tauchfotografin war richtig neidisch, dass ich mit einem Kilo auskomme, da sie selbst jetzt noch mit mehr taucht.

 

Umzug ins Methos Homestay auf Gam Island

 

Die ersten 5 Nächte sind rum und kaum ist die Advanced Open Water Diver Lizenz abgeschlossen, heißt es Kofferpacken und aufs Long-Boat springen. Heute ziehe ich ins Methos Homestay um. Das Homestay sieht sehr luxuriös aus. Die Häuser sind riesig geschnitten, haben einen richtigen Eingangsbereich und eine tolle, große Terrasse mit Hängematte, Liege, Tisch und Deck zum Sonnen. Hinter den Bungalows ist alles dick mit Mangroven bewachsen, was unheimlich schön aussieht und eine tolle Atmosphäre gestaltet. Sogar den Holzsteg haben sie schön gemacht und mit Laternen abends beleuchtet. Duschen und Toiletten gibt es hier nur zwei (bei Mansuar gab es vier), aber das wird schon passen. Die Dusche ist hier “manuell“: Es sind hier zwei große Eimer mit Wasser gefüllt und darin liegt eine kleine Schüssel, mit der man das Wasser abschöpfen und sich über den Kopf gießen kann. Funktioniert! Allerdings ist es nicht wirklich Süßwasser, sondern eher leichteres Salzwasser :( Das ist das Einzige, was mich stört. Zumindest einmal am Tag würde ich schon gern das Salz von der Haut und aus den Haaren rauskriegen. Aber ok.

 

Am Nachmittag liege ich noch etwas auf der Terrasse und genieße den neuen Blick in die Ferne. Hier habe ich Zimmerservice, da es keinen Gemeinschaftsraum gibt, und so kommt um 19:30 Uhr jemand und bringt mir mein Abendessen auf die Veranda. Super! Der Himmel zieht sich zu und plötzlich haut es den Regen runter und ein Wahnsinnssturm beginnt. Ich kann gerade noch rechtzeitig alles reinräumen und die Schiebetüren zuziehen, bevor es mir reinregnet. Aber es stürmt und regnet so heftig, dass das ganze Bungalow wackelt und es trotz geschlossener Türen innen noch kräftig windet und zieht. Hoffentlich hält mein Häuschen dem Unwetter stand.

 

Freitag ist der neue Sonntag - Ich lege Pause ein

 

Heute mache ich einen Tag Pause, habe ich beschlossen. Ich möchte ausschlafen, die Seele baumeln lassen und ein bisschen meine bevorstehende Neuseeland-Reise planen.

 

Das mit dem Ausschlafen klappt so mittelmäßig. Methos (der Eigentümer des Home Stays) meinte zwar, ich könnte mir das Frühstück einfach holen, wenn ich wach bin und Lust darauf habe. Aber pünktlich um 8:00 Uhr steht die sehr freundliche Küchenchefin mit einem Tablett glasierter Donuts vor der Tür: „Good Morning“. Ausschlafen heißt hier definitiv etwas anderes als zu Hause in Deutschland :D

 

Der Vormittag läuft wie geplant. Ich frühstücke genüsslich, plane meine Reise und gehe zum ersten Mal an unserem Hausriff schnorcheln. Es ist so flach, dass ich mich wirklich so lang wie möglich machen muss, um ja keine Korallen zu berühren. Zunächst sieht es etwas nach Korallen-Friedhof aus. Mittendrin ist eine Anemone, die von ihrem Bewohner – einem kleinen Nemo – tatkräftig verteidigt wird. Er macht mir sehr deutlich, dass ich an seiner Anemone NICHT willkommen bin, indem er quasi rausgeschossen kommt und mir somit androht, mich anzugreifen. Ich bewundere seinen Mut! Wir sollten alle ein bisschen mehr Nemo sein!

 

Je weiter ich schwimme, desto mehr Fische sehe ich um mich herum. Je näher ich Richtung Riffkante komme, desto tiefer wird es und desto mehr intakte Korallen gibt es. Es ist ein Riesengebiet voller toller Korallen. Wiedermal ist es vor allem die Vielfalt, die mich beeindruckt. 

 

Wie es bei mir so ist, wird mir dann um 14 Uhr doch langweilig und ich beschließe, eine Dorfbesichtigung zu machen. Denn nur ein paar Minuten durch den Dschungel durch, geht es zu einem winzigen Dorf. Dort gibt es ein paar Mini Märkte, eine Kirche, eine Schule und einen Jetty, von dem aus man schön schnorcheln kann.

 

Nachdem ich wieder zurück bin, gehe ich noch mal am Hausriff schnorcheln. Hier ist es viel schöner als am Jetty im Dorf. Ich genieße die wunderschönen Korallen und alles ist so friedlich und ruhig. Keine Strömung, die einen auf Trabhält. Ich kann mich einfach treiben lassen. Es ist so leise, dass ich hören kann, wie die Papageienfische an den Korallen knabbern. Es hört sich so an, als würden sie winzig kleine Chips knabbern.

 

Papagaeinfische mag ich sehr. Sie sind so schön farbenfroh und haben alle eine etwas andere Maserung. Etwas weiter sehe ich auch einen Dalmatiner-Fisch. Ob er wirklich so heißt, weiß ich nicht, aber so sieht er zumindest aus. Immerhin das kann ich mir merken. Ich entdecke auch eine ganz neue Koralle, die ich vorher noch nie gesehen habe. Sie ist länglich ca. 30 cm, würde ich schätzen, weich und gräulich. Fast wie ein aufgedunsenes Seil, oder eine tote Wasserschlange. Doch an einem Ende kommen streichholzlange Tentakel heraus. Sie erinnern mich an schmale Federn, so filigran sehen sie aus. Wie ein hungriger Staubsauger greifen diese winzigen Tentakel in den Sand und holen sich Stück für Stück Futter, was sie sich dann in den Mund stecken. Bzw. In das Innere des merkwürdigen Schlauches :D faszinierend! Wusstet ihr übrigens, dass Korallen Tiere sind? In meiner Advanced Open Water Diver Ausbildung habe ich gelernt, dass sie 20 % des Planeten besiedeln und rund 80 % des Sauerstoffs des Planeten produzieren. Wahre Wunderwerke.

 

Während ich zum Bungalow zurückschnorchel, geht die Sonne langsam unter. Zwischen den Wolken blitzen rote Streifen am Himmel auf. Es ist tolle Stimmung. Kaum bin ich wieder auf meinem Deck gelandet, schwimmt eine Familie von Delfinen an unseren Bungalows vorbei. Und als ob das noch nicht genug wäre, springt ein (Manta-?) Rochen aus dem Wasser hoch. Es ist unfassbar. An was für einem magischen Ort bin ich hier gelandet! Wasserbungalow, Sonnenuntergang, Delfine, die hin- und herschwimmen, Rochen – es ist wirklich das letzte Paradies. Der Klang der Delfine ist sehr einprägsam. Denn immer wenn sie auftauchen, hört man ihr kräftiges Ausatmen. Als wären sie erleichtert, nach langem Luftanhalten endlich ausatmen zu können. Nachts, während ich noch Tagebuch schreibe, höre ich genau dieses Geräusch wieder. Schade, dass es zu dunkel ist, um sie zu sehen. Doch sie sind da, ich weiß es!

 

Schnorchel-Safari in der Umgebung - Manta Point & Arborek

 

Heute früh geht es um 8:00 Uhr los zum Manta Spot und dann nach Arborek zum Schnorcheln. Ich freue mich, jetzt auch wieder ein bisschen Programm zu haben, nach dem Pausetag gestern. Selbst jetzt, wo ich so viele Wochen schon unterwegs bin, kann ich immer noch nicht gut stillsitzen. Einerseits ein gutes Zeichen. Denn bisher dachte ich immer, dass meine Unruhe ausschließlich dem Stress im Büro geschuldet ist. Gleichzeitig auch etwas nervig, dass mir so schnell langweilig wird. An einem schöneren Ort als hier kann man gar nicht sein, und ich weiß ja auch, dass es in Ordnung ist, einfach mal zu faulenzen. Dennoch habe ich das ständige Bedürfnis, noch mehr zu machen, als nur auf der Terrasse in der Hängematte zu liegen, um auch wirklich alles aus der Erfahrung rauszuholen. Ich will alles hier mit jeder Faser meines Körpers und meines Bewusstseins aufnehmen. Dass das nicht möglich ist, weil ich unmöglich ALLES sehen und ALLES machen kann, ist eigentlich klar. Trotzdem treibt es mich um. Zum Glück merke ich aber einen Unterschied zu meiner Umtriebigkeit, die ich sonst in Düsseldorf habe. Hier ist es mehr Neugier und das Ausgleichen von Langeweile. In Düsseldorf ist es eher ein Ausdruck von Reizüberflutung und das permanente Gefühl, nicht genug geleistet oder erreicht zu haben.

 

Am Manta Point schnorcheln wir zu viert (zwei Holländer, der Guide und ich) wie wild durch die Gegend, aber weit und breit ist kein Manta zu sehen. Also beschließen wir, frühzeitig nach Arborek zu fahren. Arborek wurde mir als absolutes Muss in den Blogs verkauft, aber ehrlicherweise find ich es recht abschreckend. Es gibt Shops hier! Viele davon! Und eine Bar direkt am Strand. Es gibt auch sowas wie eine „Hauptstraße“. Ok, ok. Ich muss zugeben, das ist nun aus den Augen von jemandem geschildert, der die letzten 5 Wochen mehr oder weniger nur an Orten war, wo es halt eine Unterkunft gab und sonst nichts. Trotzdem. Ich bin froh, dass ich meine Home-Stays so abgelegen ausgewählt habe.

 

In Arborek ist es schön zum Schnorcheln. Ich bin eine gute Stunde im Wasser. Es ist ziemlich seicht und so warm, dass selbst mir im Wasser zu warm ist. Kein Wunder, dass die Korallen bei der Wärme sterben! Ich fotografiere fleißig Korallen, nachdem ich gestern festgestellt habe, dass meine GoPro-Videokünste mangelhaft sind. Hier muss man sich vor den kleinen weißen Fischen in Acht nehmen. Die verteidigen sehr tatkräftig ihr Revier und einer beißt mich sogar ins Bein!

 

Zurück in Methos Homestay mache ich noch zwei weitere Schnorchelausflüge am Hausriff von je 45 Min. Ich sehe direkt zum Start eine kleine Qualle. Sie ist in etwa so groß wie mein Mittelfinger und braun-weiß. Wusstet ihr, dass Quallen kein Gehirn haben? Stattdessen haben sie ein Nervennetz, wodurch sie Reize unmittelbar am ganzen Körper aufnehmen und darauf reagieren können, ohne die Information erst an einen zentralen Ort (wie ein Gehirn) transportieren zu müssen. Später entdecke ich noch einen Oktopus, worauf ich besonders stolz bin, da er sich echt gut getarnt hat. Er sitzt in der Kerbe einer Hirnkoralle und wechselt beim Zusehen seine Farben. Von grau-meliert – ganz genau wie die Kante der Koralle – bis hin zu dunkelbraun und schließlich grau-braun mit wunderschönen blauen Elementen. Ich versuche, mich so ruhig wie möglich um ihn herumtreiben zu lassen und schaue eine ganze Weile zu, wie er durch seine Kiemen und den Siphon atmet. Ein faszinierendes Tier.

 

Abends ist wieder ein wunderschöner Sonnenuntergang, und ich genieße die Aussicht von meiner Hängematte aus. Parallel ist es ein ständiges Abwägen, was ich noch machen könnte oder schon mal vorbereiten könnte. So richtig zur Ruhe komme ich noch nicht.

 

Gam Bay Erkundungstour - Schwimmen mit Quallen und Dschungel-Expedition auf der Suche nach Fledermäusen

 

Heute fahren wir die Buchten von Gam ab, was ca einen halben Tag dauern wird. Mit mir unterwegs ist ein unglaublichlich nettes italienisches Pärchen. Livia ist Tour Guiding und hat reichlich witzige Geschichten zu berichten. Andrea

 

Erster Stop ist ein Quallensee, der in einer Lagune gelegen ist. Angeblich sind die Quallen sehr friedlich und tun einem nichts, wodurch man mit ihnen schwimmen kann. Etwas mulmig ist mir aber schon. Aber egal, ich wage den Sprung ins Quallenmeer. Kaum im Wasser befinde ich mich in einer Wolke von Quallen! Es ist total surreal. Die Quallen sind frühstückstellergroß und ihre Musterung sieht aus, als wenn sie 4 Herzchen auf dem Rücken hätten. Sie sind weiß-transparent und haben kurze Härchen an ihrem Schirm befestigt. Als ich sie anfasse, fühlen sie sich fest und doch glitschig an. Sie sind ca. 4 cm dick, würde ich meinen. Tatsächlich sind sie ganz friedlich und durch sie durchzuschwimmen fühlt sich wirklich abgefahren an. Ich muss nur aufpassen, sie nicht mit meinen Flossen zu treten.

 

Als nächstes geht es zum Dschungel-Trekking, um die Fledermaushöhle zu finden. Wir müssen über pieksende Steine hüfttief ins Wasser, und ich habe natürlich keine Neoprenschuhe dabei. Fluchend und jammernd laufe ich also durchs Wasser und komme nach gefühlten 100 Stunden endlich auf der anderen Seite an. Dann heißt es, Trekkingschuhe anziehen und in den Dschungel aufsteigen. Die Fledermaushöhle ist riesig und sieht nach Tropfsteinhöhle aus. Von der Höhlen-Decke hängen große Stalaktiten herunter. Man hört die Flughunde wild diskutieren, und einige fliegen immer wieder ein Stück raus, um zu testen, ob es schon dunkel ist. Oder sie fühlen sich einfach von uns gestört, das kann auch sein.

 

Zum Abschluss versuchen wir noch, bei untergehender Sonne Mantas zu erschnorcheln. Leider ohne Erfolg, aber die Stimmung ist toll. So weit draußen im Meer mit endlos wirkendem blauen Nichts unter sich und der Reflektion der Sonne auf dem Wasser ist einmalig. Glücklich werde ich auf der Veranda meines Bungalows abgesetzt und ich genieße den tollen Sonnenuntergang. Die Sonne geht wie ein Feuerball im Meer unter.

 

Tagesausflug um Gam Island herum - Schnorcheln, Strände & magische Buchten

 

Heute geht es zu einem Ganztagesausflug um Gam Island herum. Die Insel ist ziemlich groß und ich bin schon gespannt, was wir alles sehen werden. Wir starten mit einem Motorschaden am Boot, d.h. dass die Abfahrt sich etwas verzögert. Aber macht nichts, wir können ja im eigenen Tempo vorgehen.

 

Zunächst fahren wir Richtung Nord-Westen an wunderschönen Felslandschaften vorbei, die alle dick mit Grün bewachsen sind. Es ist eine Mischung aus Tropenwald und Palmen und in der Kombi mit den Felsformationen erinnert es mich etwas an Mogli und das Dschungelbuch.

 

Dann fahren wir zu unserem ersten Tauchspot: Citrus! Vielleicht habe ich es auch falsch verstanden, aber so hat es sich angehört :D Wir tauchen das Riff entlang und es ist mit das schönste Schnorchel-Riff, das ich hier bisher beschnorchelt habe. Das Wetter ist toll und die Sonne strahlt ins Wasser rein, wodurch die Korallen und Fische, die hier im seichten Wasser sind, richtig leuchten und funkeln. Was für ein Luxus, dass ich so tolle Sachen sehen darf! Ich krieg gar nicht genug von den Korallen-Formationen und ich liebe die Fisch-Schwärme. Auch wenn es vielleicht keine besonders seltenen Fische sind, ich liebe einfach das Gewusel um mich herum. Auch einen Haifisch sehe ich unterwegs und Barakudas, sowie auch einen Tiegerfisch. In der Umgebung ist ein riesiges Liveaboard-Schiff herbeigesegelt gekommen. Es sieht wunderschön aus und zwei Boote fahren ihre Taucher hierüber. Zu gerne würde ich wissen, wie es 15 Meter weiter unten aussieht. Jedenfalls haben wir hier einen populären Spot, so viel steht fest.

 

Danach fahren wir an ein winziges Strandstück, wo wir eine kleine Pause machen. Die verlassenen kleinen Buchten haben einen unglaublichen Charme. Eine Tasse Kaffee hätte das Ganze noch abgerundet, aber den gab es erst später beim Lunch. Naja, macht nichts. Im Anschluss geht es ans Nachbarriff, wo deutlich mehr Strömung ist. Aber auch hier ist es wunderschön und ich genieße es sehr. Da eine Mitreisende etwas langsamer ist, nutze ich sogar die Gelegenheit, noch ein zweites Mal rauszustarten. Das Boot hat mich am Ende des Riffs (wo die Strömung recht stark war) noch mal eingesammelt und wieder nach oben zum Startpunkt des Riffs gefahren.

 

Zurück an Bord gibt es nun eine Sightseeing Tour durch die Buchten. Elon Bay fahren wir von oben bis unten ab und ich frag mich, wie bisher noch kein Hollywood-Regisseur auf die Idee gekommen ist, hier seine Filme abzudrehen. James Bond würde sich hier prima machen, finde ich. Irgendwas mit Abenteuer jedenfalls.

Überall sind Mangroven und tropische Lianen, die zwischen den Dschungelbäumen hängen. Mit den Felsen des Archipels muss ich mich noch mal genauer auseinandersetzen. Ihre graue, schwarze, weiße und teilweise rote Färbung sieht sehr beeindruckend aus, und ich würde gern rausfinden, wie sich diese ergeben hat.

 

Die Lunch-Pause steht an. Wir fahren zu einem verlassenen Strand, auf einer verlassenen Insel. Die Sonne steht so, dass uns die Bäume besten Schatten geben und wir genießen unseren Pick-Nick Tupperdosen-Lunch in vollen Zügen. In der Ferne sehe ich wieder das Segelboot. Davor seichtes Wasser mit weißem Strand und das Glitzern des Wassers in der Sonne. Ein riesiger Gummibaum ragt über unser Boot und weit über das Wasser. Ich lasse mich auf dem Rücken in der Lagune floaten und mache die Augen zu. Das Wasser hat den perfekten Salzgehalt, um sich entspannt treiben zu lassen. Wer kann schon sagen, dass er ein Nickerchen im Wasser gemacht hat. Raja Ampat ist wirklich das letzte Paradies. Ich könnte Stunden hier verbringen. Doch als sich Stück für Stück die Flut hereindrückt und unseren hübschen kleinen Strand verschluckt, heißt es weiterziehen.

 

Wir fahren weiter um Gam herum, bis wir an der Friwen Wall sind. Hier wäre ich schon so gerne tauchen gegangen. Doch es hat sich nicht ergeben. Nun gehe ich hier zumindest schnorcheln. Das Gelände ist eindrucksvoll. Der Felsen geht wirklich wie eine steile Wand in die Tiefe herunter. Wir müssen uns also recht nah an den Felsen halten, da wir nur ca. einen 3 m breiten Streifen haben, wo wir, ohne tiefer runterzutauchen, Korallen und Fische sehen können.

 

Die paar Male, wo ich tief nach unten schwimme, erstrahlt die ganze Wand in den buntesten Farben. Beim Tauchen ist es wirklich wichtig, nah zu sein, um die Farben wahrnehmen zu können. Mit ein paar Meter Abstand meint man schnell, dass alles grau ist. Zumal sich ja eh die Farbwahrnehmung in der Tiefe verändert.

 

Ich sehe wieder tolle Korallen und Fische, sowie auch eine Schildkröte. Mein besonderes Highlight ist, dass uns der Guide eine Stelle zeigt, wo man, wenn man tiefer runtertaucht, in eine Felsspalte schwimmen und dadurch hindurch wieder nach oben schwimmen kann. Das will ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Gruselig ist es schon. Aber ich kann tief genug runtertauchen und hab wenig genug Auftrieb, um den Eingang in die Spalte zu finden. Dann muss es aber auch recht schnell mit dem Auftauchen gehen, damit einem nicht die Luft ausgeht. Zügigl geht es durch die schmale Spalte (dick sollte man wirklich nicht sein), vorbei an den schwer irritierten Fischen, ein paar Korallen hab ich auch noch geschrappt und schon bin ich wieder oben.

 

Zum Abschluss fahren wir noch die ganze Küste in Ruhe ab und sehen uns die Luxusresorts aus der Entfernung an. Ich würde sie für nichts in der Welt gegen meine Unterkünfte hier eintauschen.

Zurück zu Hause genieße ich den Sonnenuntergang auf meiner Veranda. Es war ein perfekter Tag. Schöner geht’s nicht.

 

Umzug auf die Fam-Inseln - Piaynemo ich komme!

 

Heute geht es zu meiner dritten und letzten Insel, während ich auf Raja Ampat bin. Die Fam-Inseln. Schon an der Auswahl an Hotels merkt man, dass es deutlich abgelegener ist als die anderen Inseln. Es gibt weniger Auswahl und man kann zwischen sehr einfach und sehr luxuriös wählen. Dazwischen gibt es eigentlich nichts. Ich habe ein kleines Familien-Homestay gebucht, bei dem die Kommunikation etwas schwierig ist. Doch wider Erwarten kommt mein Shuttle-Boot pünktlich, um mich von Methos Homestay abzuholen und über eine Stunde in den Westen von Raja Ampat zu fahren.

 

Als wir zielsicher auf das Homestay zufahren, fühle ich mich wie Robinson Crusoe. In diesem Teil von Raja Ampat sind viel mehr und viel kleinere Inseln beieinander, was die Optik noch mal ganz anders macht. Viele Inseln sind auch deutlich flacher und es gibt mehr Palmen. Das Wasser ist wieder glasklar und diesmal gibt es kein Seegras, was die Optik noch mal schöner macht.

 

Ich komme pünktlich zum Lunch – wie praktisch! – und werde gleich von vielen freundlichen anderen Reisenden begrüßt. Was für ein himmelhoher Unterschied zu meinem letzten Homestay, wo die meisten am liebsten gar keinen Kontakt gehabt hätten (mit Ausnahme der netten Italiener). Leider reist ein Teil von ihnen am nächsten Tag schon ab – wie traurig, ich glaube, wir hätten eine lustige Zeit zusammen gehabt. Das Essen ist köstlich, und man merkt, dass die Familie möchte, dass es einem hier richtig gut geht.

 

Anschließend soll ich mein Zimmer beziehen, doch es gibt Verwirrung darüber, welche Zimmerklasse ich gebucht habe. VIP-Bungalow mit eigenem Badezimmer, oder doch die normale Bungalow-Variante mit geteiltem Badezimmer? Mir wird sofort heiß, da ich befürchte, dass sie keinen Bungalow mit eigenem Badezimmer mehr frei haben. Und ich hab mich doch so darauf gefreut und auch echt einen Aufpreis gezahlt, um 5 Tage Luxus zu haben. Es klärt sich dann aber schnell, und sie machen mir den VIP-Bungalow noch bezugsfertig, während ich schnell eine Runde schnorcheln gehe.

 

Das Riff hier ist das beste Hausriff, was ich bisher hatte. Die Korallen sind weitestgehend unbeschädigt, und ich sehe mal wieder neue Spezien an Fischen. Einmal springt sogar ein Riffhai aus dem Wasser bei der Jagd.

Abends liege ich in meiner Hängematte und genieße das Rauschen vom Meer und die untergehende Sonne.

 

Das Wahrzeichen Raja Ampats: Piaynemo und Star Lagoon

 

Um 8:00 Uhr werde ich vom Andau Dive Resort abgeholt und wir fahren zum berühmten Melissa‘s Garden. In der Soul-Tauchschule haben alle davon geredet, also bin ich gespannt, ob es wirklich so toll ist. Was soll ich sagen. Es war schön. Aber die anderen Tauchplätze, die ich gesehen habe, stehen dem in nichts nach. Im Gegenteil, ich würde nach wie vor behaupten, dass Koi meine schönste Tauch-Location war.

 

Anschließend heißt es Kaffeepause und Ausflug zu DER Berühmtheit von Raja Ampat: Piaynemo. Wir haben unglaublich viel Glück mit dem Wetter. Nachdem es erst kräftig geregnet hat, klart der Himmel auf einmal auf und sofort wird aus dem dunkelgrünen Wasser eine türkise Oase! Der Aufstieg zum Aussichtspunkt ist sehr einfach und schnell gemacht. Der Blick von oben ist unbeschreiblich. Lauter kleine Zuckerhut-Berge, die dicht grün bewachsen sind und aus dem türkisenen, klaren Wasser herausragen. Selbst von hier oben kann ich den Grund des Wassers in der Lagune sehen. Piaynemo hält definitiv, was es verspricht. Ich könnte ewig hier oben sitzen und die Aussicht genießen. Auch wenn die Sonne runterbrennt und ich wahrscheinlich morgen einen Sonnenbrand habe.

 

Danach fahren wir zur Stella Lagoon, wo es unser Picknick-Lunch gibt. Die Bucht sieht hübsch aus, und ich gehe nach dem Lunch eine Runde schwimmen. Ich dachte, das wäre alles, was man hier machen kann. Als ein anderer Taucher aufbricht, um den weiteren Aussichtspunkt hochzusteigen, bin ich eher aus Bewegungsbedarf und im Hinblick auf meine hinzugewonnen Pfunde mit hochgestiegen. Doch oben wartet noch mal ein atemberaubender Blick in die EIGENTLICHE Stella Lagoon. Denn die Bucht, die wir beim Lunch gesehen haben, ist gar nicht die Stella Lagoon, sondern lediglich der Start des Weges dorthin. Die Lagune selbst, kann man erst von oben sehen und ist es definitiv wert, den eher pieksigen, steilen Weg hochzusteigen!

 

Für den zweiten Tauchgang geht es nach Rufus. Es sind zwei Fels-Buckel mitten im Meer, und oben thront eine verlassene Hütte auf Stelzen. Wozu die dient – keine Ahnung. Sie sieht absolut unzugänglich aus, da der Fels so steil ist, dass ich keinen Zugang zur Hütte sehe. Aber wir wollen ihn ja eh von unten und nicht von oben begutachten. Also heißt es abtauchen.

 

Es geht an eine senkrechte Felswand hinunter. Das ist schon sehr furchteinflößend zunächst, denn auch bei 28 Meter Tiefe kann ich keinen Sandboden nach unten hin erkennen. Ich fühl mich ganz klein. An der Wand ist alles Mögliche an kleinen bunten Dingen zu sehen. Doch das eigentliche Highlight kommt erst auf ca. 6 Meter unter der Wasseroberfläche. Hier ist der Winkel des Felsen etwas flacher und das Licht strahlt toll auf die wunderschönen Korallen und die Fische. Hier hätte ich den ganzen Tauchgang verbringen können. Abschließendes Highlight ist, dass wir durch das unter Wasser gelegene Loch zwischen den beiden Fels-Buckeln hindurchschauen können. Durchtauchen geht leider nicht, da die Strömung von der anderen Seite zu stark ist und wir sofort nach hinten geschleudert werden. Aber toll sieht es aus.

 

Es war ein toller Ausflug, und ich freue mich auf einen entspannten Nachmittag im Home Stay. Das Andau Dive Center hat mir insgesamt nicht gefallen. Das Equipment war zwar nagelneu, aber der Tauchguide hat kein Safety Briefing gegeben, die Gruppe war mit 5 Leuten zu groß für einen Tauchleiter, und die Aufteilung des Tauchgangs war nicht gut gemanaged. Wir hätten weniger Zeit in der Tiefe verbringen sollen. Das hätte uns Sauerstoff gespart und mehr Zeit im Seichten gegeben, wo man die wunderschönen Korallengärten bestaunen konnte. Viele Meerestiere konnte der Tauch Guide auch nicht ausmachen. Daher leider keine Empfehlung für Andau!

 

Familien-Ausflug mit Fam Homestay

 

Nachdem mir die Tauchschule gestern nicht so recht gefallen hat, habe ich beschlossen, heute einen Schnorchelausflug mit meiner Homestay-Familie zu machen, statt noch mal tauchen zu gehen. Wir fahren – wie gestern – nach Piaynemo und zur Star Lagoon und dann noch zu drei verschiedenen Schnorchel-Orten: Melissa‘s Garden, Rufus und Pam Wall. Nun könnte man meinen, dass das etwas repetitiv zu gestern ist. Aber die Tauchgebiete sind tatsächlich anders, wenn man sie „erschnorchelt“, als wenn man sie „ertaucht“, weil man auf einer ganz anderen Tiefe ist und somit andere Dinge sieht. Sowieso gibt es an ein und dem selben Riff jeden Tag etwas Neues zu sehen, weil je nach Uhrzeit und Strömung andere Fische da sind. Die Korallen sind natürlich die gleichen. Was die Landschaftsziele angeht, kann man von dem Anblick der beiden Orte, glaube ich, gar nicht genug bekommen. Es ist ein absolutes Privileg, hier zu sein und so etwas sehen zu dürfen. Die Tatsache allein, dass dieser magische Ort so gut wie keine Besucher hat und wir vier Menschlein hier quasi alleine rumlaufen, zeigt, dass wir hier wirklich am abgelegensten Ende der Welt sind. Raja Ampat ist ein verstecktes Juwel und ich hoffe sehr, dass es nie Direktflüge von Bali aus hierher geben wird.

 

Das Wetter macht hervorragend mit. Die Sonne strahlt und es ist knackig warm, aber das ist mir egal. Auf die letzten Tage kann ich mir im Zweifel auch mal einen Sonnenbrand holen. Wir starten mit den Landschaftszielen und steigen Piaynemo und die Star Lagoon hoch. Zwischendrin belohne ich mich mit einer frischen, riesengroßen Kokosnuss für 0,78 €. Die Schnorchel-Orte sind alle sehr schön, aber mein Highlight hier bleibt Rufus Garden. Hier ist die Korallenebene sehr gleichmäßig flach und seicht, sodass man perfekt alles als Schnorchler sehen kann. Heute haben wir auch Glück und es ist kaum Strömung da. Somit kann ich durch das Rufus-Loch tauchen, durch das ich gestern nicht tauchen konnte :) Whohoo!

 

Nachmittags schlafe ich eine Stunde in meiner herrlichen Hängematte und beim abschließenden Nachmittags-Schnorcheln am Hausriff sehe ich wieder einen Oktopus. Er fühlt sich eindeutig ertappt von mir – zurecht! Denn er steht quasi im freien Raum, ungeschützt, ohne eine Koralle oder dergleichen. Es sieht fast so aus, als würde er auf seinen Beinen stehen. Als er merkt, dass ich ihn entdeckt habe, kommt erstmal eine Schockstarre. Danach folgt ein eher mittelprächtiger Versuch, sich auf einen Haufen tote Korallen zu setzen und sich mit deren Farben als selbiges zu tarnen. Dass die Rechnung nicht gut aufgeht, merkt er selber und wagt es schließlich zur nächsten großen Koralle, wo er sich dann krakenmäßig in verschiedensten Farben wunderbar tarnen kann. Er krabbelt immer wieder etwas um die Koralle rum und ich kann zwischendurch sein ganzes Ausmaß sehen. Zwischen seinen braun gefärbten Tentakeln hat er riesige weiße Schwimmhäute. Der Kopf ist so groß wie ein kleiner Rugby-Ball und darauf verläuft ein weißer Streifen bis zum Rücken hinunter. Beeindruckendes Tier. Was für ein Glück, dass ich ihn entdeckt habe. Zu meinen weiteren Errungenschaften auf dem Schnorchelgang gehört, dass ich einen Baracuda gesehen habe und neue Muscheln gesammelt habe, mit denen ich meinen Balkon schmücke.

 

Heute war wirklich ein perfekter Tag. Es hat rundum alles gepasst und ich könnte mich mal wieder kneifen, wie gut es mir eigentlich geht.

 

Zeit für ein bisschen Reflektion: JOTA & JOBA

 

Unsere neue Homestay-Familie hat sich übrigens sehr gut gefunden. Wir haben zwei Briten mittleren Alters, die einen herrlichen Humor haben und schon sehr viel von der Welt gesehen haben. Eine Französin und eine Belgierin (27 und 28 Jahre alt), die in Australien als Haushaltshilfen in den Mienen arbeiten und damit ein Heidengeld verdienen. Und eine Deutsche, die noch recht jung und naiv wirkt. Ein chinesisches Pärchen gibt es auch, aber die sind schwer mit Tauchen beschäftigt und damit selten da. Insgesamt ein bunt gemischter Haufen.

 

Ich stelle fest, dass es ziemlich großartig ist, als Millennial (oder auch Gen Y-Angehörige) mit Gen Z zu reisen. Sie sind hervorragend darin, erstklassige Fotos von einem zu machen. Gleichzeitig fragen sie niemals, ob ich Fotos von ihnen machen kann, da sie per se davon ausgehen, dass ich das als Gen Y nicht kann :D haha Win for me!

 

Insgesamt muss ich sagen, erlebe ich hier das Gefühl von JOTA – the Joy of travelling alone! Ich werde immer wieder gefragt, ob mir das Alleinreisen keine Angst macht und viele machen mir Komplimente, wie mutig ich bin. Ehrlicherweise wüsste ich nicht, wovor ich Angst haben sollte, und ich genieße es in vollen Zügen, mein eigenes Ding durchziehen zu können. Ich bin unabhängig, kann meine Aktivitäten und meine Route so wählen, wie ich möchte, und wenn ich Gesellschaft suche, kann ich sie ohne Probleme finden. Es ist etwas teurer, als wenn ich einen Travel Buddy hätte. Aber einen Tod muss man nun mal sterben und dann wähle ich gerne diesen.

 

Abgesehen davon empfinde ich auch JOBA – the Joy of being alone! Was ich über die letzten Monate noch mal mehr denn je festgestellt habe: Meine Gesellschaft reicht mir. Ich bin super gerne unter Menschen, aber ich freue mich auch immer, wenn ich meine Türe zumachen kann und für mich bin. Am Anfang der Reise hatte ich schon Bedenken – gerade in Bezug auf Raja Ampat, wo ich ohne Reisegruppe unterwegs bin –, ob ich mich irgendwann allein fühlen würde und meine Freude nicht voll entwickeln könnte, wenn ich niemanden um mich herum habe, mit dem ich es teilen kann. Aber ich stelle fest, dass ich auch alleine ganz hervorragend alles in vollen Zügen genießen kann. Was für ein Glück :) Gleichzeitig auch ein Watch-Out. Ich glaube, der Mensch ist von Natur aus kein Einzelgänger. Der Mensch ist ein Herdentier. So sehr ich meine Eigenständigkeit auch genieße und auslebe, darf ich den Punkt nicht verpassen, einen Anker zu werfen und einen Hafen zu erbauen. Alleine alt werden möchte ich nicht. Und der Welt ein Andenken von mir zu hinterlassen, fände ich auch nicht schlecht. In welcher Form auch immer.

 

Chaos-Tauchen mit Andau Dive Resort!

 

Nachdem ich mir eigentlich vorgenommen hatte, nicht noch mal mit Andau tauchen zu gehen, habe ich mich nun heute doch noch mal überzeugen lassen. Kernargument war, dass wir in der Umgebung bleiben, anstatt weit rauszufahren und ich somit zum Mittagessen wieder zurück bin. Ein Halbtagesausflug also und neue Tauchgebiete.

 

Zuerst haben sie vergessen, mich abzuholen und sind eine halbe Stunde zu spät gekommen. Schnurstracks ging es raus Richtung Piaynemo – also doch nicht gerade um die Ecke! Naja, solange ich keinen teuren Boots-Aufpreis zahlen muss wie beim ersten Mal, soll es mir recht sein. Wir halten am Tauch-Spot „Galaxy“, direkt vor den Pforten Piaynemos. Ich freu mich sehr! Doch kaum drehe ich meine Sauerstoffflasche auf, stelle ich einen Defekt fest, den die Guides nicht reparieren können, weil sie kein Werkzeug dabei haben. Das wäre bei Soul Divers nicht passiert! Das bedeutet, dass wir nach dem ersten Tauchgang den ganzen Weg zurück nach Andau müssen. Immerhin kann ich für den ersten Tauchgang zunächst auf meine Zweit-Flasche ausweichen. Wir teilen uns in zwei Gruppen auf, springen von Bord, tauchen ab, doch eine Taucherin scheint Probleme zu haben runterzukommen. Anstatt, dass nur ihr Guide zu ihr schwimmt und sich kümmert, taucht wiederum auch mein Guide mit hoch. Mit dem Ergebnis, dass wir 6 Leute unten am Grunde des Meeres sind, von denen zumindest 2 oder sogar 4 Tauch-Anfänger sind, ohne Guide! Irgendwann gesellen sie sich dann doch noch zu uns und wir haben einen wunderschönen Tauchgang.

 

Auf dem Rückweg nach Andau kommen wir in ziemlich harten Wellengang, und das Wasser klatscht im hohen Bogen immer wieder ins Boot hinein – trotz Dach. Das Boot schwenkt in alle Richtungen und seekrank sollte man hier besser nicht sein. Irgendwann kommen wir heil im Center an und ich nutze die Pause, um in dem schönen Resort einen Iced Latte zu trinken (juchuuu - den hatte ich schon ewig nicht mehr) und das WLAN zu nutzen. Die vier Spanier aus der Gruppe haben gleich schon mal erklärt, dass sie auf den zweiten Tauchgang nicht mehr mitkommen möchten. Die zwei Italiener sind schon noch dabei, doch als wir wieder aufs Boot wollen, stellt sie fest, dass einer ihrer Tauchcomputer weg ist. Es beginnt eine große Suchaktion! Mir ist das erstmal egal, da das Resort schon wirklich sehr schön ist. Ich plansche im Seichten mit unendlich vielen kleinen neugierigen Fischen. Sie schwimmen so nah an mich ran, dass sie fast meine Taucherbrille streifen. Ich glaube, ein paar haben schwer überlegt, ob sie mal an meinen Füßen knabbern sollen. Im Gegensatz zu den anderen Orten, wo ich bisher war, gibt es hier kein Korallenriff vor der Tür, sondern astreinen Sandstrand. Das ist mal was Neues und fürs Schnorcheln hübsch anzusehen, da die Sicht ganz klar ist und viele Fisch-Schwärme da sind. Trotzdem würde ich irgendwann ganz gern mal den zweiten Tauchgang starten. Das Ganze zieht sich schon seit einer Stunde.

 

Das Resort läd mich nun erstmal zum Mittagessen ein, um mich für den ganzen Trubel zu entschädigen. Das lass ich mir nicht zwei Mal sagen. Es gibt köstliche Bouillabaisse, Oktopus, anderen Fisch und dazu Reis und Gemüse. Die Italiener sind stinksauer und sagen den zweiten Tauchgang ab. Also habe ich nun einen Privat-Tauchgang :) wir fahren bei den kräftigen Wellen auf die Rückseite der Insel und ich hoffe, dass die Wellen nicht der Strömung entsprechen. Zum Glück ist es unter Wasser ganz ruhig und ich stelle einen neuen persönlichen Rekord auf, was die Tauchdauer angeht: 73 Minuten! Wir waren ziemlich konstant auf 13m, was ich sehr genossen habe. Das Areal war ziemlich flach und es gab unendlich viele Korallen, die in bestem Zustand waren. Die Sicht war top und die Sonne hat alles schön beleuchtet. Anschließend fährt mich der Guide wieder zurück in mein Homestay. Inzwischen ist es 16 Uhr! Also doch kein Halbtagesausflug. Aber ich hatte meinen Spaß und bin glücklich :)

 

Letzte Tage in Raja Ampat

 

Den letzten Tag in Raja Ampat habe ich mir zum Entspannen und Genießen gelassen. Leider macht mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Es stürmt seit gestern Nacht ziemlich heftig und selbst bei geschlossenen Türen und Fenstern war mir leicht kühl – KÜHL! In Raja Ampat! Durch den Sturm wurde alles Mögliche an Unrat an den Strand angespült. Es ist erschreckend, wie viel Plastikmüll dabei ist! Da der Strand ziemlich wüst und unschön aussieht und wir ja schließlich einen schönen Ausblick von unserer Hängematte aus haben wollen, helfen meine Mitbewohner und ich der Familie beim Beach Clean-up. Unzählige olle Flipflops, Feuerzeuge, aber auch Zahnbürsten, Spritzen und Medikamenten-Flakons wurden angespült. Zum ersten Mal seit langem wird mir wieder bewusst, wie groß unsere Umweltprobleme sind. Zu Hause entsorgt man so ganz normal seinen Müll und wenn man mal falsch trennt, denkt man sich, wird wohl nicht gleich die Welt davon untergehen. Tut sie aber. Denn dann befindet man sich irgendwann hier am Indopazifik und gefühlt bekommt man den Müll der gesamten Welt angespült. Es macht eben doch etwas aus, was jeder Einzelne mit seinem Müll anstellt. Also, mehr Achtsamkeit bei der Mülltrennung und Entsorgung!

 

Abreise – Ready für Neues

 

Zeit, zurück nach Sorong zu reisen, damit ich morgen früh um 8:15 Uhr meinen Flug nach Jakarta und letztlich auch nach Singapur und Auckland antreten kann. Über ein benachbartes Homestay habe ich mir ein Transfer-Boot mit drei anderen organisieren können. Sie holen mich um 10 Uhr ab und dann geht es mit einem komfortablen Speed-Boot 2,5 Stunden nach Waisai. Dort heißt es warten. Eigentlich wollte ich mir die Business Class heute zum Abschluss gönnen (12 Euro statt 6 Euro ;)) doch angeblich ist sie ausgebucht. Na gut, Economy war auch in Ordnung und so geht es weitere 2,5 Stunden nach Sorong. Dafür wartet in Sorong ein wundervolles Hotel auf mich: das Swiss Bell Hotel! Richtiger Luxus und das für nur 52 Euro! Es waren zwei wundervolle Wochen. Trotzdem bin ich jetzt überglücklich, mal wieder ein Hotelzimmer mit warmer Dusche und richtiger Toilette zu haben. Klimaanlage gibt es auch! Ob meine Klamotten da vielleicht tatsächlich zur Abwechslung mal trocken werden?!

 

Am nächsten Morgen geht es zum Flughafen. Auf Wiedersehen Raja Ampat! Es war mir ein Fest!

 
 
 

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